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Japaner finden Karneval: Lustig und „ein bisschen abscheulich”

Von: Yuriko Wahl, dpa
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Rosenmontagszug
Narren feiern in Düsseldorf den Rosenmontagszug 2009. Wenn das tolle Treiben auf seinen Höhepunkt zusteuert, Kostümierte aus den Kneipen fallen und eine Prunksitzung die nächste jagt, reiben sich viele Ausländer verwundert die Augen. Das gilt besonders in den Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf, Bonn und Mainz. Foto: dpa

Köln/Düsseldorf. Wenn das tolle Treiben auf seinen Höhepunkt zusteuert, Kostümierte aus den Kneipen fallen und eine Prunksitzung die nächste jagt, reiben sich viele Ausländer verwundert die Augen. Das gilt besonders in den Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf, Bonn und Mainz.

Steht das Rheinland eine Woche lang bis Aschermittwoch Kopf, geht das auch an den dort lebenden 11.000 Japanern nicht vorbei. Ein kleiner Teil von ihnen mischt aktiv mit. Ein größerer Teil ist neugierig und interessiert. So mancher zeigt sich aber auch skeptisch oder bleibt lieber auf sicherer Distanz zu dem Narren-Fest, spricht von „Kulturschock” und rügt „schlechtes Benehmen”.

„Rosenmontag ist natürlich auch für die japanischen Geschäfte und Unternehmen hier ein Feiertag”, sagt eine Sprecherin der japanischen IHK in Düsseldorf. Die bunten Umzüge seien sehr beliebt bei seinen Landsleuten, erzählt Wataru Okuma vom japanischen Generalkonsulat, der jedes Jahr mit seinen Kindern zu den „Helau”-rufenden Zuschauern gehört. „Weil es ein sehr schönes, einzigartiges Fest ist.” Bei den Stadtteilzügen laufen auch japanische Kindergruppen mit. Im Raum Düsseldorf hat sich eine 8000 Mitglieder starke japanische Gemeinde mit eigenem Geschäftsviertel, Schule und Kindergarten schon vor Jahrzehnten etabliert.

Wohl weniger gut arrangieren können sich die Asiaten allerdings mit dem Trubel und Lärm des Straßen- und Kneipenkarnevals. „Dieser selbstvergessene Zustand ist mir fremd, das ist nichts für mich”, sagt Michiko Ariga. „Sich erst verrückt zu machen mit viel Alkohol und danach zu fasten, jedes Jahr nach demselben Rhythmus, das macht keinen Sinn.” Ihre Freundin Kiyoko meint: „Ein Kulturschock. Die voll alkoholisierten Frauen, die jeden küssen. Dass man sich so eine Woche lang verhalten kann, ist ein bisschen abscheulich.”

Tänzerin Emi Miyoshi will nicht unhöflich sein, wenn sie über ihre Erlebnisse vom Kölner Straßenkarneval berichtet: „Na ja, es war schon natürlich ein wenig lustig. Aber es war auch sehr chaotisch, sehr wild, es gab viel Müll und schlechtes Benehmen, weil manche Leute zu viel Bier trinken.”

Ihr Mann Marc, der als Halbjapaner beide Kulturen kennt, meint: „Als Kostümfest ist Karneval ein farbenfrohes Ereignis. Aber die gezielte Anmache, das Ablegen aller Hemmungen - das wäre bei japanischen Volksfesten undenkbar.” Sollte sich ein Japaner in eine Karnevalssitzung verirren, werde er wohl wenig Spaß haben: „Der Dialekt ist unverständlich, die Witze damit auch, und der ganze Humor wirkt generell zu eigenwillig, um bei Nicht-Deutschen anzukommen.”

Der neue Chef von Toyota Deutschland will sich auf jeden Fall die Narrenkappe aufziehen: „Mir gefällt die rheinische Mentalität. Und auch wenn ich erst seit Anfang Januar in Köln bin, freue ich mich doch schon sehr darauf, im Wagen der "Altstädter" im Rosenmontagszug mitzufahren”, sagt Toshiaki Yasuda.

Sein Vorvorgänger Yoichi Tomihara aus Tokio war ein echter Jeck, der nicht nur jahrelang Kamelle beim Rosenmontagszug warf, sondern sich mitten ins turbulente Treiben stürzte und viele Partys besuchte: „Im Karneval sieht man offene, fröhliche Menschen, eine bunte und ausgelassene Schar - und das ist die wahre Seite der Deutschen”, hatte er geschwärmt.

Hajime Takatsuka, Direktor bei der japanischen Außenhandelsorganisation Jetro, mag die einfallsreichen Umzugswagen, die feierliche Stimmung, und würde niemals aus dem Rheinland „flüchten”. Kein Fest in seiner Heimat sei dem Karneval ähnlich, aber: „Es gibt eine Gemeinsamkeit: Die Menschen fliehen aus dem Alltag und werden verrückt!”
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