Innerhalb von 24 Stunden ist die Brücke Geschichte

Von: Andreas Gabbert
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Im Dauereinsatz: Acht 35-Tonnen-Bagger haben am Wochenende den ersten Teil der Brücke des Aachener Autobahnkreuzes abgerissen. Foto: Andreas Gabbert

Aachen. Stück für Stück fressen sich die Bagger durch das Gewirr aus Beton und Stahl. In der Nacht wirken sie wie riesige Dinosaurier, die sich über ihre Beute her machen. Das Opfer ist in diesem Fall aber die Zentralbrücke im Autobahnkreuz Aachen.

Acht Bagger mit einem Gewicht von je 35 Tonnen rücken ihr zu Leibe. Zwei der Ungetüme stehen auf der heftig schwingenden Brücke und reißen mit Presslufthämmern die Platte weg. Die anderen sechs unterstützen ihre Kollegen. Sie stehen unten auf der Fahrbahn und tragen das Bauwerk peu a peu ab. Drei Tieflader sind derweil im Pendelverkehr unterwegs, um den Schrott abzutransportieren. Seit 20 Uhr am Samstagabend sind auf der Baustelle alle im Dauereinsatz. Die Männer auf den Maschinen wechseln sich im Schichtbetrieb ab, damit die heiße Phase des Umbaus am Autobahnkreuz Aachen möglichst schnell abgeschlossen werden kann.

Dort wo sonst die Autos aus Richtung Belgien auf die Fahrbahn Richtung Holland treffen, steht ein kleiner Gartenpavillion. Das ist an diesem Wochenende die Kommandozentrale der Bauüberwacher von Straßen.NRW. Von dort haben sie alles gut im Blick. Und bisher läuft auch alles nach Plan. Gegen 2 Uhr in der Nacht sind schon Zweidrittel der Platte abgerissen. „Wenn es hell wird, stehen nur noch die Stützpfeiler”, sagt Projektleiter Helmut Helzle mit einem zufriedenem Lächeln im Gesicht.

Und tatsächlich: Am nächsten Morgen wirken zwar alle Beteiligten etwas übernächtigt, weil das Hämmern der Bagger sie bis in den Schlaf verfolgt hat, aber Helzle hat recht behalten. Um 7 Uhr am Sonntagmorgen kracht der letzte Balken des Überbaus auf die Erde. Der obere Brückenteil ist verschwunden, dafür sind die Schuttberge in der Nord-Ost-Schleife (Belgien Richtung Holland) des Kreuzes gewaltig angewachsen. Den Stahl darf die Abrissfirma verkaufen, der Rest wird in Geilenkirchen in einer Brecheranlage geschreddert und anschließend als Frostschutzkies wieder in der neuen Fahrbahn verbaut.

Die verbliebenen Stützpfeiler sind für die Bagger das kleinste Problem. Kurzer Hand wird der Hydraulik-Hammer durch eine Schere ausgetauscht und schon Knicken die Pfeiler, die rund 50 Jahre lang den Verkehr getragen haben, wie Streichhölzer um.

Mit einem Alter von etwa 50 Jahren ist die alte Brücke noch nicht abgeschrieben. Trotzdem sei es sinnvoll sie durch einen Neubau zu ersetzen, sagt Helzle. Sonst hätte an die alte Brücke eine Spur „drangebastelt” werden müssen, was zu Absätzen zwischen alt und neu in der Fahrbahn geführt hätte. Außerdem wird die neue Brücke länger. „Wenn wir mit dem Umbau des Autobahnkreuz fertig wären, und würden gleich wieder anfangen, dann würden uns die Leute doch für verrückt erklären”, sagt Helzle.

Als nächstes werden jetzt Bohrpfähle in den Boden eingelassen, auf denen die neuen Fundamente aufgesetzt werden. Anschließend werden die Stützen und Brückenköpfe betoniert. Darauf werden dann Stahlkästen mit Betonplatten montiert, und zum Abschluss kommt die neue Fahrbahndecke oben drauf. Das Ganze wird inklusive des Straßenbaus rund neun Monate dauern. „Falls nichts Unvorhergesehenes passiert, wie zum Beispiel ein neuer Wintereinbruch”, schränkt Helzle ein. Danach ist der zweite Teil der Brücke dran. Dann geht die ganze Prozedur von vorne los.

Nennenswerte Probleme gab es an diesem Wochenende rund um das Autobahnkreuz nicht. Lediglich an den Anschlussstellen Brand, Eschweiler-West, Alsdorf und Broichweiden kam es zu kleineren Verkehrsstörungen. Die Sperrungen wurden gegen 20 Uhr wieder aufgehoben.

Ein „Tor zu Aachen” in schwarz und gelb

Optisch wird die Brücke ein „Tor zu Aachen”. Die Geländer und Stahlträger werden schwarz und gelb gestrichen. Die Zentralbrücke misst 75 Meter. Damit ist sie länger als ein Airbus A380. Sie ist 51,45 breit. Das ist doppelt so breit wie die Golden Gate Bridge.

Stahlträger mit einem Gesamtgewicht von 900 Tonnen werden in der Brücke verbaut. Das sind etwa 130 Elefanten. 5000 Kubikmeter Beton werden im Zentralbauwerk des Aachener Kreuzes verbaut. Dafür werden circa 350 vollgeladene Betonmischer benötigt.

Die neue Brücke wird nur noch einen Auflagepunkt in der Mitte haben. Die alte Brücke hatte zwei Mittelstützen bei einer Länge von nur 64 Metern. Das ist durch eine neue Bauweise möglich, bei der Stahlkästen mit Betonplatten verwendet werden. Insgesamt werden zweimal 18 Stahlverbundträger die zwei Felder der Brücke bilden.

Der Verkehr wird bis Sommer/Herbst 2012 mehrspurig weiterfließen. Nötige Sperrungen werden rechtzeitig bekannt gegeben.
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