Jahrgang 1903, wie Johannes Heesters

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
oldiebild
Für den richtigen Rahmen sorgen heute Freunde, Verwandte, Bekannte: Marta Hahnenfeld wird 107 Jahre alt und das wird gefeiert. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Als Marta Hahnenfeld am 17. März in Königsberg geboren wurde, lief in Wien die III. Internationale Automobilausstellung bereits auf vollen Touren. Sie sollte ihren Besuchern die Vorteile des Individualverkehrs näherbringen. Pionierarbeit. Autos waren auf den Straßen ein ziemlich seltener Anblick.

Die Automobilausstellung ging am 29. März 1903 zu Ende. Da war Marta Hahnenfeld gerade zwölf Tage alt. Geboren im damaligen Ostpreußen, als zweitälteste von sechs Schwestern. Am Mittwoch feiert Marta Hahnenfeld im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt in Düren-Gürzenich ihren 107. Geburtstag. Mit 103 Jahren ist sie dort eingezogen. In der Region ist sie die Zweitälteste: Im vorigen Jahr feierte im Kreis Aachen ein Bürger seinen 109. Geburtstag, der älteste Bürger der Stadt Aachen wurde im vergangenen Jahr 105. Im Kreis Düren ist Marta Hahnenfeld die Älteste.

Am Mittwoch wird es in ihrem kleinen Zimmer eng. Rund 20 Leute haben ihren Besuch angekündigt. Freunde aus der Baptisten-Gemeinde, der Pfarrer, Dürens Bürgermeister Paul Larue und Hahnenfelds 69-jähriger Neffe Peter Schild werden da sein. Kinder aus der nahegelegenen Tagesstätte dürfen ein Ständchen bringen, ein Fernsehteam möchte berichten. Bei Kaffee und Kuchen wird Marta Hahnenfeld erzählen. Aus einem Leben, das vor über einem Jahrhundert begann. Wie lange das her ist, beweist ein Blick auf die Straßen: Das mit dem Überzeugen von den Vorteilen des Individualverkehrs hat offenbar ganz gut geklappt.

Marta Hahnenfeld, Markenzeichen: Wollmütze. Wenn sie aus ihren 107 Lebensjahren erzählt, ist das so, als sei es erst gestern gewesen. Schulbesuch in Königsberg, Arbeit bei der Ostpreußischen Zeitung, während des Zweiten Weltkrieges dann Druckerin für Lebensmittelmarken, anschließend Anstellungen in Bielefeld, Düsseldorf und Remscheid.

Besonders gern erzählt sie die Geschichte, als Kaiser Wilhelm II. durch Königsberg geritten ist und sie - damals noch ein Schulmädchen - ihm am Straßenrand zugejubelt hat. „Wir haben alle geklatscht und mir hat er seine Hand gereicht.” Oder von dem netten Jungen aus der Konditorei, mit dem sie - es muss in den 20er Jahren gewesen sein - spazieren gegangen ist. Mehr nicht.

Geheiratet hat sie nie, obwohl der Konditorjunge nicht der einzige Verehrer war. Die Ehelosigkeit hat Marta Hahnenfeld auch als Grund angeführt, als Bürgermeister Larue sie bei ihrem 106. Geburtstag fragte, wie man es schafft, so alt zu werden. Klar, ein Scherz. Vielleicht einer, den Larue und seine Amtskollegen in den letzten Jahren immer häufiger hören. Denn die Zahl derer, die ein bemerkenswert hohes Alter erreichen, ist seit 1988 rasant angestiegen.

An den Zahlen lässt sich das Älterwerden einer Gesellschaft festmachen. Und an Gesichtern. An dem von Johannes Heesters und an dem von Marta Hahnenfeld. Beide sind der gleiche Jahrgang, sie sagt, sie möge die Musik des niederländischen Sängers. Menschen wie Marta Hahnenfeld helfen dabei, eine alternde Gesellschaft nicht als Schreckensvision zu zeichnen.

Mit 107 Jahren ist sie zwar auf einen Rollstuhl, aber auf kein einziges Medikament angewiesen. Der Morgen beginnt für Marta Hahnenfeld erst, wenn es draußen hell ist, vorher will sie nicht aufstehen. Nach dem Frühstück liest sie die Zeitung und kein Tag vergeht, ohne dass sie nicht mindestens ein Glas der geliebten Milch getrunken hat.

Was sie sich zum Geburtstag wünscht? „Na, gar nichts. Es ist doch alles so teuer.” Ihrem Neffen hat sie versprochen, im neuen Lebensjahr wieder mehr zu essen. „Danke für Ihren Besuch”, sagt Marta Hahnenfeld bevor sie sich mit einem warmen, kräftigen Händedruck verabschiedet.

In der Region sind rund 6000 über 90 Jahre alt

Im Kreis Düren ist die Zahl der über 90-Jährigen laut Landesamt für Statistik von 1988 bis 2008 um 156 Prozent, von 523 auf 1337 Menschen, gestiegen. Spitzenreiter in der Region ist der Kreis Heinsberg, der im gleichen Zeitraum eine Zunahme von 440 auf 1171 über 90-Jährige verzeichnete, ein Plus von 166 Prozent. Im damaligen Kreis Aachen wurden 2008 mit 1541 rund 148 Prozent mehr Menschen gezählt, die über 90 Jahre alt waren, als noch 1988 (621), in der Stadt Aachen betrug der Anstieg 127 Prozent - von 860 auf 1952.

Der Anteil der Hochbetagten in der Region steigt dabei deutlich schneller als im Schnitt des Bundeslandes. In NRW stieg die Zahl der über 90-Jährigen im gleichen Zeitraum nur um 107 Prozent.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert