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Guttenberg: Kommt er? Kommt er nicht? Oder allein die Gattin?

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
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Sie gelten als das Glamourpaar der Politik: Aber ob Stephanie und Karl-Theodor zu Guttenberg zur Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst nach Aachen kommen, bleibt weiter unklar. Foto: imago/Sven Simon

Aachen. Kommt er? Kommt er nicht? Oder Ehefrau Stephanie alleine? Oder beide nicht? Die Situation rund um den designierten Ordensritter Karl-Theodor zu Guttenberg vor der AKV-Festsitzung „Wider den tierischen Ernst” am 19. Februar ist aus Sicht des Aachener Karnevalvereins (AKV) wenig närrisch.

Angekündigte Proteste linker Gruppen vor dem Eurogress, Polit-Ärger für den Verteidigungsminister ohne Ende (Seite 1). Und zudem: Bislang noch keine Silbe eines öffentlichen Statements des neuen Ritters zu seinen AKV-Ehren, keine Pressekonferenz, keine Reaktion auf Interviewanfragen unserer Zeitung, kein Foto mit Narrenkappe - gar nichts. Und dies 155 Tage nach der (vorschnellen?) Bekanntgabe der närrischen Top-Personalie durch den inzwischen ausgeschiedenen Präsidenten Horst Wollgarten.

Das hat es in der 61-jährigen Geschichte des als Kulturpreis anerkannten „Orden wider den tierischen Ernst” noch nicht gegeben.

Alternative Pläne

Der AKV unter seiner neuen Führung mit dem 44-jährigen Präsidenten und Rechtsanwalt Werner Pfeil an der Spitze ist nicht zu beneiden. Bis heute weiß der Veranstalter nicht einmal, ob „die politische Lichtgestalt” (Spiegel) persönlich den Festsaal erleuchtet. „Wir planen im Moment alternativ”, sagt Pfeil. Man habe mit dem Ministerbüro „von vorne herein vereinbart, dass der Ritter einen ihn vertretenden Knappen bestellen kann, wenn zum Beispiel die Situation in Afghanistan sein Kommen nicht möglich macht”.

Der Begriff „Knappe” ist ein Begriff im Männerverein AKV, der auch für Frauen gelten könnte - in dem Fall für Stephanie zu Guttenberg, der weiblichen Hälfte des „Royal Couple der Bundesrepublik”, die im Glamourfaktor ihrem Mann längst kaum mehr nachsteht. Der geplagte Präsident will die Spekulation „weder mit Ja noch mit Nein beantworten”. Jedenfalls würde dieses Szenarium nicht zum ersten Mal im medialen Eheleben der Guttenbergs zum Tragen kommen: Bereits bei der Bambi-Preisverleihung am 26. November 2009 vertrat die Gattin ihren verhinderten, „unmöglichen Mann”, wie sie sagte.

Grund seines Fernbleibens war damals eine neue Entwicklung um den von der Bundeswehr in Afghanistan angeordneten Luftangriff. Mit seinem Manuskript in der Hand stellte sich Stephanie zu Guttenberg ans Rednerpult, hob zur Laudatio für Uli Hoeneß (Bambi Wirtschaft) an und flirtete mit dem Publikum: „Denken Sie sich bei den nächsten Worten einfach den Verteidigungsminister in dieses Abendkleid.” Es war rot und tief dekolletiert. Der Saal lag ihr zu Füßen.

Derweil aber laufen Werner Pfeil und seinem Elferrat, den Moderatoren Jürgen Beckers und Rolf Gerrards, dem WDR und der produzierenden Werner Kimmig GmbH die Zeit davon. In vier Wochen soll das jecke TV-Spektakel stattfinden, am Montag, 21. Februar, 20.15 bis 22.05 Uhr, will die ARD eine Aufzeichnung ausstrahlen.

Es ist schon vorgekommen, dass designierte Ritter vor der Festsitzung starben (Franz-Xaver Unertl 1971, Franz-Josef Strauß 1989) - aber eine derartige Planungsunsicherheit ist auch altgedienten Narren neu. AKV-Ehrenpräsident Georg Helg (Präsident von 1987 bis 1997) sagt frank und frei: „Ich erwarte von einem Minister von der Statur Guttenbergs, dass es für ihn eine Selbstverständlichkeit ist, eine Zusage einzuhalten. Und ich erwarte auch, dass er sich vor der Annahme des Ordens über den Wert und die Wertigkeit dieser Auszeichnung informiert hat.”

Sitzt dem Hoffnungsträger des AKV gar auch noch die erhitzte Diskussion um seinen Johannes-B.-Kerner-Talk in Afghanistan im Nacken? Schon da hatten ihm viele vorgeworfen, sein Amt für eine mediale Show zu missbrauchen.

Dabei haben sich schon jetzt für die Aachener Festsitzung „so viele Ritter wie noch nie angesagt, darunter sehr namhafte Persönlichkeiten, die lange nicht mehr gekommen sind”, sagt Ursula Herrling-Tusch, Chefin der Aachener Agentur „impetus pr”, die den Orden in der Öffentlichkeit vermarktet. Die Namen hält sie noch unter Verschluss.

Fest steht: Norbert Blüm ist nicht darunter. Der langjährige Öcher Publikumsliebling hat der Festsitzung schon seit etlichen Jahren offenbar innerlich gekündigt. „Ich sage zum AKV und auch zum diesjährigen Ordensritter nichts. Kein Wort”, so der Alt-Bundesarbeitsminister.

Gesprächiger ist da Ordenskanzler Freiherr Constantin Heereman von Zuydtwyck, dessen Familie mit dem Adelsgeschlecht zu Guttenberg seit Generationen persönlich verbunden ist. Der 79-Jährige nahm in Sachen AKV dem Vernehmen nach gar selber Kontakt zum neuen Ritter auf, um väterlichen Zuspruch zu leisten. Erst jüngst hatte der Ordenskanzler gegenüber unserer Zeitung erklärt: „Natürlich hat Guttenberg ein schwieriges Amt. Aber das muss man trennen können. Warum soll er nicht Karneval feiern? Es ist doch eine große Chance, ihn bei einem solchen Anlass via Fernsehen besser kennenzulernen.”

Ähnlich argumentiert Aachens Standortältester Oberst Günter Selbert: „Ich kenne wenig Politiker, die mit solcher Klarheit, rhetorisch brillant und vielfach mit einer Prise Humor die Dinge auf den Punkt bringen wie unser Verteidigungsminister. Warum soll er für seine Eigenschaften nicht ausgezeichnet werden? Wir hatten in Aachen schon Ritter mit erheblich weniger Humor.”

Im Kern gänzlich anders beurteilt dies der Aachener RWTH-Politologe Professor Emanuel Richter (57), der im April beim Campus-Verlag sein Buch „Was ist politische Kompetenz?” herausgibt - darunter das Kapitel „Medienstars”, in dem er als Musterbeispiel Karl-Theodor zu Guttenberg unter die Lupe nimmt. „Er versteht es wie kaum ein anderer, sich selbst darzustellen und mediale Erwartungen zu bedienen. Ein solcher Politikertypus ist natürlich attraktiv. Er darf dabei nur nicht zu weit gehen - wie mit der Johannes-B.-Kerner-Show.”

Anachronistische Entscheidung

Geöffnete Soldatenpost, Meuterei auf der Gorch Fock, Todesfall in Afghanistan - Vorgänge, die Guttenberg nicht persönlich zu verantworten hat. Aber, so Richter: „All dies spricht dafür, dass er mehr hinter den Schreibtisch zurückkehren sollte als vor Fernsehkameras zu sitzen.” Einen politologischen Wermutstropfen bekommt auch der AKV ab: „Das Amt eines heutigen Verteidigungsministers und der Einsatz der Bundeswehr sind von höchstem Ernst geprägt. Vor diesem Hintergrund halte ich die Entscheidung des AKV für anachronistisch.”

Bleibt die Frage, warum Letzterer ohne persönlichen Kontakt zum Ritter in spe bereits Ende August bei der Jahreshauptversammlung des Vereins ohne Not verkündet wurde. Ex-Präsident Horst Wollgarten beruft sich darauf, dass an jenem Tag mündlich und per E-Mail grünes Licht aus dem Ministerbüro gegeben worden sei. „Dabei ging es ausschließlich um seine Zusage”, so Wollgarten. Also nicht um den Aufwand rund um den Festakt, die erforderliche Drei-Tages-Präsenz in Aachen, den medialen Hype etc.

Der scheidende Präsident verschaffte sich mit der Verkündung des spektakulären Ritters einen vielbeklatschten Abgang. Aber warum so schnell? Das heutige AKV-Ehrenmitglied: „Zusage ist Zusage. Ich wollte das den Mitgliedern nicht vorenthalten.”

Sein Nachfolger Werner Pfeil hatte sich vergeblich bemüht, die Bekanntgabe kurz vor Beginn der Versammlung noch zu verhindern, „um den Druck aus der Sache herauszunehmen und noch so manches abzuklären”. Doch vor ihm und dem Elferrat hatte sein Vorgänger bereits den WDR informiert.
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