Düren - Interview mit Pianist Lars Vogt: „Mancher Flügel sagt: Zaubere mit mir!“

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Interview mit Pianist Lars Vogt: „Mancher Flügel sagt: Zaubere mit mir!“

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Der gebürtige Dürener Lars Vogt zählt zu den besten Pianisten seiner Generation. Foto: Sarah-Maria Berners

Düren. Der 47-jährige Lars Vogt zählt zu den besten Pianisten seiner Generation. Der gebürtige Dürener ist neben seiner Solistentätigkeit Künstlerischer Leiter der Royal Northern Sinfonia in Newcastle. 1998 gründete er das Festival „Spannungen“ in Heimbach.

Herr Vogt, gibt es den perfekten Klang?

Nein, es gibt nur den Klang, der zu einem bestimmten Stück oder einem Komponisten passt. Kunst besteht nicht nur aus Schönheit. Wenn ich nach einem adäquaten Klang suche, dann brauche ich einen Flügel, der eine eher ärgerliche Stelle von Beethoven, die einen nicht so schönen Klang braucht, genau so darstellen kann wie eine wunderschöne Melodie von Mozart oder Chopin. Musiker sind wie Maler, und ein großer Musiker kann auf einem Instrument die ganze Farbpalette abrufen.

Also erst Künstler, dann Instrument?

Wie in der Anekdote über den Geiger Jascha Heifetz, dem jemand nach einem Konzert sagte: „Ihre Geige klingt so schön!“ Heifetz hielt sich die Violine ans Ohr und entgegnete: „Ich höre gar nichts.“

Ist Klang reine Physik oder doch mehr?

Der Dirigent Nikolaus Harnoncourt hat gesagt: „Die Unmöglichkeiten sind die schönsten Möglichkeiten.“ Wir Pianisten suchen gerade nach dem Unmöglichen: Wie kann ich bei einem Ton etwa ein Crescendo erzeugen, eine Intensivierung, die physikalisch eigentlich nicht möglich ist? Wie kann ich eine Verbindung zwischen Melodietönen erzeugen, damit es eben nicht Ping, Ping, Ping macht, sondern klingt wie die menschliche Stimme? Die Kunst liegt in der Suggestion, und da gibt es tatsächlich Instrumente, die sagen: Zaubere mit mir!

Ihr Kollege Matthias Kirschnereit sagt: Man verliebt sich in ein Instrument wie in einen Menschen – und fragt sich erst später, warum eigentlich...

(lacht) Ich würde die Beziehung nicht überromantisieren, zumal ich ja auch dauernd fremdgehe, weil mir immer neue Instrumente vorgesetzt werden.

Gibt es den typischen Bach- oder Beethoven-Flügel?

In manchen Konzertsälen sagen mir die Techniker: Dieser hier ist unser Flügel für Kammermusik und der dort drüben ist unsere Rampensau, mit der Sie bei Rachmaninov auch gegen 100 Leute im Orchester bestehen können.

Ist Steinway der Referenzklang?

In den großen Konzertsälen finden Sie zu 99 Prozent einen Flügel von Steinway, vielleicht noch die eine oder andere Alternative. Grundsätzlich versuchen alle Hersteller von Bechstein bis Yamaha, da heranzukommen, aber für mich hat Steinway immer noch die Nase vor.

Woran liegt das?

Ich suche bei einem Flügel einen gesanglichen Klang, einen langen warmen Ton wie eine Glocke. Bei einem Steinway klingt der Ton schön durch, so lang, dass man ihn zuweilen künstlich abkürzen muss. Man darf ja nicht vergessen: Die alten Komponisten haben ja noch für Hammerflügel komponiert.

Verändern sich Instrumente über die Jahre?

Die Hersteller schwören Stein und Bein, dass es nicht so ist. Aber gerade beim Anschlag der Tasten gibt es große Unterschiede: Bei manchen Flügeln meint man, Muskeln wie Schwarzenegger zu brauchen, andere spielen sich fast von allein, dann fließt die Musik durch einen durch. Instrumente entwickeln sich ungeheuerlich: Einige Flügel fühlen sich nach ein, zwei Jahren völlig anders an.

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