Aachen/Düren - Indeland GmbH: „Ausschreibung wäre eine Farce gewesen”

Indeland GmbH: „Ausschreibung wäre eine Farce gewesen”

Von: bm, gep, vpu, sj, cs
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Tagebau Inden: Die Indeland Gm
Tagebau Inden: Die Indeland GmbH bemüht sich um die Gestaltung der Region nach der Kohleförderung. Die Bestellung des Geschäftsführers schlägt weiterhin hohe Wellen. Unser Bild zeigt den Bandsammelpunkt im Tagebau. Foto: Volker Uerlings/Stefan Johnen

Aachen/Düren. Die Bestellung des ersten hauptamtlichen Geschäftsführers der Indeland GmbH, Jens Bröker (51), schlägt weiter Wellen. Bröker, ehemaliger SPD-Unterbezirksgeschäftsführer, wurde ohne Ausschreibung von der Indeland-Gesellschafterversammlung bestellt. Er erhält Jahresbezüge von 150.000 Euro.

Zudem ist er über einen Beratervertrag, der dann greift, wenn er nicht mehr Geschäftsführer sein sollte, mit 85 000 Euro jährlich bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren abgesichert. Die Stadt Jülich will juristisch gegen die fehlende Stellenausschreibung vorgehen. Die Gemeinde Aldenhoven hatte bereits Anfang Mai, also noch vor der Landtagswahl am 13. Mai, die Zustimmung ihres Vertreters in der Indeland-Gesellschafterversammlung zur Berufung Brökers widerrufen - dem Vernehmen nach mit den Stimmen der CDU, der Freien Wählergemeinschaft und der FDP.

Der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU), Aufsichtsratschef der Indeland GmbH, lehnte es leider ab, wesentliche von unserer Zeitung an ihn gestellte Fragen öffentlich zu beantworten. Seine Begründung: Er wolle einen innerparteilichen Konflikt nicht noch weiter fördern und lieber nur eine „offizielle Position” verlautbaren. Diese mehrseitige Erklärung der Indeland GmbH („Information für die Medien”) erreichte uns dann am späten Donnerstagnachmittag.

An der „Schnittstelle”

Nach der Darstellung der großen Bedeutung zwischen den Oberzentren Aachen und Köln kommen Landrat Spelthahn und der Indener Bürgermeister Ulrich Schuster, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, auf Seite zwei ihrer Erklärung endlich zu einem konkreten Punkt, nämlich den Geschäftsführer Jens Bröker. Dort heißt es dann unter anderem: „Diese Aufgabe an der Schnittstelle von Politik und Wirtschaft verlangt nach einem Kandidaten, der nicht nur erkennt welche Entwicklungspfade erfolgversprechend sind, sondern auch versteht, diese im Umfeld konkurrierender Interessen zur Geltung zu bringen. Mit Jens Bröker haben wir dafür einen Mann gewinnen können, der diese Fähigkeiten mitbringt und als Innovationsmanager unsere Interessen wirkungsvoll vertreten wird. Dass Herr Bröker viele Akteure, die dabei eine Rolle spielen, kennt, ist dafür sicher ebenso wenig von Nachteil wie der Umstand, dass wir Herrn Bröker und seine Fähigkeiten auch aus seinen politischen Funktionen heraus kennen. Wir wussten daher nicht nur, was wir wollten, sondern auch, wo wir es bekommen. Dann noch eine rechtlich nicht erforderliche Ausschreibung zu inszenieren, wäre eine Farce gewesen. Darüber hinaus haben wir hier im Kreis Düren ja nicht unbedingt gute Erfahrungen mit den Ergebnissen von Headhuntern gemacht.”

Bröker, so heißt es weiter, habe in einer „glänzenden Vorstellung” die breite Mehrheit des Aufsichtsrates und der Gesellschafterversammlung davon überzeugt, dass er der richtige Mann sei.

Eindrucksvolle Mehrheit

Zum hohen Gehalt und dem großzügig dotierten Berater-Anschlussvertrag schreiben Spelthahn und Schuster: „Wir haben Herrn Bröker aus einer unbefristeten wohldotierten Beschäftigung heraus für diese Aufgabe engagiert. Vor diesem Hintergrund ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Bewerber für den Fall einer Nichtwiederbestellung nach fünf Jahren Interesse an einer Anschlussregelung bekundet. Für uns galt es abzuwägen und zu gewichten; und am Ende natürlich auch zu entscheiden. Das haben Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung in eindrucksvoller Mehrheit getan. Damit kommt sicher auch die Überzeugung zum Ausdruck, dass dieser Fall gar nicht eintritt und die Gesellschaft sich in den kommenden fünf Jahren erfolgreich weiterentwickelt.”

Von großer Harmonie bei und vor allem nach der Entscheidung war zumindest in Spelthahns Partei im Kreis Düren keine Rede. Die Kritik kam aus allen Richtungen und nicht nur aus Jülich. Der stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende und Dürener Parteichef Thomas Floßdorf erklärte gegenüber unserer Zeitung: Seit einigen Wochen beschäftige die „Causa Bröker” die Unions-Mitglieder. Spitzenvertreter der Partei seien im gesamten Kreis auf die Personalie angesprochen worden. Um dem Aussprachebedarf nachzukommen, habe man Spelthahn Mitte Juni eingeladen, auf einer CDU-Kreisparteivorstandssitzung, an der auch die CDU-Ortsvorsitzenden teilnahmen, Stellung zu beziehen. Dabei habe sich der Landrat kritische Fragen zur fehlenden Ausschreibung und zur Dotierung des langjährigen politischen Gegenspielers gefallen lassen müssen. Floßdorf selbst bezweifelte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass es keinen anderen geeigneten Kandidaten gegeben hätte, der nicht mit einer Stellenausschreibung gefunden worden wäre.

Der Landtagsabgeordnete Josef Wirtz (CDU) aus Inden sagte auf Anfrage, dass er das gesamte Verfahren der Bestellung, insbesondere aber den Beratervertrag für „nicht seriös” halte: „Hier ist ein verdienter SPD-Parteifunktionär für sein gesamtes Berufsleben versorgt worden.” Bereits vor drei Jahren habe es im Aufsichtsrat der Indelandgesellschaft, dem er damals angehörte, eine Diskussion über einen hauptamtlichen Indeland-Manager gegeben. Eine Ausschreibung sei selbstverständlich festgelegt worden, die Idee als Ganzes dann aber wegen der mangelnden finanziellen Möglichkeiten der Gesellschaft nicht zum Tragen gekommen. Dass nun die Bröker-Stelle über fünf Jahre mit insgesamt einer Million Euro von der Sparkasse finanziert wird, ist für Wirtz „nicht nachvollziehbar”, weil das Geld nun nicht mehr für gemeinnützige Zwecke anderer Vereine oder sozial engagierter Einrichtungen verwendet werden könne.

Aber solche Kritik ist für Wolfgang Spelthahn und Ulrich Schuster fast schon Majestätsbeleidigung, wie sie am Ende ihrer langen Erklärung schreiben: „Für uns ist klar, dass nicht das Spektakel zählt!”
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