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JVA Aachen durchsucht: Keine Waffe

Von: dpa
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Mit einem Großaufgebot durchsucht die Polizei die Aachener Justizvollzugsanstalt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wieder Alarm im Aachener Gefängnis, wieder geht es um eine Waffe: Mit einem Großaufgebot hat die Polizei am Mittwoch nach einer scharfen Waffe gesucht - und nichts gefunden. Die Polizei suchte mit rund 150 Beamten, Hunden und Metalldetektoren in Freistundenhof, Sporthalle und auf dem Sportplatz.

Ein „Informant” hatte Ende letzter Woche gesagt, dass dort eine scharfe Schusswaffe versteckt sei. „Diese Information war falsch”, sagte Blikslager nach dem rund zweistündigen Großeinsatz der Polizei. Der Hinweis sei aber sicher kein Täuschungsmanöver gewesen.

„Wir haben den Hinweis sehr ernst genommen”, sagte Blikslager. Nach dem Tipp sperrte die Gefängnisleitung die verdächtigen Bereiche und organisierte mit der Polizei die Durchsuchungsaktion. Für die Vollzugsbeamten allein wären die Areale zu groß gewesen.

Waffen im Knast - das erschlägt jedes noch so ausgefeilte Sicherheitssystem. In Aachen muss der Hinweis auf die scharfe Waffe wie ein déjà vue wirken: Zur Flucht des Geiselgangsters Michael Heckhoff und des Mörders Peter Paul Michalski im November letzten Jahres soll ein Vollzugsbeamter den beiden eine Schreckschusspistole besorgt haben. Die drei Männer stehen zur Zeit in Aachen vor Gericht.

Dass Drogen, Computerspiele und Handys in Gefängnisse geschmuggelt werden, wundert die Staatsanwaltschaft nicht mehr. Immer wieder gibt es Ermittlungen. „Das sind Verfahren, die hat es immer gegeben, die gibt es und die wird es immer geben”, sagte der Aachener Oberstaatsanwalt Robert Deller. „Dass Waffen geschmuggelt werden, habe ich erstmals im Zusammenhang mit Heckhoff und Michalski gelesen”, erklärte er.

Der Fall Heckhoff und Michalski lastet wie eine Hypothek auf die JVA. Seit der spektakulären Flucht der beiden Schwerverbrecher steht der Aachener Knast unter verschärfter öffentlicher Beobachtung. Von „katastrophalen Missständen” war die Rede. Danach gab es eine Reihe vergleichsweise kleinerer Zwischenfälle: Ein Gefangener attackierte Wärter, bei einem Vollzugsbeamten wurde nach Drogen gesucht, bei einer Rangelei verletzen sich Vollzugsbeamte, als sie die Kontrahenten trennten - und jetzt der Großeinsatz.

Aachen - ein Pannengefängnis? „Dem ist entschieden zu widersprechen”, sagte Pressesprecher des NRW-Justizministeriums, Ulrich Hermanski. Nach dem Ausbruch liege der Fokus der Öffentlichkeit auf Aachen. „Und alles, was da möglicherweise von Interesse ist, erhält ein ganz anderes Gewicht als in einer anderen Anstalt.” In anderen Gefängnissen wären die kleineren Zwischenfälle wohl kein Thema gewesen. Vor allem nach der Erfahrung mit Heckhoff und Michalski sei ganz klar, dass man den Hinweis auf eine scharfe Waffe im Anstaltsgelände sehr ernst nehmen müsse.

Bis November 2009 hatte die JVA Aachen eine makellose Bilanz - sie galt als ausbruchsicher. Bis auf die jährlichen Pressegespräche gab es nicht viel zu berichten. Erst einige Monate vor dem Ausbruch hatte Reina Blikslager die Leitung übernommen, eine zurückhaltend wirkende Frau mit viel Erfahrung im Vollzug. Sie ist Chefin über die Anstalt mit 780 Häftlingen, darunter einigen schweren Kalibern.

Zwischenfälle im Aachener Gefängnis

Das Aachener Gefängnis hatte bis 2009 zumindest öffentlich eine lupenreine Bilanz. Die Justizvollzugsanstalt, in der eine Reihe von Schwerverbrecher sitzt, galt als ausbruchsicher. Seit der spektakulären Flucht des Geiselgangsters Michael Heckhoff und Mörders Peter Paul Michalski im November 2009 sind weitere Zwischenfälle bekanntgeworden.

- November 2009: Die Schwerverbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski flüchten mit Hilfe eines Vollzugsbeamten. Sie sind bewaffnet und nehmen auf ihrer tagelangen Flucht sieben Geiseln.

- Dezember 2009: Ein Häftling greift zwei Wärter mit einer Nagelschere und einem Frühstücksmesser an und verletzt sie.

- August 2010: Die Polizei durchsucht Wohnung und Dienstbereich eines Aachener Vollzugsbeamten wegen des Verdachts des Drogenhandels. Gegen den 46-Jährigen wird wegen Bestechlichkeit ermittelt.

- August 2010: Vollzugsbeamte trennen mehrere Gefangene bei einer Rangelei. Drei Beamte verletzten sich dabei leicht. Die Beamten lösten Alarm aus, weil die Rangelei auf einem Hof in eine Schlägerei auszuarten drohte.

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