Gutachter sehen Sauerland-Gruppe schuldfähig

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Sauerland / Fritz G. / Anwalt Dirk Uden
Der Rädelsführer der Sauerland-Terroristen, Fritz Gelowicz (l.), hatte vor Gericht ausgesagt, El Kaida sei nicht in die Terrorpläne für Deutschland eingebunden gewesen. Foto: ddp

Düsseldorf. Psychiatrische Gutachter sehen die Auslöser für die islamische Radikalisierung der Terroristen der „Sauerland”- Gruppe in familiären Krisen und Konflikten.

Alle vier Angeklagte seien aber völlig unterschiedliche Charaktere, sagten Gutachter am Dienstag vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf. Bei keinem Angeklagten liege eine krankhafte Persönlichkeitsstörung vor.

Der Anführer der Gruppe, Fritz Gelowicz (30), wirke wie eine „narzisstisch geprägter Mensch” mit einem Hang zur Großspurigkeit. Auffällig in den Prozess-Aussagen von Gelowicz seien die gekünstelte Wortbetonung und Satzstellung, die im Widerspruch zu seinem schwäbischen Dialekt in den Überwachungsprotokollen stünden, sagte der Psychiater Prof. Norbert Leygraf. Gelowicz sei mit seiner „stets gepflegten und modischen Kleidung” auf Außenwirkung bedacht. In seiner Rolle als Anführer der Gruppe habe er sich offenbar gefallen.

Bei dem Deutschtürken Adem Yilmaz, der sich im Laufe des Prozesses immer wieder mit dem Vorsitzenden Richter und Justizbeamten anlegte, machten die Gutachter ein „pubertär-trotziges Verhalten” aus. Yilmaz sei mit seiner Schwärmerei für Waffen und Begeisterung für die Terrorausbildung im pakistanischen Waziristan wohl von „Größenfantasien” beseelt. Den jüngsten Angeklagten Daniel Schneider (24) wiederum schätzten die Gutachter als „eher braven Menschen” ein, der eine hohe Leistungsmotivation habe.

Bei Schneider vermuteten die Gutachter als Grund für die Radikalisierung die Trennung seiner Eltern, als er elf Jahre alt war. Der bis dahin „untadelige Schüler” habe dadurch die Orientierung verloren. Der Islam habe ihm Orientierung gegeben. Yilmaz als Kind einer aus Ostanatolien eingewanderten Familie habe wie viele Einwanderer der zweiten Generation möglicherweise eine gestörte Beziehung zu seinem Vater gehabt, den er als unterwürfig und angepasst angesehen habe. Im Islam habe er Leitfiguren gefunden.

Halt habe der Islam wohl auch Gelowicz gegeben, der wie sein Bruder konvertierte. Bis auf Schneider hatten sich die Angeklagten geweigert, mit den Psychiatern und Psychologen zu sprechen.

Drei der Angeklagten waren im Herbst 2007 in einem Ferienhaus im Sauerland festgenommen worden. Ihren Geständnissen zufolge wollten sie dort Bomben herstellen und Anschläge gegen US-Einrichtungen in Deutschland verüben. Ein vierter Komplize wurde später in der Türkei verhaftet.
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