Köln - Historiker untersuchen Karneval im Nationalsozialismus

Historiker untersuchen Karneval im Nationalsozialismus

Von: ddp-nrw
Letzte Aktualisierung:

Köln. Immer mehr Karnevalsgesellschaften sind bereit, ihre Rolle im Nationalsozialismus aufarbeiten zu lassen. Eine wirklich umfassende Untersuchung stehe aber noch aus, erklärten die Historiker Carl Dietmar und Marcus Leifeld am Dienstag bei der Vorstellung ihres Buches „Alaaf und Heil Hitler.

Karneval im Dritten Reich” in Köln. „Es handelt sich um eines der letzten Tabu-Themen”, sagte Dietmar. Lange Zeit hätten die Vereine einzelne prominente Karnevalisten herausgestellt, die mehr oder weniger offen Widerstand gegen die NS-Funktionäre geleistet hätten. Dietmar verwies dabei auf Leo Statz, den Präsidenten des Karnevalsausschusses der Stadt Düsseldorf, der schließlich wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

Generell sei es den Nationalsozialisten aber häufig gelungen, das organisierte Brauchtum zu instrumentalisieren und in ihrem Sinne zu prägen. Eine vollständige Übernahme habe aber nicht stattgefunden. Immer wieder sei es Karnevalisten gelungen, sich Nischen zu schaffen oder Rivalitäten in der NS-Hierarchie für sich auszunutzen. Dietmar erinnerte daran, dass lange Jahre historische Fotografien mit antisemitischen Rosenmontagsmotiven in den Archiven der Karnevalsgesellschaften für die Öffentlichkeit gesperrt waren.

Erst mit dem Generationswechsel an der Spitze vieler Karnevalsgesellschaften habe in vergangenen zehn Jahren ein Umdenken eingesetzt, erklärte Leifeld, der unter anderem die Geschichte mehrerer Kölner Traditionskorps kritisch aufgearbeitet hat. Das Kölner NS-Dokumentationszentrum plant im November 2011 eine umfassende Ausstellung zum Thema Karneval im Dritten Reich.

(Carl Dietmar/Marcus Leifeld: „Alaaf und Heil Hitler. Karneval im Dritten Reich”, Herbig Verlag, 24,95 Euro)
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert