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Kampf gegen Aids: Ehepaar Tempelman erhält Martin-Buber-Plakette

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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„Eine unglaubliche Ehre”: Liesje und Hugo Tempelman erhalten die Martin-Buber-Plakette der Stiftung Euriade. Deren Vorsitzender Werner Janssen (li.) graturliert. Foto: Andreas Schmitter

Kerkrade. Es ist nicht immer ganz leicht, Gutes zu tun, weil Gutes zu tun fast immer ja auch heißt, über das Gute, das man tut, sprechen zu müssen. Um Aufmerksamkeit zu erhalten, die Spenden sichert, mit deren Hilfe man das Gute tun kann, über das man dann beizeiten eben sprechen muss.

Und so saß Hugo Tempelman am Dienstag halb verlegen, halb gerührt in der Bibliothek der Abtei Rolduc in Kerkrade und ließ die wohlmeinenden Worte Werner Janssens über sich ergehen, die sich wie Schwälle des Lobes über ihn ergossen. „Liesje und Hugo Tempelman”, schloss Werner Janssen seinen Vortrag, „sind zwei Menschen, die es nun wirklich verdient haben.” Verdient haben, mit der Martin-Buber-Plakette ausgezeichnet zu werden.

Seit 2002 vergibt die Stiftung Euriade, deren Vorstandsvorsitzender Janssen ist, die Martin-Buber-Plakette für besondere Verdienste um die Menschlichkeit. Das Ehepaar Tempelman aus Apeldoorn/Niederlande wird damit in einer Reihe mit Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker oder Michail Gorbatschow stehen, der 2008 ausgezeichnet wurde. „Wow”, sagte Hugo Tempelman, „was für eine unglaubliche Ehre.” Die Verleihung ist am 15. November.

Tempelman ist Arzt, 1994 rief er gemeinsam mit seiner Frau Liesje die Hugo-Tempelman-Stiftung ins Leben, die sich um HIV-infizierte Menschen in Südafrika kümmert. Das klingt vielleicht ein bisschen lapidar, weil es zum Glück so viele Menschen gibt, die sich um HIV-Infizierte und andere Kranke kümmern; doch aus der Stiftung der Tempelmans ist im Laufe der Jahre etwas entstanden, das man als vorbildliche, vielleicht einzig effektive Form der Entwicklungshilfe bezeichnen kann.

Was 1994 als Aids-Hilfe-Projekt im Nichts von Elandsdoorn 200 Kilometer nordwestlich von Johannesburg begann, ist zu einer Gemeinde mit Schulen, Arbeitsplätzen und einem medizinischen Zentrum geworden. In der Klinik arbeiten Menschen, die die Tempelmans ausgebildet haben, in den Betrieben um die Klinik herum arbeiten Menschen, die in den Schulen von Elansdoorn gelernt haben. Elansdoorn ist wohl kein Paradies, aber es ernährt die Menschen, die dort leben. Das ist sehr viel mehr, als sich über die meisten Städte auf dem afrikanischen Kontinent sagen ließe.

Die Tempelmans haben rund 160.000 Südafrikanern in Elansdoorn geholfen, sich selbst zu helfen. Die Tempelman-Stiftung ist in dieser Hinsicht für viele andere Stiftungen und Projekte in anderen afrikanischen Ländern Vor- und Leitbild.

Dabei war das so alles überhaupt nicht geplant. Als die Tempelmans nach Hugos Medizinstudium und der Hochzeit 1990 nach Südafrika reisten, ging es eher darum, einen anderen Teil der Welt kennenzulernen. Aus der Hochzeitsreise wurde ein befristeter Arbeitsaufenthalt. Eines Morgens, während draußen vor dem Haus die Sonne aufging, beschloss Hugo Tempelman, für immer in Südafrika zu bleiben. Da war es bis zur Gründung der Stiftung nicht mehr weit. Die Tempelmans nahmen eine Hypothek auf ihr Haus auf, kauften dafür 40.000 Steine und fingen an, ein Krankenhaus in Elansdoorn zu bauen. Hugo war kurzzeitig kein Arzt mehr, sondern Bauarbeiter. So fing es damals an.

Dass die Tempelmans in diesem Jahr die Martin-Buber-Plakette erhalten, ist Tempelmans Freund und Buber-Plaketten-Träger Hermann van Veen zu danken, der Janssen empfahl, sich die Tempelman-Stiftung mal genauer anzusehen. Janssen war begeistert.

„Martin Buber steht dafür, dass Menschen auf andere Menschen zugehen sollen”, sagte Janssen am Dienstag. Die Tempelmans seien dafür hervorragende Vorbilder. Hugo Tempelman guckte etwas verlegen zu Boden. Es ist nicht immer leicht, Gutes zu tun.
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