Aachen - Holzstücke beweisen: Aachener Dom ist tatsächlich 1200 Jahre alt

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Holzstücke beweisen: Aachener Dom ist tatsächlich 1200 Jahre alt

Von: Elke Silberer, dpa
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Aachen / Dom
Der Aachener Dom als Wahrzeichen der Stadt: Die Region Aachen liegen beim Zukunftsatlas nur im Mittelfeld. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es galt als sicher, dass der Frankenkönig Karl der Große (um 742-814) den Aachener Dom vor rund 1200 Jahren bauen ließ. Aber es fehlte immer der letzte Beweis. Nun ist die Geschichte wasserdicht, erstmals wissenschaftlich bewiesen.

Die Datierung von verbautem Eichenholz in Fundament und Kuppel habe das bisher angenommene Alter von rund 1200 Jahren belegt, teilte Dombaumeister Helmut Maintz am Mittwoch in Aachen mit. Demnach haben die Bauarbeiten frühestens im Jahr 793 begonnen und waren spätestens im Jahr 813 abgeschlossen. „Das ist eine wunderbare Sache, dass man das jetzt festzurren kann”, sagte Maintz. Die Bauzeit stehe auch im Einklang mit Karls Aufenthalten in Aachen.

„Wir haben lange überlegt, wie man den Dom datieren kann”, sagte Maintz. Die Pfalzkapelle Karls des Großen hat keinen Grundstein. Es gibt auch keine Dokumente zur Bauzeit. Die Chance zur Altersbestimmung kam mit der Innensanierung des Doms. Denn der Dom hat am Fundament eine kleine Besonderheit: Unter dem nordöstlichen Pfeiler 7 liegt das Fundament auf etwa 100 Eichenhölzern - eine Stütze, weil der Boden beim Bau dort sumpfig war.

Bei der noch laufenden Sanierung mussten Fachleute dort sowieso graben. Also arbeiteten sie sich gleich bis unter das Fundament vor und holten zwei 60 Zentimeter lange Eichenpfähle heraus. Eine zeitliche Bestimmung durch sogenannte Dendrochronologen ergab: Das Holz war frühestens aus dem Jahr 798. Dieses Jahr kann damit als Baubeginn angenommen werden.

Die zweite Holzprobe nahmen die Fachleute aus der Kuppel. Die karolingischen Bauleute fingen die Schubkräfte der Konstruktion mit zwei Ringankern aus Holz ab, bis der Mörtel an den drei Ringankern aus Eisen getrocknet war. Doch 1200 Jahre Wind und Wetter hatten dem Eichenholz zugesetzt. Die Experten wechselten auf die vom Schlagwetter weniger betroffene Nordseite und fanden eine für die Wissenschaft brauchbare Probe. Laut Datierung wurde das Holz spätestens 813 geschlagen und verbaut. „Die Konstruktion des Doms muss 813 fertig gewesen sein”, sagte Maintz. Eine vorherige Holzlagerung schließen die Experten aus, weil es dann für die Verarbeitung mit damaligen Mitteln zu hart geworden wäre.

Der Dombaumeister freut sich über das Ergebnis. Die Geschichte des Doms muss nicht neu geschrieben werden. „Nun wissen wir, dass nicht schon (Karls Vater) Pippin mit dem Bau des Doms angefangen hat”, deutete er andere Denkmodelle an. Der Frankenkönig als Bauherr - dazu passen auch andere Daten: Nach seiner Königskrönung hielt sich Karl 768 im Aachener Hofgut auf. Als er nach 20 Jahren zum zweiten Mal nach Aachen kam, war er entschlossen, seine Pfalz dort zu bauen, meinte Maintz.

„Man kann davon ausgehen, dass er lange und gut geplant hat”, sagte Maintz. Die Bauarbeiten schritten zügig voran. Das Baumaterial wurde aus römischen Ruinen recycelt. Die Kapelle seiner Pfalz baute er auf einer großen römischen Therme. 794 kam Karl zum dritten Mal nach Aachen und danach jedes Jahr.
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