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Handwerksdesign-Studenten bauen Möbel für Wettbewerb in Spanien

Von: Thomas Vogel
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Leicht, stabil, ökologisch un
Leicht, stabil, ökologisch und faltbar: die Studenten Christian Seifert, Christine Dijks, Johann Boltz, Jan Schönborn und Unternehmer Eduard Brammertz sind vom Möbel für Madrid überzeugt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eine ausrangierte Lkw-Plane und Teile einer alten Transportkiste - mehr haben die fünf jungen Studenten der Handwerksdesign-Akademie Gut Rosenberg im Grunde nicht gebraucht, um ans Ziel zu kommen.

Genau in dieser Einfachheit, in der Reduktion der Mittel, lag auch die enorme Schwierigkeit auf dem Weg zum Möbel, das einer bestimmten Konzeptvorgabe genügen sollte.

Ein paar Kabelbinder, etwas Leim und Farbe später ist es vollbracht: acht Stühle, zwei Sessel und zwei Tische, genau das Ensemble, das die Gruppe aus rund 50 Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen von der RWTH braucht, um ihr Projekthaus zu komplettieren. Mit dem „Counter Entropy House” nimmt das Team der Aachener Hochschule am Wettbewerb „Solar Decathlon Europe” teil. Bei dem internationalen Studentenwettbewerb konkurrieren 20 ausgewählte Universitäten aus 15 Ländern mit ihren jeweils eigenen Konzepten vom Null-Energie-Haus. Schon die Teilnahme, das Haus in Madrid zu präsentieren, ist etwas ganz besonderes. In zehn Disziplinen treten die Projekte der Teams gegeneinander an, jedes Detail zählt. Deshalb sollten die Möbel natürlich ebenso innovativ und vom Gedanken des „re-use” - wiederverwenden - getragen sein, wie die übrigen Komponenten des Bauwerks. Vor einem Jahr wendeten sich die Aachener an die Akademie Gut Rosenberg, um ein Team zu finden, das dieser Aufgabe gewachsen ist.

Möbel mit besonderem Charme

Mit Erfolg: die Tischler Johann Boltz, Christian Seifert und Jan Schönborn sowie Steinmetzmeisterin Kristina Lorentz und Christine Djiks, Tischlermeisterin und Meisterdesignerin, haben abgeliefert. Die Geburt der Idee brauchte Zeit, mehrere Entwürfe wurden parallel bearbeitet. Im März kristalisierte sich schließlich heraus, welcher von ihnen die hohen Anforderungen erfüllen kann. „Ganz wesentlich war, dass den Möbeln ein Konzept zugrunde liegt, das zum Thema ?re-use passt”, sagt Schönborn. Dafür sorgt das genutzte Material. In der Hauptsache handelt es sich um Teile, deren Lebenszyklus normalerweise vorbei, deren nächste Station der Müll gewesen wäre.

„Es ist eine Vorstufe des Recycling. Anstatt die Dinge in ihre Bestandteile aufzubrechen, werden sie als Ganzes wiederverwendet”, erklärt Christian Seifert. Tatsächlich bestehen die Möbel aus Plane, Holz, Kabelbinder, Klebstoff und etwas Farbe, die - im Siebdruckverfahren aufgebracht - den Stücken ihren studentischen Charme verleiht. Bei der Ökobilanz der Stühle, Sessel und Tische spielt auch der Transport eine gewichtige Rolle, schließlich werden die Stücke bis Madrid reisen. Leichtigkeit und optimale Stauraumnutzung stehen also auch auf dem Zettel. Hier waren die jungen Konstrukteure pfiffig. Die Möbel lassen sich im handumdrehen auf- und wieder zusammenfalten.

Eine weitere Erkenntnis: Unter verschärften Vorgaben zu entwerfen und zu fertigen ist teuer. Die Kosten für Dinge wie Materialproben oder die Betreuung durch Diplom-Designer Elmar Heimbach liegen im vierstelligen Bereich. Hauptsponsor ist die Handwerkskammer Aachen. Sie zahlt auch die Flüge nach Madrid für zwei Teammitglieder. „Da haben wir gedacht, wir schauen mal wer mit will und für den Dritten schmeissen wir zusammen”, sagt Schönborn und lacht. Die Stimmung im Team ist gut. Die Fähigkeit zur Gruppenarbeit ist etwas, das die Studenten aus dem Projekt mitnehmen.

Glück hatten die Fünf auf der Suche nach Unterstützern. Sie haben Eduard Brammertz gefunden, Geschäftsführer der gleichnamigen Schreinerei und Fensterbaufirma in Kornelimünster. Er unterstützt gerne junge Leute bei der Entwicklung ihres kreativen Bewusstseins. „Die Idee der Entwicklung hat mich eigentlich getragen, der Fertigung in unserem Betrieb zuzustimmen”, erklärt er. Die moderne Werkstatt hat den Möbelmachern vor allem Zeit gespart. Und: sie haben mit Eduard Brammertz einen neuen Fan gewonnen: „Das Möbel, dass sie gebaut haben, da können sie absolut stolz drauf sein. Das ist der Brüller”.
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