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Im neuen Superknast gibts Einzelduschen

Von: Frank Christiansen
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Darf nur von außen fotografie
Darf nur von außen fotografiert werden: Das neue Großgefängnis in Ratingen, das Anfang 2012 bezugsfertig sein soll. Foto: dpa

Düsseldorf. Der „Empfang” hinter bombensicherem Glas und Einlasskontrollen schon während der Bauzeit: In Ratingen an der Grenze zu Düsseldorf ist ein neues Großgefängnis entstanden - als Blaupause für eine neue Generation von Haftanstalten. Anfang nächsten Jahres soll es fertig sein.

Die teure Glasfassade des Eingangsgebäudes täuscht Offenheit nur vor: Sie ist aus explosionsfestem Spezialglas. Das Eingangstor hält einem Panzer stand. Am Stadtrand von Düsseldorf ist in den vergangenen zwei Jahren die größte Investition in den nordrhein-westfälischen Strafvollzug seit mehr als 50 Jahren verbaut worden.

Das neue Groß-Gefängnis wird drei Haftanstalten ersetzen: Die Ulmer Höh in Düsseldorf sowie Anstalten in Duisburg und Oberhausen. 180 Millionen Euro kostet der neue „Superknast”, der Vorbild für eine neue Generation von Gefängnissen werden soll.

Aus der Luft ist das gewaltige Haftgebäude mit der Form eines H gut zu erkennen. Das 17 Fußballfelder große Gelände liegt unmittelbar an der Autobahn 44 und nahe des Düsseldorfer Flughafens. 180 Millionen Euro kostet der neue Groß-Knast, das sind 210 000 Euro Baukosten pro Haftplatz.

Hinter der gut fünf Meter hohen Außenmauer versteckt sich ein ebenso hoher Drahtzaun mit Stacheldraht. Wer sich ihm auf zwei Meter nähert, löst Alarm aus und wird von Kameras ins Visier genommen. Die Sicherheitszentrale ist außerhalb des Zauns, damit das Gefängnis auch im Fall eines Aufstands unter Kontrolle bleibt.

Besucher müssen nach der Leibesvisitation durch einen unterirdischen Gang, um jeden Kontakt zu den Gefangenen zu vermeiden. Trotzdem ist das neue Gefängnis dank diverser Aufzüge „barrierefrei”, also behindertengerecht. Das gilt für Gefangene und Besucher.

Im Besucherbereich sind auch die „Liebeszellen” für Langzeitbesuche von Ehefrauen und Freundinnen. Die neue JVA Düsseldorf wird ein reiner Männer-Knast. Auf 850 Gefangene kommen 350 bis 380 Bedienstete. Die Devise lautet: So wenig Personal wie möglich, aber nicht zu wenig, „sonst fliegt einem die Anstalt um die Ohren”, raunt ein Vollzugs-Verantwortlicher. Der Gefangenen-Aufstand vor 21 Jahren in der JVA Rheinbach ist nicht vergessen. Drei Tage dauerte es, bis die Meuterei niedergeschlagen war.

400 Bauarbeiter haben das neue Stahlbeton-Domizil hochgezogen. Sie mussten ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen: „Wir wollten nicht, dass hier jemand an seiner eigenen Zelle baut.” Die Fenster der Zellen sind zweifach vergittert: Auf die massiven Gitterstäbe aus Mangan-Hartstahl kommt noch ein kleinmaschiges Netzgitter, damit nicht, wie in den alten Gefängnissen, Verbotenes ungehindert von Zelle zu Zelle wandert.

Die Zellenwände sind blassgelb, die Zellentüren in lindgrün gehalten. Möglichst viel Tageslicht soll die Energiekosten gering und Gefangene sowie Gefängniswärter bei Laune halten. In den düstergrauen Gefängnissen der 1970er Jahre ist der Krankenstand der Bediensteten enorm hoch, das soll in Ratingen nicht passieren.

Jede der 10,5 Quadratmeter großen Zellen hat eine winzige Sanitärzelle mit WC und Waschbecken. Die Einzelduschen sind auf dem Flur und kein Ausdruck von Luxus, versichern die Verantwortlichen. Gemeinschaftsduschen hält man inzwischen für zu gefährlich. Weil die Gefangenen aus rechtlichen Gründen beim Duschen nicht beobachtet werden dürfen, konzentrieren sich dort brutale Übergriffe und andere Straftaten.

Handy-Detektoren und die Abschirmung der Funknetze sollen verhindern, dass aus dem neuen Knast heraus unkontrolliert kommuniziert wird. Besonders zugeschlossen zeigen sich die Verantwortlichen beim Knast im Knast: Herrscht für das Gelände Fotografierverbot, dürfen Besucher in die „Sonderhaftabteilung”, den Hochsicherheitstrakt, nicht einmal einen neugierigen Blick werfen.

Viele Bauprojekte in den NRW-Haftanstalten

37 Justizvollzugsanstalten gibt es in Nordrhein-Westfalen - einschließlich des Justizvollzugskrankenhauses Fröndenberg. Zum 31. Juli 2011 gab es 17 103 Gefangene, davon 1006 Frauen.

Der Neubau in Ratingen bietet Platz für 855 Häftlinge als Ersatz für die bisherigen Einrichtungen in Düsseldorf und Duisburg. Die Baukosten belaufen sich auf rund 180 Millionen Euro.

Die umfassende Erweiterung der Jugendstrafanstalt Heinsberg ist auf 306 neue Plätze im geschlossenen und 24 neue Plätze im offenen Vollzug ausgelegt. Die Fertigstellung ist für Ende 2012 geplant. Die Baukosten sollen 82 Millionen Euro betragen.

Soeben eröffnet ist das neue Gefängnis ausschließlich für 150 junge Gefangene in Wuppertal. Es wurde für 179 Millionen Euro gebaut. Umgebaut werden die Gefängnisse in Werl (5,9 Millionen Euro), Rheinbach (5,2 Millionen) und Schwerte (5,3 Millionen) Die Jugendarrestanstalt Wetter wird für 2,1 Millionen Euro um neun auf 31 Plätze für weibliche Insassen erweitert.

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