Häftling greift JVA-Beamte mit einer Schere an

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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JVA Aachen
Das Aachener Gefängnis macht weiter Negativ-Schlagzeilen. Foto: dpa

Aachen. In der Aachener JVA kehrt keine Ruhe ein: Gut zwei Wochen nach dem Ausbruch zweier Schwerverbrecher ist am Freitag erneut Alarm hinter Gittern ausgelöst worden, wie Anstaltsleiterin Reina Blikslager mitteilte.

Ursache: ein brutaler Übergriff, bei dem ein zu lebenslanger Haft verurteilter Mörder mit einer Nagelschere auf zwei JVA-Beamte losging. Einer der beiden Männer erlitt eine zwei Zentimeter tiefe Stichwunde im oberen Rückenbereich und musste zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden.

Der andere trug eine fünf Zentimeter lange Platzwunde an der Stirn davon. Ein solch gravierender Zwischenfall sei auch in einem Gefängnis, in dem viele Schwerbrecher untergebracht sind, keine Alltagsroutine, erklärte Blikslager auf Nachfrage: „Das ist schon sehr ungewöhnlich.”

Die Gewalttat ereignete sich gegen 13.30 Uhr, als ein Bereichsleiter und drei weitere JVA-Beamte die Zelle des Mannes betraten, um dessen Fernseher abzuholen. Hintergrund dieser Disziplinarmaßnahme war laut Blikslager, dass der Mann zuvor „einen jungen Bediensteten massiv beleidigt und vor allem massiv bedroht” hatte.

Als die Beamten die Zelle verlassen wollten, sei der Häftling auf sie losgegangen. Die anderen Häftlinge seien bereits unter Verschluss gewesen. Die Bediensteten zogen sich nach dem Handgemenge zunächst zurück und riefen speziell geschulte Mitarbeiter. Diese überredeten den mit Schere und Messer bewaffneten Häftling nach rund einer Stunde aufzugeben.

Aus dem Ausbruch vor zwei Wochen werden indes nach Informationen unserer Zeitung intern erste Konsequenzen gezogen. So wird sich der alleine an der Pforte sitzenden Beamte demnächst nicht mehr mit der Fahrzeugstreife abwechseln, die an der Außenmauer unterwegs ist. Die Wiedereinführung eines zweiten Pförtners lehnt die Anstaltsleitung ab.

Für Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) ist die Angelegenheit auch noch nicht ausgestanden. SPD und Grüne wollen, dass sie sich vor dem Landesparlament Fragen stellt, die sich insbesondere um den in Haft sitzenden Beamten drehen, der als Fluchthelfer agiert haben soll. Gegen ihn war bereits wegen Bestechlichkeit ermittelt worden.
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