Radarfallen Blitzen Freisteller

Hambach: Sprengsatz-Attrappe und brennende Barrikaden

Von: gego/heck
Letzte Aktualisierung:
hambacher Forst
Mit einem Spezialroboter untersuchten die Beamten am Nachmittag eine mit Elektrokabeln präparierte Gasflasche an der Straße. Foto: Ralf Roeger
hambacher forst polizeieinsatz
Polizeieinheiten aus Aachen, Düren, Heinsberg und dem Rhein-Erft-Kreis sind vor Ort. Foto: Ralf Roeger
Tagebau Hambach Proteste
An der Landesstraße 276 im Hambacher Forst haben sich die Einsatzkräfte gesammelt. Foto: Ralf Roeger

Merzenich/Aachen. Im Hambacher Forst hat es am Dienstag erneut gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben. Am Morgen hatten Tagebaugegner eine Straße mit brennenden Barrikaden blockiert, RWE-Werkschutz und Polizei mit Steinen beworfen. Daneben fand sich eine verkabelte Gasflasche, die einem Sprengsatz ähnelte. Sechs Fahrzeuge wurden beschädigt, Menschen kamen nicht zu Schaden.

Noch am Sonntag hatten 337 Menschen im Hambacher Forst gegen dessen geplante Rodung protestiert, drei Wochen vorher waren es sogar 1000 gewesen. Alles blieb friedlich, die Polizei verzeichnete keinerlei Vorfälle. Doch der Frieden im verbliebenen Teil des Hambacher Forstes ist seit Dienstagmorgen vorbei - wieder einmal.

Um 6.45 Uhr meldeten RWE-Mitarbeiter, dass nahe der alten Trasse der Autobahn 4 Barrikaden errichtet und in Brand gesteckt worden seien. Die RWE-Mitarbeiter konnten die Stellen nicht passieren und ihrer Arbeit nicht nachgehen.

Gegen 7 Uhr trafen die ersten drei Streifenwagen ein. Bei der Anfahrt wurden die Reifen der Polizeiautos durch ausgelegte Krallen zerstört. Als die Polizisten aus den Wagen stiegen, seien sie mit Steinen beworfen worden, wie es im Polizeibericht heißt.

Verletzte habe es nicht gegeben. Sofort wurde Verstärkung angefordert, ab etwa 7.30 Uhr waren Dutzende Polizisten aus den Bereichen Aachen, Düren, Heinsberg und Rhein-Erft-Kreis im und am Hambacher Forst. Wie viele genau, wollte die Polizei zunächst nicht mitteilen. Die rund 30 vermummten Aktivisten seien zunächt unerkannt entkommen, erklärte die Polizei Aachen später am Abend.

Am Vormittag dann fand die Polizei an einer brennenden Barrikade bei einer Autobahnbrücke in der Nähe der Ortschaft Kerpen-Manheim eine mit Elektrokabeln versehene Gasflasche. Der Verdacht: Es könnte sich um einen selbst gebastelten Sprengsatz handeln.

Spezialroboter im Einsatz

Der brisante Fund wurde am frühen Nachmittag untersucht, erklärte Angela Jansen, Sprecherin der Kreispolizeibehörde Heinsberg. „Wir klären ab, ob Gefahr besteht.“ Die Beamten untersuchten die Gasflasche mit Hilfe eines Roboters, eines sogenannten USBV-Entschärfers (USBV steht für „unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen“). Er kann Sprengsätze mit Hilfe einer Kamera untersuchen und wird auch zur Bombenentschärfung eingesetzt. Das Gelände südlich der Trasse der ehemaligen Autobahn 4 wurde dafür weiträumig abgeriegelt.

Schließlich die Entwarnung: Ein Experte stellte fest, dass es sich um eine Sprengstoffattrappe handelte. „Eine funktionstüchtige Zündeinrichtung war nicht vorhanden“ , erklärte ein Sprecher der Aachener Polizei. Die sichergestellte Flasche werde untersucht.

Die Steinewerfer vom Morgen hat die Polizei zunächst nicht identifizieren können. Wie genau der Einsatz ablief, wollte die Aachener Polizei am Mittag gegenüber unserer Zeitung noch nicht sagen. Die Frage, ob die angegriffenen Polizisten den Steinewerfern nachgesetzt und versucht haben, sie sofort festzunehmen, blieb zunächst unbeantwortet.

Sollte dies nicht der Fall gewesen sein, wird der Einsatz enden wie fast alle im Hambacher Forst: Straftaten angezeigt, Täter unbekannt. Zwar hat die Polizei in den vergangenen Jahren Hunderte Straftaten im Hambacher Forst angezeigt, Verurteilungen hingegen gab es fast keine.

Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach, dessen Behörde seit August für alle Einsätze im und am Hambacher Forst verantwortlich ist, besuchte den Einsatzort gegen 15.40 Uhr selbst.

In einer Pressemitteilung bezeichnete er das Verhalten der Steinewerfer als „kriminell“. Es diskreditiere „all diejenigen, die durch friedliche Aktionen ihren Protest gegen den Braunkohleabbau zeigen“.

Die Ermittlungskommission Hambach ermittelt nun wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs, des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, der begangenen Sachbeschädigungen und der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten.

Insgesamt hätten die Tatverdächtigen sechs Fahrzeuge beschädigt; darunter vier Einsatzfahrzeuge der Polizei.

Leserkommentare

Leserkommentare (5)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert