Jung und betrunken: Zahl der Gewalttäter explodiert

Von: Robert Esser
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Gewalt
Die Gewalt von Jugendlichen nimmt zu. Foto: dpa

Aachen. Schlägereien auf offener Straße, familiäre Handgreiflichkeiten, Vergewaltigung, Einbruch, Raub: Junge Menschen unter 21 Jahren in Stadt und Kreis Aachen begehen immer mehr Gewalttaten unter Alkoholeinfluss. Die Zahl der betrunkenen Gewalttäter im Alter zwischen 18 und 20 Jahren ist im Jahresvergleich sogar um 80 Prozent von 67 auf 120 Fälle explodiert.

Polizeisprecher Karl Völker: „Erschreckend ist für uns auch, dass wir seit einigen Jahren immer mehr Mädchen und Frauen darunter finden.”

2007 zählte die Polizei insgesamt 1928 Gewaltdelikte. 858 davon schreiben die Ermittler Tätern unter 21 Jahren zu: Kindern, Jugendlichen, Heranwachsenden. 117 dieser Gewalttäter waren bei der Tat betrunken, was einer Alkoholeinwirkung bei 14 Prozent der Taten entspricht. Im Folgejahr stieg diese Quote nach 174 Gewalttaten auf über 21 Prozent.

Aber auch die Gesamtzahl der Gewalttaten unter Alkoholeinfluss (inklusive der Täter ab 21 Jahre) wuchs von 394 auf 507. Indes stieg die Gewalttäterzahl (inklusive nüchterner Tatverdächtiger) nur leicht von 1928 auf 2037. Fazit: Der Anteil alkoholisierter Gewalttäter sprang von 20,5 auf knapp 25 Prozent.

Deutlicher formuliert: 2007 stand in Stadt und Kreis Aachen - altersunabhängig - jeder fünfte Gewalttäter unter Alkoholeinfluss. Aber 2008 war bereits jeder vierte Gewalttäter nachweislich angetrunken oder extrem besoffen. Oberstaatsanwalt Robert Deller bestätigt: „Wir verzeichnen in der Tat ziemlich viele Verfahren mit Beschuldigten, die zur Tatzeit unter Alkoholeinfluss standen.”

Zum Hintergrund: Seit 2007 ermöglichen gelockerte Ladenschlussbestimmungen in Nordrhein-Westfalen Alkoholverkauf rund um die Uhr. Seitdem gibt es auch in Aachen mehr Nacht-Kioske, die sich auf den Verkauf billiger Alkoholika spezialisiert haben. Nach Recherchen der Aachener Zeitung über ausufernde Besäufnisse auf offener Straße im Pontviertel hatte - neben anderen - Dirk Deutz, Chef des hiesigen Hotel- und Gaststättenverbandes, ein maßgeschneidertes Flaschenverbot in Wochenendnächten gefordert, um den Alkoholverkauf an Kiosken und Imbissbuden einzudämmen.

Ein weitergehendes Alkoholverbot, das in Freiburg über anderthalb Jahre die Kriminalitätsrate spürbar gesenkt hatte, wurde diese Woche vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg gekippt. Das Aachener Ordnungsamt überlegt nun, wie man hohe Einsatzzahlen an „Trinker-Ecken” senken kann. Amtsleiter Detlev Fröhlke nennt Beispiele: „Uns beschäftigt neben dem Pontviertel der Frankenberger Park, die Kuckhoffstraße, Hermann-Heusch-StraßePlatz, Lothringer- und Beeckstraße.”

Auch Polizeisprecher Völker betont, dass nicht nur die Pontschiene Schauplatz vieler Gewaltdelikte ist. „Zudem sammelt die Statistik nicht nur Straßengewalt, sondern sämtliche Gewalttaten.” An dem steigenden Anteil alkoholbedingter Straften ändert dies freilich nichts.

Außerdem gibt es bereits örtlich und zeitlich befristete Alkoholverbote in Aachen. Auf Anraten der Polizei verzichte die Alemannia bei „Sicherheitsspielen” am Tivoli auf Alkoholausschank, erklärt Alemannia-Sprecher Thorsten Pracht. Zuletzt seien Begegnungen mit Duisburg und Oberhausen - um Ausschreitungen vorzubeugen - entsprechend eingestuft worden, erklärt Polizeisprecher Völker.

Tankstellen-Anlieger und Gaststätten in der Soers schränkten dann auf Anraten der Stadt ihren Alkoholverkauf ein, heißt es. Schlupflöcher bleiben trotzdem rund um die Uhr: Neben Kiosken bieten Autobahnraststätten und Tankstellen in Stadt und Kreis Aachen Alkohol rund um die Uhr.
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