Gutachter zu Pier: Symptome nicht erkannt

Von: Ingrid Krüger
Letzte Aktualisierung:
Pier-Prozess BGH
Arnold Pier, der ehemalige Chefarzt und Besitzer der Wegberger Antoniusklinik, vor Gericht. Foto: Andreas Steindl

Mönchengladbach/Wegberg. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Wegberger Klinikchef Arnold Pier, 54, unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge und fahrlässige Tötung vor.

Vor dem Mönchengladbacher Schwurgericht ging es am Donnerstag um den Fall einer Patientin, die am 10. Oktober 2006 in Piers chirurgischer Abteilung gestorben war. Gefährliche Körperverletzung sind die Anklagevorwürfe. Auch bei der Frau hatte der Angeklagte frisch gepressten Zitronensaft zur antiseptischen Versorgung einer offenen Wunde eingesetzt.

Im August 2006 war die Patientin von ihrem Hausarzt mit einem Geschwür am Unterschenkel mit einer offenen Wunde eingeliefert worden. Die 76-Jährige litt außerdem noch an Diabetes und Bluthochdruck. Gutachter Michel Siedeck, der den Fall der 76-Jährigen untersucht hat, war sich am Donnerstag sicher: Eine Rettungschance für die Patientin sei durch ärztliche Kunst jederzeit vorhanden gewesen. Die Frau hätte in ein anderes Krankenhaus verlegt werden müssen, als sich ihr Zustand dramatisch verschlechterte. Man habe Spezialisten hinzuziehen müssen.

Noch kritischer äußerte sich Siedeck über die Methode Piers, offene Wunden mit Zitronensaft zu behandeln. Dabei trete ein Verätzung der Haut auf. Bei Verzicht auf Zitronensaft hätte man auf schmerzhafte Eingriffe verzichten können. „Als die Frau eingeliefert wurde, war sie nicht so schwer krank”, sagte Siedeck.

Am Ende sei die Patientin in schlechtem Ernährungszustand gewesen, habe teilweise unter überflüssigen operativen Eingriffen, Blutverlust und Nierenversagen gelitten. Ein hoher Pflegeaufwand wäre notwendig gewesen. Außerdem habe die Patientin an einer Leberzirrhose gelitten, deren klassische Symptome deutlich erkennbar gewesen wären. Der Eingriff, der deswegen in der Abteilung von Pier erfolgte, sei überflüssig gewesen.

Fortsetzung im Dezember

Die Verteidiger des Angeklagten warfen Siedeck vor, sich nicht mit dem Gutachten eines Kollegen auseinandergesetzt zu haben. Offenbar vertrat der Gutachterkollege eine andere Meinung. Siedeck reagierte gelassen: Das Gutachten des Kollegen sei für ihn nicht maßgeblich gewesen und habe ihn nicht in seinem Urteil beeinflusst.

Der Prozess wird Anfang Dezember fortgesetzt.
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