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In Köln liegt das südlichste Seemannsamt

Von: Ina vom Hofe, dpa
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Ulrich Wünsche, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Bezirksregierung Düsseldorf im Seemannsamt Köln, im Hafen in Köln. In Köln gehen jedes Jahr 8000 Frachtschiffe vor Anker. Und so kommt es, dass sich dort das südlichste Seemannsamt Deutschlands befindet. Foto:

Köln. Eine steife Brise weht, Wasser rauscht, und Schiffe laufen ein. Fast kommt in 400 Kilometer Entfernung von der Nordseeküste ein wenig maritimes Flair auf. In Köln gehen jedes Jahr 8000 Frachtschiffe vor Anker. Und es gibt dort sogar ein Seemannsamt - das südlichste in Deutschland.

Das für diese Breiten exotisch anmutende Amt liegt recht unscheinbar in einem quadratischen, roten Backsteinhaus am Niehler- Hafen, im Norden der Stadt. Nebenan stapeln sich Container. LKWs bringen und holen die Fracht. Ein Blechschild verweist auf den Eingang zum Seemannsamt. Es dient als Anlaufstelle für Seeleute oder solche, die es werden wollen. Drei ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um die Belange ihrer Kundschaft.

„Zu uns kommen Seeleute, die auf Hochseeschiffen unter deutscher Flagge anheuern wollen”, sagt Ulrich Wünsche (59), der als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Bezirksregierung Düsseldorf im Seemannsamt arbeitet. Seit zehn Jahren betreut der gebürtige Sachse seine Kundschaft für internationale Gewässer. Die deutschen Seeleute stammen sowohl aus Norddeutschland als auch aus Bayern oder Baden- Württemberg.

Manch einer hat dort schon eine Entscheidung getroffen, die sein weiteres Leben geprägt hat - eine Entscheidung für ein Leben auf See. „Abenteuerlust, Berufung oder familiäre Umstände sind oft Gründe, um sich für ein Seemannsleben zu entscheiden”, erläutert Wünsche. Nur Seeleute, die auch auf Hochseeschiffen fahren, werden im Seemannsamt betreut.

Der Rhein wird sowohl von Hochsee- als auch von Binnenschiffen genutzt. Die Binnenschiffer fahren auf Flüssen oder Kanälen, aber nicht auf dem Meer. „Die Hochseeschiffe haben somit den Vorteil, dass die Schiffsladung zum Beispiel nach England nicht noch einmal im Küstenhafen umgeladen werden muss, um über das offene Meer transportiert zu werden”, erklärt Eckhard John von der Abteilung Hafensicherheit der Bezirksregierung Düsseldorf.

Ist der Wasserpegel im Rhein jedoch niedriger als 2,80 Meter, können die Hochseeschiffe den Fluss nicht passieren - das ist ihr großer Nachteil. Die Binnenschiffe übernehmen dann die Fahrt, aber dafür muss man die Fracht dann natürlich auch wieder umladen. „Für die Binnenschifffahrt gibt es allerdings ein eigenes Amt. Das Seemannsamt kümmert sich nicht um die Besatzung von Binnenschiffen”, sagt Wünsche.

In den Seemannsämtern werden am häufigsten Seefahrtsbücher beantragt, eine Art Pass für die sieben Meere. Um das begehrte Buch zu erhalten, muss jeder Seemann einen Arbeitsvertrag vorweisen und sich einer Seediensttauglichkeitsuntersuchung unterziehen. „Es gibt einen Arzt in Köln, der spezielle Untersuchungen zur Seefahrt, wie Sehtests oder Gleichgewichtsorganprüfungen durchführt”, so der studierte Verkehrsbetriebstechnologe.

Die gefürchtete Seekrankheit ist im Vorhinein jedoch nicht zu diagnostizieren. Sie zeigt sich erst auf dem Schiff. „Einige haben ein Leben lang damit zu kämpfen, andere gar nicht”, erklärt Wünsche. Er weiß wovon er spricht, denn er war auch Seemann - aber nie seekrank.

Unter der DDR-Flagge fuhr Wünsche etwa 1973 nach Syrien, um Öl zu holen. Bei Windstärke acht auf hoher See und einem Maschinenschaden, reparierte er mit der Besatzung den defekten Motor. „Da hatte ich gar keine Zeit, um über die Seekrankheit nachzudenken”, erinnert er sich.
Der sächsische Seemann hat mit dem Ehrenamt und als hauptberuflich Angestellter der „Häfen und Güterverkehr in Köln” sein Hobby zum Beruf gemacht. Besonders liebt er an der Seefahrt das Improvisieren.

„Es kommt oft auf See vor, dass man erfinderisch sein muss. Das mag ich. Das ist etwas was ich als DDR-Bürger gut kenne, denn da mussten wir auch viel improvisieren”, schmunzelt er.
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