Historische Schützen diskutieren über Neuausrichtung

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Langenfeld. Dass es im Bund der historischen Schützen (BHDS) rumort, war schon beim Bundesschützenfest Ende September in Heerlen zu spüren. Besonders in den vergangenen beiden Jahren war derart viel passiert, dass auch der konservativste Schütze begann, sich zu fragen, ob das alles noch richtig sein kann, was der der katholischen Kirche aufs Engste verbundene BHDS seinen 400.000 Mitgliedern so vorschreibt.

Im Sommer wurde in Westfalen ein Muslim Schützenkönig, was zu nachhaltigen Verstimmungen bei führenden BHDS-Funktionären gesorgt hatte. Und 2012 war in Münster ein Homosexueller Schützenkönig geworden, der es wagte, im Festzug seinen Gatten neben sich marschieren zu lassen. Der damalige Bundespräses Heiner Koch, sozusagen der pastorale Gesamtverantwortliche im BHDS, war empört und verbat sich solch nicht satzungsgemäßes Verhalten ein für alle Mal.

Es geht um 250.000 Euro im Jahr

Beide Fälle sorgten bundesweit für Schlagzeilen, und die öffentlich gewordenen Reaktionen der BHDS-Funktionäre trugen dem Verband Häme und Kritik ein. Schlimmer noch: Bundespräses Koch und Bundesschützenmeister Heinzgerd Dewies aus Erkelenz erhielten sogar Morddrohungen.

Vergangenes Wochenende nun veranstaltete der BHDS, der 1300 zum Teil Jahrhunderte alte Schützenbruderschaften in sechs Bistümern im Westen der Republik vertritt, eine Podiumsdiskussion, Titel: „Neue Wege gehen und alte Zöpfe abschneiden?“ Zuvor hatten 15 Bruderschaften aus dem Erzbistum Paderborn beantragt, zumindest an der Basis etwas eigenständiger als bislang Entscheidungen treffen zu dürfen. Etwa darüber, ob Mitglieder zwangsläufig einer christlichen Konfession angehören müssen, oder ob nicht eben doch auch ein Muslim Schützenkönig sein darf. Entschieden ist über den Antrag noch nicht, doch Rolf Nieborg, Sprecher des BHDS, rechnet damit, dass es künftig weitere Anträge weiterer Bruderschaften mit ähnlichen Forderungen geben wird.

Der derzeitige Bundespräses des BHDS, der Kölner Domdechant Robert Kleine, gab während der Podiumsdiskussion am Wochenende zu bedenken, dass die finanziellen Zuwendungen der Bistümer zur Disposition stünden, wenn sich der BHDS allzu weit von der Kirche entferne. Immerhin geht es um jährlich etwa 250.000 Euro, die Jugendarbeit des gesamten BHDS könne betroffen sein, sagte Rolf Nieborg diese Woche im Gespräch mit unserer Zeitung. Und Robert Kleines Vorgänger als Bundespräses, Heiner Koch, mittlerweile Bischof von Dresden-Meißen, wurde sogar noch etwas deutlicher: Entweder bleibe alles, wie es ist, oder der BHDS sage sich eben von der Kirche los. Alle andere Optionen, sagte Nieborg, erscheinen im Moment in der Tat unrealistisch.

Am 15. März wird im Rahmen der Bundesvertreterversammlung in Leverkusen weiterdiskutiert. Bis dahin soll in den 1300 betroffenen Bruderschaften weiter über die Zukunft der historischen Schützen beraten werden. Doch schnelle Entscheidungen sollte besser niemand erwarten: Der Hochmeister des BHDS, Emanuel Prinz zu Salm-Salm, geht davon aus, dass der Entscheidungsprozess darüber, ob sich bei den historischen Schützen tatsächlich etwas Grundsätzliches ändert, mindestens drei Jahre dauern werde.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert