Aachen - Holzstücke beweisen: Karl der Große hat den Dom in Rekordzeit gebaut

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Holzstücke beweisen: Karl der Große hat den Dom in Rekordzeit gebaut

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Aachen / Dom
Der Aachener Dom als Wahrzeichen der Stadt: Die Region Aachen liegen beim Zukunftsatlas nur im Mittelfeld. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein Aufatmen ist durch die Reihen des Aachener Domkapitels gegangen. Und auch mancher Historiker dürfte jetzt ein Fläschchen Sekt köpfen. Denn nun ist erstmals wissenschaftlich erwiesen, dass der Hohe Dom zu Aachen unter der Ägide von Karl dem Großen erbaut wurde.

Mehr noch: Er hat offenbar Heerscharen von Arbeitern für dieses Projekt einsetzen lassen, denn der „Ur-Dom” wurde binnen 10 bis 15 Jahren aus dem Aachener Boden gestampft.

Das sind die Ergebnisse, die die Analysen zweier Holzfragmente ergeben haben. Das eine stammt aus einem Ringanker im oberen Teil des Oktogons, das andere ist das Stück eines Fundamentpfahls.

Untersucht wurden die Fundstücke an der Uni Köln mit den Methoden der „Dendrochronologie”. Mit ihr kann man anhand der Jahresringe des Holzes exakt ermitteln, wann ein Baum gefällt wurde. Zwar gelang das im vorliegenden Fall nicht aufs Jahr genau, aber immerhin konnte die Bauzeit eng eingegrenzt werden.

So muss die Fundamentgründung um das Jahr 793 (plusminus fünf Jahre) und der Einbau der oberen Ringanker um das Jahr 803 (plusminus zehn Jahre) erfolgt sein. Bislang gab es für einen möglichen Baubeginn nur Indizien - ein weißer Fleck in der Aachener Stadtgeschichte. So war bisweilen von Autoren bezweifelt worden, dass Karl den Dom erbaute. Diese Stimmen, da ist das Domkapitel ebenso sicher wie die beteiligten Wissenschaftler, müssen nun verstummen.

Dombaumeister Helmut Maintz, Dompropst Helmut Poqué und Stadtarchäologe Andreas Schaub sehen diese Ergebnisse allerdings nur als Start noch viel weitreichenderer Forschungen, die nun einsetzen werden: „Die Historiker werden sich garantiert sofort darauf stürzen, diese Ergebnisse einzuordnen und weiter zu forschen.”

Schaub betonte überdies, dass es eine schier sensationelle Leistung sei, dieses Bauwerk in derart kurzer Zeit zu verwirklichen. Nach den Römern sei nämlich die Steinbauweise in unseren Breiten in Vergessenheit geraten. Erst die Karolinger hätten wieder darauf zurückgegriffen. So habe es Ende des 9. Jahrhunderts eigentlich gar keine Infrastruktur für einen derartig raschen Baufortschritt gegeben. Vermutlich sei diese auf kaiserliche Anordnung hin in Aachen geradezu aus dem Boden gestampft worden.

Laut Maintz sollen die Fundstücke demnächst ausgestellt werden. Der Dombaumeister listete überdies auf, dass die jetzigen Ergebnisse sehr gut in die bereits vorliegenden historischen Daten aus der Dombauzeit - zum Beispiel Beschreibungen von Alkuin in Briefen an Karl den Großen - passen.
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