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Inventur im Nationalpark Eifel: Der Urwald braucht noch Zeit

Von: Elke Silberer
Letzte Aktualisierung:
Erste Inventur im Nationalpark
Erste Inventur im Nationalpark Eifel: Der Biologe Klaus Striepen erforscht ein Waldgebiet bei Gemünd. Foto: dpa

Gemünd. Olaf Denz und Klaus Striepen sind Biologen. Aber bei ihrer Arbeit wirken sie auf Außenstehende wie Wesen vom anderen Stern. Sie hantieren mit merkwürdigen Instrumenten, verstehen sich sprachlos und wenn sie reden, dann nur in einer Art Geheimsprache.

Sie rattern Botanische Namen wie Luzula luzuloides, Sorbus aucuparia herunter, garnieren sie mit Abkürzungen wie „S2” und streuen prozentuale Angaben ein.

Erste Inventur im Nationalpark Eifel: Was wächst hier und wie viel? Inventur der Natur, das geht nicht vom Büro aus per Computer. Die Daten müssen alle erlaufen werden. Denz und Striepen waren den Sommer über damit beschäftigt sein. 1700 einzelne Punkte mussten sie anlaufen und auswerten.

Für die Inventur spannten Experten ein virtuelles Netz über den Nationalpark und legten 1700 Stichproben-Punkte fest. Die Punkte lagen 250 Meter auseinander und waren nicht immer einfach erreichbar. Wanderschuhe waren ein Muss, genauso wie das GPS-System, mit dem die Biologen die Punkte fanden. Die Fachleute erfassten dort Kräuter, Gräser, Moose, Flechten und Gehölze.

Die Daten sind so etwas wie die erste wissenschaftliche Porträtaufnahme des Nationalparks. „Die Inventur wird alle zehn Jahre wiederholt”, sagt Hans-Joachim Spors von der Forschung des Nationalparks. Wenn die Fachleute diese „Aufnahmen” später nebeneinanderlegen, sehen sie, wie sich das Schutzgebiet über Jahre verändert hat.

Der 2004 gegründete Nationalpark Eifel ist eines von 15 deutschen Großschutzgebieten der strengsten Kategorie und schützt Buchenwälder in Mittelgebirgslagen. Er gehört eher zu den kleineren Nationalparks.

Anders als der Mensch wird das Schutzgebiet mit den Jahren seinem Ideal immer näherkommen - dem Buchen-Urwald. Das 110 Quadratkilometer große Schutzgebiet südlich von Aachen soll sich zur Wildnis entwickeln. Auf lange Sicht bleiben mindestens 75 Prozent der Fläche vom Menschen unberührt. Selbst wenn ein Orkan wie Kyrill die Bäume reihenweise umreißt, wird das Holz nur noch in Ausnahmen weggeräumt.

Bäume, Sträucher, Farne, Kraut

Treffpunkt am Punkt 199 mitten in der Natur - wie man das im Nationalpark erwartet: Bäume, Sträucher, Farne, Kraut, jede Menge Wild-Losung - der Laie würde von Tier-Kötteln sprechen. Ganz viel Natur also, Stadtmenschen würden das sogar als Wildnis bezeichnen. „Der Bereich hier ist naturfern”, sagt Striepen und Laie versteht die Welt nicht mehr.

Das Waldstück ist ein Fichtenwäldchen. Die Natur käme aber nie auf die Idee, an dieser Stelle einen Fichtenwald wachsen zu lassen. Sie hätte die Buche hier wachsen lassen, der Standort ist ideal: Nicht zu nass und nicht zu trocken, relativ milde Winter - passt haargenau. Die Idee mit den Fichten, die hatten vor rund 100 Jahren die Preußen. Sie pflanzten die schnell wachsende Fichte, weil sie ein ertragreicher Holzproduzent ist. Im Nationalpark spielt der Ertrag aber keine Rolle mehr.

Um den Wald an dieser Stelle aufs richtige Gleis zu setzen, hat der Nationalpark auf dem Areal junge Buchen gesetzt. Wenn die groß genug sind, werden die Fichten geschlagen. So wird das an vielen Stellen des Schutzgebietes gemacht. Bis 2034 sollen so 500.000 Kubikmeter Holz geschlagen werden, sagt Spors. Der Nationalpark wird sich verändern - über Generationen: Jetzt noch mit Hilfe des Menschen, später weitgehend ohne. Die Inventur an immer denselben Punkten dokumentiert die Veränderung.
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