Aachen - „Ich kanns fast nicht mehr hören”

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„Ich kanns fast nicht mehr hören”

Von: Berthold Strauch
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Per Magnet rausziehen: Lothar à Brassard demonstriert sein „eisenhaltiges” DNA-Testverfahren für Schweinegrippe im Labor. Foto: Berthold Strauch

Aachen. Am Donnerstag geht´s zur Sache: Dr. Hans Schäfer hat die ersten 20 Patienten in seine Aachener Praxis bestellt, der Impfstoff ist endlich geliefert. Nächste Woche sind im gleichen Takt wieder 20 Patienten verarztet.

Damit ist die Warteliste längst nicht abgearbeitet. Aber mehr Ampullen des zunehmend begehrten medizinischen Vorbeugungsstoffs gibt es nicht. Der organisatorische Aufwand, die Patienten zu bestellen, ist ja auch nicht ohne, will man sich nicht gegenseitig auf die Füße treten. Und das für ein Entgelt von 5,20 Euro brutto pro Impfung, wie eine medizinkundige Expertin vorrechnet.

Dass jeder, der meint, von der Schweinegrippe erwischt worden zu sein, denn auch zum Nasen- oder Rachenabstrich gebeten wird, kann man ohnehin vergessen. Aus Schäfers Sicht nachvollziehbar - aus Kostengründen: „Würden wir Ärzte jeden testen, wäre das Gesundheitssystem morgen tot”, spitzt der praktische Arzt zu. Wer sollte das bezahlen?! Wer indes zu einer Risikogruppe zählt, etwa Kinder und Menschen mit schweren Vorerkrankungen, kann sich auf schnelle, wirksame Hilfe verlassen.

Zudem soll für die Gesundheitsämter die im Mai eingeführte Meldepflicht aufgehoben werden, Erkrankte zu melden. Dr. Leo Hansen, Arzt aus Alsdorf und Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, steht dazu: „Wir wollen doch keine Strichlisten-Medizin!” Angesichts zunehmender Fallzahlen nütze diese Information eigentlich niemandem.

Sein Kollege Schäfer fügt an: „Viel wichtiger wäre, eine schnell angelegte Statistik über die ersten Impf-Nebenwirkungen zu bekommen. Damit wäre mir mehr geholfen - und meinen Patienten.”

Ein Blick in die - sprichwörtliche - Praxis: „Es ist katastrophal!”, stöhnt Arzthelferin Kathi Bröder aus der Alsdorfer Gemeinschaftspraxis von Dr. Hansen. „Schweinegrippe - ich kann´s fast nicht mehr hören!” Letzte Woche wurden 120 Patienten durchgeschleust, Freitagnachmittag 90 auf einen Schlag.

Diesen Samstag werden in der Praxis sogar 230 Impfwillige erwartet. Der ganze Vormittag ist voll gepackt. „Der Impfstoff ist der Flaschenhals”, sagt Hansen. Die Hersteller kommen mit der Lieferung nicht nach - jetzt, wo nach Todesfällen die Impfwelle richtig angerollt ist.

Dr. Lothar Nossek, Mediziner aus Alsdorf, verweist in Sachen Patiententest auf Empfehlungen der Kassenärztlichen Vereinigung und des Robert-Koch-Instituts, nur noch bei Risikogruppen einen Abstrich zu nehmen. Zudem mahne sein Großlabor, „bitte nur die ganz dringenden Fälle zu schicken”, weil die Bearbeitungskapazitäten an ihre Grenzen gekommen seien.

Besteht ein Patient, der nicht zu einer Risikogruppe gehört, auf dem Nasenabstrich, muss er den selbst zahlen, macht Nossek deutlich. „Ein H1N1-Test kostet 20,11 Euro.”

Baesweiler Firma entwickelt Testverfahren

Apropos: Auch für dieses Krankheitsbild hat der promovierte Chemiker Lothar à Brassard eine Lösung parat. Seine Firma Chemagen AG entwickelte in Baesweiler ein patentiertes Verfahren, das in einer Stunde eine klare Aussage erlaubt, ob Schweinegrippe vorliegt.

Aus „verdächtigem” Nasenschleim ziehen winzige Eisenteile, die mit dem reaktionsstarken Spezialkunststoff Polyvinyl-Alkohol überzogen sind, in einem Analyseautomaten mit Hilfe von Magneten binnen einer Stunde die DNA-Erbinformationen heraus.

„Unser Geschäft ist stark gewachsen”, macht à Brassard deutlich - ein positives Symptom der tückischen Krankheit.
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