ICE: Aachens Wirtschaft entsetzt

Von: Udo Kals und Berthold Strauch
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Kein Halt in Aachen? Der Hauptbahnhof könnte den Anschluss verlieren. Foto: dapd

Aachen/Berlin. Nach Berlin zur Internationalen Tourismusbörse (ITB) sind die meisten Herrschaften mit dem Flieger gereist. Doch die Bahn, oder besser gesagt, der drohende Wegfall des ICE-Halts Aachen, war am Mittwoch auch in den Messehallen ein dominierendes Thema.

Der Brandbrief von Hans Joachim Sistenich, Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes (AVV), in dem er unter anderem zu Protestnoten an Bahnchef Rüdiger Grube aufruft, hat seine Wirkung nicht verfehlt.

Briefe der Bundestagsabgeordneten Bettina Herlitzius (Grüne), Ulla Schmidt und Dietmar Nietan (beide SPD) sind etwa schon unterwegs. Er habe viele positive Rückmeldungen bekommen, sagte Sistenich am Mittwoch: „Die Region stellt sich auf, um schnellstmöglich aktiv zu werden. Die Zeit läuft uns weg.”

Der AVV-Chef befürchtet, dass die Bahn den neuen ICE zwischen Frankfurt und London nicht in Aachen halten lassen will und somit sämtliche ICE-Verbindungen entfallen. Ob der Zug stattdessen im neuen Lütticher Bahnhof halten könnte, ist eine andere Frage.

Fritz Rötting, Geschäftsführer der Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK), nutzte in Berlin mit Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) die Gunst der Stunde: Auf der ITB sprachen sie NRW-Verkehrsminister Harry Voigtsberger (SPD) auf die drohende Entwicklung an. Und der Minister sagte sofort zu, die Region zu unterstützen und umgehend das Gespräch mit Bahnchef Grube zu suchen, bestätigte Rötting gegenüber unserer Zeitung.

Prof. Günther Schuh, Geschäftsführer der Aachener Campus GmbH und Prorektor der RWTH, nannte das mögliche Abkoppeln Aachens vom internationalen Zugverkehr „katastrophal”. Dies schade „doppelt und dreifach dem ehrgeizigen Hochschulentwicklungsprojekt”, mit dem namhafte Unternehmen angeworben werden sollen.

Auch IHK-Verkehrsexpertin Monika Frohn warnt vor dem Wegfall des ICE-Haltepunktes. Doch noch sieht sie Chancen. „Wir müssen der Berliner Bahnzentrale klarmachen, was für eine grenzüberschreitende Bedeutung der Aachener Hauptbahnhof hat. Die wissen gar nicht, was für einen Standort sie vernachlässigen.”

Dabei spricht sie von einem Einzugsgebiet von mehr als 3,7 Millionen Menschen und zieht die Region gar bis Eindhoven. Denn: „Die Niederländer wollen schließlich eine IC-Verbindung von Eindhoven über Heerlen nach Aachen legen, um Anschluss an das Hochgeschwindigkeitsnetz zu bekommen.”

Gemeinsam mit dem niederländischen Partner will die IHK nun in Berlin für den ICE-Halt Aachen werben. Auch mit dem Argument, dass mehr als 400 Unternehmen im Kammerbezirk geschäftliche Kontakte nach Großbritannien mit dem Mittelpunkt London pflegen.
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