Höherer Blödsinn in der Badewanne

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
Stunksitzung 2012: Anne Rixman
Stunksitzung 2012: Anne Rixmann als Claudia Roth und Doro Egelhaaf als Angela Merkel in der Loriotschen Badewanne. Foto: Thomas Brill

Köln. Höherer Blödsinn, ätzende Satire, gnadenlos gute Musik - das ist die Mischung, mit der die Kölner Stunksitzung auch im 28. Jahr das Maß der Dinge im alternativen Karneval bleibt. Durch den Kakao gezogen wird traditionell alles, was sich ins Fernsehen, auf die Bühne oder Kanzel traut: von Angela Merkel bis Claudia Roth, von Bankchef Ackermann bis Kardinal Meisner.

Respekt zeigen die Macher der Stunksitzung allenfalls vor einem Großmeister des Humors wie dem im vergangenen Jahr verstorbenen Loriot. In seiner legendären Badewanne treffen Kanzlerin Angela Merkel und Grünen-Chefin Claudia Roth aufeinander und streiten um Quietscheentchen und Waschlappen. Letzteren will die Kanzlerin partout nicht hergeben: „Der Pofalla bleibt im Kanzleramt.”

Großartig die Erinnerung an einen weiteren Verstorbenen: Franz-Josef Degenhardt. Ecki Pieper, Frontmann der traditionsreichen Hauskapelle „Köbes Underground”, interpretiert dessen „Schmuddelkinder”-Hit neu: „Geh nicht zu den Roten Funken, sing nicht ihre Lieder.”

Politik, Kirche, Kölsche Klüngel - das sind die Themen, die auch in diesem Jahr rücksichtslos weggelacht und verspottet werden. In der Nummer „XY Köln ungelöst” etwa wird nach einer Bande abgetauchter Kölner Architekten und Stadtplaner gesucht, die sich Kabul, Ground Zero und Dresden 1945 zum Vorbild genommen haben.

Und dann gibt es auch noch eine Lektion für Zugereiste: Learning Kölsch mit Englischbröckchen. Wer „Brow whos under egg” richtig ausspricht, findet ganz schnell das „Brauhus an dr Eck”. So klappt es mit der einzigen Sprache weltweit, die man auch trinken kann.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1984 besinnen sich die Stunker auf die Wurzeln des Karnevals, der sich nicht anbiedert an die Mächtigen, sondern sie lächerlich macht. Regelmäßig bringt das Ensemble Entdeckungen hervor, die auch im Ganzjahres-Kabarett Karriere machen.

Unter ihnen Jürgen Becker, Gaby Köster, Didi Jünemann, Biggi Wanninger oder Anne Rixmann. Nachahmer haben sie in vielen Städten gefunden, nicht zuletzt in Aachen, wo sich derzeit die Strunxler auf die Session vorbereiten. Doch keine ist so erfolgreich wie die Kölner Stunksitzung im E-Werk. 45 Termine sind alleine in diesem Jahr angesetzt - alle sind ausverkauft. Aktuell wurde soeben die 900. Sitzung mit bis dato einer Million Besuchern absolviert.

Und obwohl dies laut Maya-Kalender die letzte Session vor dem Weltuntergang sein könnte, bereiten sich die Stunker unbeeindruckt auf ihre 1000. Sitzung im Jahr 2014 vor. So viel Optimismus muss man erst mal haben.

Wer bei der Kartenvergabe leer ausgegangen ist, kann zum Trost den Fernseher einschalten: Zu sehen ist die Sitzung beim WDR auszugsweise am Fettdonnerstag, 16. Februar, ab 22 Uhr und in voller Länge am Karnevalssamstag ab 0.45 Uhr.
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