Köln - Im Rheinland entsteht Doku-Drama über den ersten Bundeskanzler

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Im Rheinland entsteht Doku-Drama über den ersten Bundeskanzler

Von: Markus Peters, dapd
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Adenauer Film
Der Schauspieler Joachim Bißmeier posiert in der Rolle des Konrad Adenauer bei Dreharbeiten des Fernsehfilms „Adenauer” in Köln. Das Dokudrama soll 2012 im Ersten Fernsehprogramm zu sehen sein.

Köln. Als Lyriker ist Konrad Adenauer (1876-1967) bislang nicht bekannt gewesen. Tatsächlich hat der spätere Bundeskanzler als junger Mann für seine Verlobte Liebesgedichte geschrieben. Es ist die wohl verblüffendste Erkenntnis, die Drehbuchautor Werner Biermann bei den dreijährigen Recherchen zum Dokudrama „Adenauer” gemacht hat.

„Eine Familienangehörige Adenauers hat mir ein Buch mit den handschriftlichen Gedichten gezeigt”, berichtete der Grimme-Preisträger am Freitag am Rande der Dreharbeiten in Köln.

In dem vom SWR, WDR und ARTE realisierten Fernsehstück werden die lyrischen Ergüsse des „Fuchses aus Rhöndorf” allerdings keine Rolle spielen, das Drehbuch konzentriert sich auf die Jahre 1933 bis zum Beginn des Mauerbaus 1961.

Hauptdarsteller hinterfragt eigenes Adenauer-Bild

Die Titelrolle verkörpert der hauptsächlich mit starken Theaterrollen bekannt gewordene Joachim Bißmeier: „Wenn man als Schauspieler eine solche Anfrage kriegt, dann stockt man erstmal. Die Frage ist ja, nimmt man mir das typisch adenauersche auch ab?” Mit mehreren Biografien und der Auswertung historischer Aufnahmen versuchte Bißmeier sich der Figur zu nähern. Bei der Besetzung der Rollen sei es nicht um eine größtmögliche Ähnlichkeit mit den historischen Protagonisten gegangen, stellt Drehbuchautor Biermann klar: „Wir wollten Schauspieler, die die Motivation und den inneren Antrieb der Figuren darstellen können.”

Allerdings kommt der hagere Bißmeier im dunkelblauen Dreiteiler dem Original schon recht nahe. Auch an Adenauers typischem rheinischen Singsang will sich der 1936 in Bonn geborene Schauspieler versuchen: „Ich hoffe, das wird nicht parodistisch.” Für ihn war Adenauer der Begleiter durch Kindheit und Jugend, an dessen Politik der Wiederbewaffnung hatte sich der damalige Oberstufenschüler später heftig gerieben. Die Dreharbeiten zwingen Bißmeier nun erneut, sich mit Adenauer auseinanderzusetzen: „Und das ist sehr spannend.”

Film befasst sich mit Schlüsseljahren des Politikers

Er verkörpert Adenauer von dessen 57. bis zum 91. Lebensjahr, eine Zeit, in der der Politiker als Kölner Oberbürgermeister vermeintlich auf dem Höhepunkt seiner Macht stand, ehe Gestapo-Haft, private Schicksalsschläge, der erneute politische Aufstieg und schließlich die schrittweise Entmachtung durch die eigene Partei, der CDU, folgten.

Neben Bißmeier stehen unter anderen Johannes Zirner als „Spiegel”-Chef Rudolf Augstein und Bernhard Ulrich als Franz-Josef Strauß vor der Kamera. Regie führt Stefan Schneider. Ergänzt werden die Spielszenen durch Interviews mit Adenauers noch lebenden Weggefährten und Familienangehörigen, dazu kommt eine Einordnung durch Historiker.

In Köln wird unter anderem im sogenannten Gerling-Quartier gedreht. Die ehemalige Zentrale des längst abgewickelten Versicherungskonzerns mit ihren langen Gängen und Marmorsäulen dient unter anderem als Landtag und Redaktion des „Spiegels”. Auch in Adenauers privaten Räumlichkeiten in Rhöndorf bei Bonn darf mit Zustimmung der Familie gedreht werden.

Fernsehzuschauer hatten Adenauer schon für Jahren zum „größten Deutschen” gewählt, einem Urteil, dem sich Darsteller Bißmeier eher nicht anschließen will: „Ich hätte mich wahrscheinlich für Goethe entschieden.”

„Adenauer” soll im kommenden Jahr in der ARD ausgestrahlt werden, der genaue Sendetermin steht noch nicht fest.
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