JVA-Häftling geht auf Beamte los

Von: Heiner Hautermans und Johannes Nitschmann
Letzte Aktualisierung:
JVA Aachen
Das Aachener Gefängnis macht weiter Negativ-Schlagzeilen. Foto: dpa

Aachen/Düsseldorf. Die Justizvollzugsanstalt Aachen, die durch den Ausbruch von zwei Schwerkriminellen ins Gerede gekommen ist, sorgt weiter für Schlagzeilen. Am Freitag wurden zwei Bedienstete von einem lebenslänglich Einsitzenden mit einer Nagelschere angegriffen und verletzt.

Der wegen Mordes verurteilte Mann, der als etwa 60 Jahre alt beschrieben wird, hatte einen jüngeren JVA-Mitarbeiter massiv bedroht und war deshalb mit einer Disziplinarmaßnahme belegt worden: Gegen 13.10 Uhr rückten ein Bereichsleiter mit drei Untergebenen an, um den Fernseher aus der Zelle zu entfernen.

Als der Bereichsleiter schon nahe der Türe war, wurde er von dem Häftling mit einer Schere in den oberen Rücken gestochen, etwa zwei Zentimeter tief in Richtung Lunge. Ein zweiter Bediensteter, der ihm zu Hilfe kam, trug eine etwa fünf Zentimeter lange Platzwunde an der Stirn davon.

Die Beamten zogen sich daraufhin erst einmal zurück. Sie riefen ein besonders geschultes Team herbei, das den mit Messer und Nagelschere in der Türe stehenden Mann nach einer Stunde zur Aufgabe bewegen konnte. Anstaltsleiterin Reina Blikslager: „Wir haben momentan eine Unglücksserie.”

Die für diese Woche geplante routinemäßige Jahrespressekonferenz war kurzfristig abgesagt worden. Blikslager: „Die Anstalt muss erst einmal zur Ruhe kommen.” Der bei dem Ausbruch verletzte Beamte, der vor gut zwei Wochen von einer Streifenfahrt zurückkam und in der Schleuse überwältigt wurde, ist immer noch nicht dienstfähig. Blikslager: „Es scheint ein großes Problem für ihn zu sein, dass er von einem Kollegen in Gefahr gebracht worden ist.”

Wegen offenkundiger Widersprüche bei der Aufklärung des Ausbruchs der beiden Schwerkriminellen aus dem Aachener Gefängnis will die Opposition von SPD und Grünen die nordrhein-westfälische Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) in einer Plenarsitzung des Düsseldorfer Landtags in der kommenden Woche zur Rede stellen. Wie am Freitag aus Oppositionskreisen verlautete, soll die 59-Jährige damit konfrontiert werden, dass der als Fluchthelfer geltende JVA-Beamte zum Zeitpunkt des Ausbruchs nicht vom Dienst suspendiert war, obwohl er bereits Tage zuvor wegen Korruptionsverdachts von Fahndern observiert wurde.
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