„Hatte steuerliche Gründe”: Ex-DRK-Geschäftsführer bestreitet Untreue

Von: Wolfgang Schumacher
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Wegen 36-facher Untreue angeklagt: Ex-Geschäftsführer Gerhard H. stolperte vor zwei Jahren beim DRK über luxuriöse Dienstwagen. Rechts im Bild sein Verteidiger Gottfried Reims. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Er habe „niemals eine Ausgabe” ohne die Deckung eines Wirtschaftsplans des DRK (Deutsches Rotes Kreuz) oder seiner Tochtergesellschaften getätigt, gab der Angeklagte Gerhard H. am Montag vor einer Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts an. Mit großen Erklärungen, warum alles nur so und nicht anders sein konnte, tat er das.

Dem 58-jährigen H. wird 36-fache Untreue gegenüber seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem Aachener DRK und zwei Tochterunternehmen des Hilfsdienstes, vorgeworfen.

Er soll zwischen 2002 und 2006 zwei Vorstandsmitglieder, darunter den ehemaligen DRK-Vorsitzenden Georg N., mit mehr als 70.000 Euro begünstigt und sich selbst mit PS-starken Autos „belohnt” haben.

Ob die anfängliche Aussage auch für die teuren Dienstwagen gelte, für die zwei Chevrolette Corvette und den Mini eben, wollte der Richter wissen.

Doch auch ein Teilgeständnis, das der Kammervorsitzende Harald Brandt ihm am Ende des ersten von fünf Verhandlungstagen entlocken wollte, kam H. nicht über die Lippen.

Der inzwischen juristisch vielfach beklagte Ex-Geschäftsführer wurde in den 90er Jahren zum starken Mann des Aachener DRK und stolperte vor zwei Jahren mit Getöse über jene Sportwagenaffäre, die den einst rastlosen Macher zum joblosen Angeklagten degradierte.

Der renommierte Kölner Strafverteidiger Gottfried Reims gab am Montag sein Bestes, um zu retten, was noch zu retten ist. Nach seiner Meinung ist die von Staatsanwalt Hanno Gläsker vorgetragene Anklageschrift eher ein Spiegelbild der kriegsähnlichen „Grabenkämpfe”, die im Aachener DRK wüteten, und sei insgesamt kaum haltbar: „Wir werden hier noch vieles hören, was so Manchen aus dem DRK in Schwierigkeiten bringt”, zürnte Reims öfter.

Der zentrale Vorwurf, Gerhard H. habe seinen ehemaligen, ihm direkt vorgesetzten Chef, den ehrenamtlichen DRK-Kreisvorsitzenden, mit gut dotierten Zuwendungen gewogen machen wollen, wiesen Anwalt und Angeklagter beinahe empört zurück.

Auch der Schatzmeister soll Beratergelder bekommen haben, H. dazu: „Von mir nicht!” Dann beschrieb er wortreich, dass die Gelder für eine Beratungsfirma gezahlt worden seien, an der N. zwar beteiligt war, die aber keinesfalls an den Chef selbst gingen.

Jene Firma, so erklärte er die Lage, sei zu Coaching-Zwecken engagiert worden, er habe unter anderem mit EU-Mitteln für die Euregio Rhein-Maas eine „Börse für Ehrenamtler” organisieren sollen: „Das war schwierig, wir brauchten externe Hilfe.”

Die Coaching-Stunden seien genauestens dokumentiert, auf Flipcharts, wie sie bei Managerseminaren Gang und Gäbe sind. Leider habe man im DRK alles Entlastende beiseite geschafft, meinte H.

Seine Erklärung für die geleasten Luxus-Sportwagen mit bis zu 600 PS, die er neben seinem Drei-Liter-Dienstwagen vom DRK fuhr, war einfach: „Das hatte steuerliche Gründe.” Der Prozess geht Donnerstag, 9 Uhr, weiter.
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