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Hygiene: Krankenhäuser in der Region entsetzt über TV-Beitrag

Von: Claudia Schweda und Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
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Auch das überprüfen Hygienebeauftragte: Werden Desinfektionsmittel richtig genutzt? Foto: dpa

Aachen. Recherchen des ARD-Magazins „Plusminus“ und des Recherchezentrums Correctiv.org, dass in unserer Region fünf von 17 Krankenhäusern Hygienevorschriften nicht erfüllen, beruhen nach unseren Informationen auf veralteten oder falschen Angaben. Basis der Auswertung von „Plusminus“ und Correctiv sind die drei Jahre alten Daten des Krankenhausqualitätsberichts von 2014.

Dieser Qualitätsbericht wird jährlich erstellt. Laut einer interaktiven Grafik, die auf der ARD-Internetseite zu finden ist, erfüllen das Marien- und das Franziskushospital in Aachen, das St.-Antonius-Hospital in Eschweiler, die LVR-Klinik in Düren und die Eifelklinik St. Brigida in Simmerath die Mindestanforderungen der Hygienevorschriften nicht. Bezug genommen wird dabei auf Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2009. Schon damit ist die Auswertung nicht mehr aktuell, da die Empfehlungen in Teilen im vorigen Jahr überarbeitet wurden.

Geblieben ist die Vorgabe, dass jede Klinik mit mehr als 400 Betten jeweils mindestens einen Krankenhaushygieniker, eine Hygienefachkraft, einen hygienebeauftragten Arzt und eine hygienebeauftragte Pflegekraft beschäftigen soll. Bei Kliniken mit weniger als 400 Betten ist demnach kein Krankenhaushygieniker erforderlich. „Plusminus“ und Correctiv wollten überprüfen, wer diese Vorgaben erfüllt.

Bei den Krankenhäusern in unserer Region wundert man sich allerdings, warum die Daten nicht bei den Häusern angefragt wurden. Denn: Bei dem Qualitätsbericht gibt es auch sogenannte Kann-Fragen, bei denen den Krankenhäusern freigestellt ist, eine Antwort zu geben. Aber „Plusminus“ und Correctiv werteten es als Defizit bei der Hygiene in den Kliniken, wenn diese Kann-Fragen unbeantwortet blieben.

„Und warum nimmt man nicht den aktuellen Qualitätsbericht, den wir jederzeit gern bereitstellen“, fragt sich Thomas Hax-Schoppenhorst, Sprecher der LVR-Klinik in Düren. Die Klinik erfüllt alle Kriterien. Eigentlich. Ebenso wie das Eschweiler St.-Antonius-Hospital.

Für „Plusminus“ fallen diese Häuser aber dennoch durch, weil sie einen externen Hygieneberater beschäftigen, der in mehr als drei Krankenhäusern tätig ist. „Eine Regelung, nach der ein externer Krankenhaushygieniker maximal für zwei Kliniken arbeiten darf, ist uns nicht bekannt“, erklärt dazu das NRW-Gesundheitsministerium auf Anfrage. Auch in den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts gibt es keinerlei Einschränkungen für die Hinzuziehung eines externen Hygienikers.

Das Marienhospital in Aachen lässt sich von demselben Krankenhaushygieniker beraten und fällt für „Plusminus“ deshalb ebenfalls durch. „Wir haben ihn in dem Qualitätsbericht nicht angegeben, weil er nicht fest bei uns angestellt ist“, sagt Vorstand Benjamin Michael Koch.

Außerdem treffe es nicht zu, dass das Haus keinen Hygienebeauftragten habe. Sie überprüften beispielsweise den Verbrauch an Desinfektionsmitteln oder ob sich die Pflegekräfte die Hände richtig desinfizieren. Außerdem müsse ein Hygieniker beraten, wenn es um die Anschaffung neuer Möbel gehe. Ein Beispiel: Polster sind nicht erlaubt, weil sie Keime anziehen.

„Das Aachener Gesundheitsamt kommt jährlich in alle Krankenhäuser, um zu überprüfen, ob wir die Vorgaben erfüllen“, sagt Enno Swalve, hygienebeauftragter Arzt am Franziskushospital. „Plusminus“ monierte, es gebe in dem Haus keine Hygienefachkräfte. Das sei schlichtweg falsch, sagt Swalve. Die Eifelklinik teilt mit, bei ihnen sei das Hygienemanagement Chefsache. „Unsere Ergebnisse in allen relevanten Qualitätsmessungen sind gut bis sehr gut“, teilt Sprecherin Esther Fernholz mit. Erfolgreiches Hygienemanagement lasse sich nicht auf Basis willkürlich ausgewählter Daten identifizieren.

„Das ist eine schlampige Analyse“, sagt Elmar Wagenbach, geschäftsführender Vorstand im St.-Antonius-Hospital. „Das hat mit Aufklärung nichts zu tun.“

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