Aachen - JVA-Prozess: Beamter gibt Fluchthilfe zu

JVA-Prozess: Beamter gibt Fluchthilfe zu

Von: os, ddp
Letzte Aktualisierung:
jva
Diese beiden Straftäter sind aus der JVA Aachen geflohen. Foto: Polizei

Aachen. Zweiter Verhandlungstag, zweites Geständnis: Der unter anderem wegen Gefangenenbefreiung angeklagte 40-jährige JVA-Beamte Michael K. hat am Dienstag im Prozess um den spektakulären Ausbruch aus der Aachener JVA eingeräumt, dass er im vergangenen November den beiden Schwerverbrechern Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski zur Flucht verholfen hat.

Sein Anwalt Thomas Gros verlas eine knappe Erklärung, in der der Angeklagte zugibt, den Ausbrechern „Türen geöffnet” und „aus der Pforte zwei Schusswaffen mit Munition herausgegeben” zu haben. Weitere Erklärungen gebe es eventuell später, hieß es.

Zuvor hatte ein Polizist den mutmaßlichen Fluchthelfer schwer belastet. Der Leiter der zuständigen Ermittlungskommission hatte gesagt, auf den Videobändern der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen sei deutlich ein „Zusammenwirken zwischen den Gefangenen und dem JVA-Bediensteten” zu sehen gewesen.

Zudem habe die Auswertung von Handy-Verbindungsdaten ergeben, dass der angeklagte JVA-Beamte in den Tagen vor der Flucht intensiven Kontakt zu den beiden Ausbrechern gehabt habe. Er habe mit ihnen telefoniert und SMS-Nachrichten geschrieben.

Der 40-Jährige selbst habe im Polizeiverhör eingeräumt, dass die beiden Schwerverbrecher in ihren Zellen im Besitz von Handys gewesen seien. Wie Heckhoff und Michalski an die Mobiltelefone kamen, konnte der Ermittler nicht sagen, es sei aber nicht ungewöhnlich, dass das passiere. Nach Angaben des Ermittlers hatte der JVA-Beamte Heckhoff und Michalski unter den Namen „Günter” und „Peter” in seinem Handy abgespeichert.

Unklar blieb am zweiten Verhandlungstag, ob möglicherweise weitere Bedienstete aus der JVA Aachen an der Flucht beteiligt waren. So hatte die Polizei die Zellen der beiden Ausbrecher versiegelt, die Versiegelung sei jedoch einige Tage später aufgebrochen gewesen. Ob möglicherweise JVA-Bedienstete die Zelle durchsucht hätten, um eventuelle Spuren zu vernichten, konnte der Ermittler nicht sagen.

Zuvor hatte bereits zum Prozessauftakt der Ausbrecher Peter Paul Michalski die ihm zur Last gelegten Straftaten „im Kern” gestanden. Ausführlich äußerte sich am Dienstag auch der zweite Ausbrecher Heckhoff. Mehr als eine Stunde lang berichtete er über seine kriminelle Karriere als Schwerverbrecher, wegen der der 51-Jährige bereits mehr als die Hälfte seines Lebens hinter Gittern verbracht hat.

Am Donnerstag will Heckhoff sich auch zum Ausbruch äußern - dass dann am dritten Verhandlungstag das dritte Geständnis folgen wird, daran ließ sein Anwalt Rainer Dietz keinen Zweifel: „Heckhoff war und ist geständig.”

Heckhoff und Michalski waren Ende November 2009 aus der JVA Aachen getürmt. Auf ihrer Flucht hatten sie in Köln, Essen und Mülheim mehrere Geiseln genommen. Heckhoff war am vierten Tag der Flucht in Mülheim an der Ruhr gefasst worden, sein Komplize Michalski zwei Tage später auf einem Fahrrad in Schermbeck am Niederrhein.

Im Prozess wird den beiden Schwerverbrechern Menschenraub, Erpressung und Geiselnahme zur Last gelegt. Der mitangeklagte JVA-Bedienstete muss sich unter anderem wegen Gefangenenbefreiung und Bestechlichkeit und Beihilfe zum Raub verantworten. 17 Verhandlungstage sind angesetzt, das Urteil soll Mitte Juli verkündet werden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert