Düsseldorf - Hässlich oder schön? Düsseldorf streitet über Hochstraße

Hässlich oder schön? Düsseldorf streitet über Hochstraße

Von: Ulrike Hofsähs, dpa
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"Tausendfüßler" in Düsseldorf
Die Hochstraße wurde gebaut, als im Wirtschaftswunder die Autos in Massen losrollten. Noch heute brummt der Verkehr über den Köpfen der Passanten. Das Denkmal ist ein Wahrzeichen Düsseldorfs - aber seine Tage scheinen gezählt. Foto: dpa

Düsseldorf. Nicht weit entfernt von der exklusiven Königsallee erhebt sich in Düsseldorf ein Dinosaurier der autogerechten Zeit.

Über die Köpfe der Fußgänger hinweg brummt der Verkehr auf einer Hochstraße aus den 60er Jahren. 670 Meter lang ist die geschwungene Trasse im Zentrum der Landeshauptstadt.

„Tausendfüßler” heißt das auf vielen Pfeilern ruhende Bauwerk bei den Düsseldorfern. Die einen sehnen den Abriss des hochfliegenden Betonbandes herbei. Die anderen schätzen die lange Straße ohne Ampeln und Staus sogar als Schattenspender. Die Initiative „Lott stonn” (Rheinisch für: Lasst stehen) ficht zusammen mit Düsseldorfer Architekten vehement für das „bedeutende Zeugnis einer Architekturepoche”.

Die nun 50 Jahre alte Brücke ist ein Sinnbild für die Wirtschaftswunder-Zeit, in der das Auto das Maß aller Dinge war. Auch deshalb wurde sie 1993 unter Denkmalschutz gestellt. Die Fachleute loben immer noch die Leichtigkeit der auf vielen Stelzen verlaufenden Fahrbahn, die sich am südlichen Ende gabelt und einen beträchtlichen Teil des Autoverkehrs der Innenstadt aufnimmt. Die ungewöhnliche Straße ist ein Thema an Universitäten und wird als eines der elegantesten Verkehrsbauwerke in der Bundesrepublik gerühmt. „Man sieht dem Tausendfüßler seine wichtige Funktion nicht an”, sagt Gerhard Curdes, früher Städtebau-Professor in Aachen.

Die Gegner dagegen schmähen den vom Stadtplaner Friedrich Tamms konzipierten Bau als „vorsintflutliches Ungetüm” und „Relikt einer autogerechten Zukunft”. Wenn es nach der Stadt Düsseldorf geht, sind die Tage des Tausendfüßlers gezählt und der Verkehr wird in einen noch zu bauenden Tunnel geleitet.

Zweimal schon hat der Stadtrat im Grundsatz den Abriss beschlossen. Dies soll auch in Zusammenhang mit einer großen Baustelle im Zentrum geschehen: Am Ende der Luxusmeile Königsallee entsteht derzeit der „Kö-Bogen” nach den Entwürfen des prominenten US-Architekten Daniel Libeskind. Das Geschäfts- und Bürozentrum soll ein Highlight im Herzen der Stadt werden.

„Wir haben zeitlich eine einmalige Chance, Reparatur zu betreiben”, meint Alexander Fils, der Vorsitzende des Planungsausschusses in Düsseldorf. Allerdings hat das Amt für Denkmalpflege im Rheinland „erhebliche denkmalfachliche Bedenken” gegen den Abriss geäußert. Bislang hat die Stadt auf den Einwand der Denkmalschützer nicht reagiert - aber der Abriss ist auch noch nicht endgültig eingeleitet. Und die Kosten stehen noch gar nicht fest.

Für den Erhalt streitet „Lott stonn”. „Der Tausendfüßler ist nicht marode, er ist nur schmutzig und ungepflegt”, sagt Adolf Nitsch, Sprecher der Initiative. Eine Sanierung der Hochstraße sei viel billiger als der Tunnelbau. Die 1961 erbaute Hochstraße bilde ein Ensemble mit dem benachbarten Dreischreibenhochhaus von 1957 und dem Schauspielhaus aus dem Jahr 1965.

Der Düsseldorfer Architekt Johannes Brauner stört sich auch daran, dass noch nicht einmal klar ist, wie teuer der Tunnel wird, der die Hochstraße einmal ersetzen soll. „Man hat ein komisches Gefühl als Bürger”, sagt Brauner. Der Tausendfüßler sei von der Ästhetik her „ein traumhaftes Ding”, meint er - und verkehrstechnisch ein funktionierendes Bauwerk.
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