Streit um Rodung im Hambacher Forst: Aktivist schlägt Polizisten

Hambacher Forst: Aktivist schlägt Polizisten

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
hambacher forst stephan kreutz
Trotz Rodungsstop eskalierte die Situation im Hambacher Forst am Mittwoch weiter. Aktivisten schlugen einem Kontaktpolizisten ins Gesicht und bespuckten ihn. Foto: Stephan Kreutz.

Merzenich. Der am Dienstagnachmittag verfügte Rodungsstopp im Hambacher Forst hat offenbar nicht zu einer Entspannung der Lage geführt. Wie die Aachener Polizei am Mittwochabend mitteilte, sei ein den Aktivisten seit langem bekannter Kontaktbeamte der Polizei am späten Nachmittag von einem Aktivisten bespuckt und mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden.

Polizepräsident Dirk Weinspach erklärte, ihn „erschüttert diese Gewalttätigkeit gegenüber meinem Mitarbeiter zutiefst“. Schon am Dienstagabend, lange nachdem die Nachricht vom vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Forst die Runde gemacht hatte, waren Polizisten erneut mit Steinen beworfen worden.

Am Mittwoch nun errichteten die Aktivisten neue Barrikaden im Wald. Der Kontaktbeamte, ein besonnener Polizist Mitte 50, ging allein und in Zivil in den Wald, um die Aktivisten zu bitten, die Barrikaden wieder abzubauen. Die Polizei muss die Wege durch den Hambacher Forst schon deswegen freihalten, damit Rettungsfahrzeuge im Notfall schnell im Wald sind. Es folgte eine längere Diskussion mit acht zum Teil vermummten Aktivisten, von dieser Situation existiert ein Foto auf der Website www.hambacherforst.org/blog.

Im Laufe dieser Diskussion teilte der Kontaktpolizist den Aktivisten nach Informationen unserer Zeitung unter anderem mit, dass die Baumhäuser entgegen anders lautender Gerüchte, die sich seit Tagen hartnäckig hielten, keineswegs am Donnerstag geräumt würden. Eigentlich eine gute Nachricht. Doch im weiteren Verlauf der Unterhaltung bespuckte einer der Aktivisten den Polizisten und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Er erlitt leichte Verletzungen, wie Sandra Schmitz, Sprecherin der Aachener Polizei, Mittwochabend erklärte.

Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte ein anderer Kontaktbeamter, Robert Hintereker, vergangene Woche erklärt, dass die Gruppe der Aktivisten, die zur Rodungssaison in den Hambacher Forst gekommen ist, „extrem heterogen“ sei. Einerseits gäbe es viele Aktivisten, denen der Wald und der Schutz der Umwelt am Herzen lägen, die aber keine körperliche Gewalt anwendeten. Andererseits gäbe es eine Gruppe von bis zu 40 gewaltbereiten Randalierern, „die nur darauf aus sind, sich mit der Polizei zu prügeln“, sagte Hintereker.

Deswegen habe auch die Nachricht vom vorläufigen Rodungsstopp nicht bei allen Aktivisten gleichermaßen Freude hervorgerufen. Die Aufgabe der Polizei sei, zwischen Aktivisten und Schlägern zu unterscheiden und nicht alle Aktivisten zu kriminalisieren, sagte Hintereker bereits vergangene Woche. Der Leitende Polizeidirektor Helmut Lennartz, der die Einsätze im Hambacher Forst leitet, hatte am Dienstag erklärt, einige der Aktivisten seien vermummt und in Flecktarnanzug unterwegs. „So etwas sieht man sonst nur in Kriegsgebieten“, sagte Lennartz. „Friedlicher Protest sieht für mich anders aus.“ 

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