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Infusionsgeräte abgeschaltet: Bewährungsstrafe

Von: dpa
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Köln. Ein Mann ist in Köln zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil er in einem Krankenhaus die Infusionsgeräte seiner Schwiegermutter teilweise abgeschaltet hatte.

Das Landgericht verurteilte den 44-Jährigen am Dienstag wegen versuchter Tötung in einem minder schweren Fall und entsprach damit der Forderung der Staatsanwaltschaft. Eine hinzukommende Ärztin hatte die Geräte nach wenigen Sekunden wieder eingeschaltet. Die 82-Jährige starb kurz darauf, aber mit dem Abschalten hatte das nichts zu tun.

Der Mann rechtfertigte sein Vorgehen damit, dass seine Schwiegermutter lebenserhaltende Maßnahmen abgelehnt habe. Er habe nur dem Willen ihrer Patientenverfügung entsprochen. Die Richter des Landgerichts sahen das anders. Sie hielten ihm vor, dass er den genauen Inhalt der Patientenverfügung gar nicht gekannt habe.

Demnach wäre nur die Tochter bevollmächtigt gewesen - und auch das nur, wenn nach ärztlicher Einschätzung der Tod nur durch Infusionsgeräte hinausgezögert werden konnte. Die Ärzte hatten die Frau aber noch gar nicht aufgegeben. Wenn die Geräte weiter ausgeschaltet geblieben wären, wäre die 82-Jährige einen „äußerst qualvollen und langsamen Erstickungstod gestorben”. Laut Gericht wollte der Angeklagte den Ärzten vor allem „mal zeigen, wo der Hammer hängt”. Aber niemand dürfe an der Lebensuhr drehen.

Der Mann muss auch noch eine Geldstrafe von 2000 Euro zahlen. Während der Urteilsverkündung sah man ihm bis auf einen hochroten Kopf und gelegentliches Kopfschütteln keinerlei Gemütsverfassung an. Sofort nach der Verhandlung kündigte er Revision an.

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