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Hunderte gefährliche Blindgänger stecken im Boden

Von: dpa/red
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Viersen/Jülich. Hohe Sachschäden, Verletzte oder sogar Tote: Wenn Bauarbeiter – wie in Euskirchen – zufällig auf Kriegsmunition stoßen oder Experten Bomben kontrolliert sprengen, kann es zu Unglücken kommen.

So kam es im September 2012 in Viersen bei der kontrollierten Sprengung einer Weltkriegsbombe zu Verwüstungen. In der Fußgängerzone mussten Teile von Geschäften abgerissen werden. Ein Jahr zuvor waren Archäologen in Aachen auf eine Phosphor-Brandbombe gestoßen. Weil der Verdacht bestand, dass das Team die giftigen Dämpfe eingeatmet haben könnte, musste die Gruppe ins Krankenhaus.

Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs liegen noch immer zahlreiche Blindgänger im Erdreich. Im Jahr 2011 entschärften die Experten der Kampfmittelräumdienste in NRW 862 Bomben, ein Jahr später waren es 706, davon 239 große Bomben mit einem Einzelgewicht von mindestens 50 Kilogramm. Landesweite Zahlen für 2013 hat das NRW-Innenministerium noch nicht vorgelegt. Bei der Vorlage der Zahlen für 2012 betonte Landesinnenminister Ralf Jäger, dass Zufallsfunde eine immer geringere Rolle spielten. „Häufig finden wir Bomben durch Luftbilder der Alliierten.“ Zugleich warnte er: „Schlechter Zustand und Rost sind kein Beweis für Ungefährlichkeit, ganz im Gegenteil.“ Besonders gefährdet seien Mitarbeiter von Tiefbauunternehmen, Kinder, Sammler von Militärgegenständen sowie Land- und Forstwirte.

In der Region sind die jüngsten Entschärfungen von Weltkriegsrelikten in den vergangenen beiden Jahren glimpflich verlaufen. Die größte Aktion fand im April 2012 in Jülich statt, wo eine 20-Zentner-Fliegermine entschärft wurde. Nach dem brisanten Fund wurde die Evakuierung des Jülicher Nordviertels von 6500 Bewohnern zwei Wochen vorbereitet. Zudem wurden das Jülicher Krankenhaus und ein Altenheim in unmittelbarer Nachbarschaft des Bombenfundorts geräumt.

Autobahn lahmgelegt

Wenige Wochen zuvor war das Autobahndreieck Jackerath während des Berufsverkehrs für drei Stunden komplett lahmgelegt worden. Der Grund: Eine fünf Zentner schwere Fliegerbombe wurde im März 2012 kontrolliert gesprengt. Zuvor waren in Titz 800 Menschen evakuiert worden.

Auch im Dürener Stadtteil Echtz (300 Evakuierte, 125-Kilo-Splitterbombe) und im Würselener Stadtzentrum (2200 Evakuierte, Fünf-Zentner-Bombe) herrschte im Jahr 2012 Ausnahmezustand. Doch wie im März 2013 in Langerwehe (500 Evakuierte, Zehn-Zentner-Bombe) konnten die Sprengkörper entschärft werden. Die bislang letzte Bombe (2,5 Zentner) wurde im Juli 2013 in Eschweiler gefunden und entschärft.

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