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„HorizontWissen“: Auftakt mit Ex-Geheimagent Leo Martin

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Ausverkauft: Der Ex-Geheimagent Leo Martin sorgte mit seinem Abend unter dem Motto „Geheimwaffe Vertrauen“ für einen gelungenen Auftakt der Vortragsreihe „HorizontWissen“ im Aachener Forum M. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Er ist charmant, ein unterhaltsamer Plauderer, aber alles andere als harmlos. Die ersten Pointen sitzen, die mehr als 300 Zuhörer im Forum M der Mayerschen Buchhandlung Aachen lachen entspannt und – zack – hat er sein Publikum bei der ersten unbewussten Reaktion erwischt – nicht die einzige an diesem Abend.

„Wir handeln nach Mustern, die sich unser Gehirn irgendwann eingeprägt hat“, sagt Leo Martin. „Sie schränken uns ein und kosten Potenzial.“

Der Kriminalwissenschaftler, Bestsellerautor und Ex-Geheimagent bestreitet den Auftakt zur Vortragsreihe „HorizontWissen“, die zum Motto „Persönlichkeitsentwicklung – Ihr Vorsprung durch Wissen“ prominente Experten nach Aachen holt.

Martins Gemeinschaftsaufgabe für die Gäste: aufstehen und sich erst beim Wörtchen „jetzt“ wieder setzen. Aber eine auffordernde Geste des Referenten genügt, und alle setzen sich spontan – ohne das „Jetzt“ abzuwarten. Reingefallen. Der gelungene Start für Martin.

Unter der Devise „Geheimwaffe Vertrauen. Die Kunst, Menschen an sich zu binden“ analysiert der Kriminalist psychologische Zusammenhänge. Wann reagieren wir, ohne etwas zu hinterfragen? Warum fallen wir auf simple Puppenspieler-Tricks herein? Können wir das vermeiden? „Das geht nur, wenn wir die Mechanismen durchschauen“, betont Martin.

„Der Mensch ist ein Herdentier, er will Sicherheit. Und deshalb macht er gern bei den anderen mit.“ Ein paar Striche auf dem Papierbogen des Flipcharts genügen, und alle gewinnen einen Einblick in die Eigenheiten unseres Gefühlslebens. Wer unter Stress handelt, so Martin, verfügt über einen geringeren Entscheidungsspielraum als derjenige, der in einer Problemsituation gelassen bleibt. „Muster kann man nutzen“, sagt Martin rückblickend auf seine Zeit als Kriminalbeamter. Im Verhörraum traf er auf Menschen, die keinerlei Absicht hatten, ihm etwas zu erzählen oder zu gestehen.

„Es ist nicht leicht, bei einem mutmaßlichen Täter Vertrauen aufzubauen“, gesteht der Kriminalist. Seine Devise: glasklare Kommunikation, dem Gegenüber Sicherheit und Vertrauen vermitteln, indem man den Menschen hinter der Tat wertschätzt. „Das kann man auf alltägliche Begegnungen etwa mit schwierigen Kollegen oder Vorgesetzten übertragen“, betont Martin. „Und Vorsicht: Man sieht es Ihnen an, wenn Sie dabei nicht aufrichtig sind!“ Ja, mit dem Lügen ist das so eine Sache. Ein „hochkomplexer Prozess mit sechsfacher Buchführung“, sagt Martin.

Mit Menschen aus dem Publikum wagt er ein neues Spielchen: Eva und Hermann, seit 31 Jahren verheiratet, sowie Petra und Arthur dürfen auf die Bühne. Ein paar Utensilien – drei weiße Kugeln, eine schwarze Kugel – genügen. Alle greifen in ein Stoffsäckchen. Wer hat die schwarze Kugel? Alle sollen „ja“ sagen, drei lügen. Martin ermittelt, fixiert, steht ganz nah. Herzschlag? Atmung? Gedehnte Antwort? Bei Petra zögert selbst der Experte ein bisschen. Kann sie ihn täuschen? Nein. Treffer, sie schwindelt. Arthur hat die schwarze Kugel. Der Kriminalist weiß es, der Applaus ist euphorisch. Und die Erkenntnis sitzt: 90 Minuten reichen einfach nicht aus, um ihn zu überlisten.

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