Köln - Großfahndung per Hubschrauber: Mirco bei Köln gesehen?

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Großfahndung per Hubschrauber: Mirco bei Köln gesehen?

Von: os/stm
Letzte Aktualisierung:
Suche nach Mirco
Ein Plakat steht in Grefrath am Ortseingang: Das zweieinhalb Meter hohe Schild steht an der Stelle, an der Mircos Fahrrad entdeckt wurde, um weitere Zeugenhinweise zu erhalten. Foto: dpa

Köln. Der seit neun Tagen vermisste zehnjährige Mirco ist möglicherweise am Montagmittag in Köln gesehen worden. Wie die Kölner Polizei bestätigt hat, will ihn ein Autofahrer auf der A1 bei Köln-Lövenich in einem dunkelblauen VW Caddy mit Mönchengladbacher Kennzeichen ausgemacht haben.

Die Autobahnpolizei leitete eine Ringfahndung ein, in deren Verlauf auch ein Polizeihubschrauber aufstieg. Doch nach etwas mehr als einer Stunde wurde die Suche ohne Ergebnis abgebrochen. „Wir haben sofort umfangreiche Fahndungsmaßnahmen ergriffen und sind den gesamten Bereich bis Leverkusen abgefahren, konnten das Fahrzeug aber nirgends entdecken”, erklärt der Kölner Polizeisprecher Christoph Gilles auf AZ-Anfrage. Im Rahmen der Streifenfahrten werde aber weiter nach dem Auto Ausschau gehalten.

Gilles bestätigt, dass es sich um einen sehr konkreten Hinweis gehandelt habe. Der Zeuge habe bekräftigt, „dass das Kind in dem Wagen sicher Mirco ist”, zudem seien die Angaben zu dem Fahrzeug sehr genau gewesen.

Insgesamt habe es bereits „eine dreistellige Zahl von Hinweisen gegeben, bei denen Zeugen Mirco gesehen haben wollen”, sagt der Polizeisprecher. Doch in allen Fällen habe sich bislang die Hoffnung, den Jungen zu finden, zerschlagen. Gleichwohl bittet die Polizei auch weiterhin um Hinweise. „Wer meint, Mirco gesehen zu haben, soll sich auf jeden Fall melden, auch wenn die Suche mittlerweile relativ hoffnungslos erscheint”, appelliert Gilles.

Weitere Kleidungsstücke gefunden

Unterdessen hat die Polizei bei der Suche nach dem zehnjährigen Mirco aus dem rheinischen Grefrath möglicherweise weitere Kleidungsstücke des Jungen gefunden. Die Sachen seien auf dem Parkplatz, auf dem auch Mircos dunkelgraue Sporthose lag, sichergestellt worden, sagte ein Polizeisprecher am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Sie könnten Mirco gehören. Der Junge war vor zehn Tagen auf dem Nachhauseweg spurlos verschwunden.

Weil die Kleidung im Gegensatz zur Hose durchnässt war, sei ihre DNA-Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Die Textilien mussten erst vorsichtig getrocknet werden, um keine Spuren zu zerstören. Um welche Art von Bekleidung es sich handele, wollten die Ermittler nicht sagen.

Der Parkplatz war zunächst nicht in die Suchaktion der Polizei einbezogen worden, weil er nicht zu dem Gebiet zählte, in dem Mircos Handy geortet wurde. Erst Nachmessungen der Polizei ergaben, dass die vom Mobilfunkanbieter genannte Funkwabe bei guter Witterung deutlich weiter reicht. „Das genannte Gebiet hatte etwa 30 Prozent der Fläche, die wir später als Reichweite bei unseren Messungen festgestellt haben”, erläuterte der Polizeisprecher.

5000 Euro Belohnung


Die Staatsanwaltschaft Krefeld hat jetzt 5000 Euro Belohnung für entscheidende Hinweise ausgesetzt. Bislang sind rund 700 Hinweise eingegangen. Die Landstraße 39 zwischen Wachtendonk und Grefrath könnte ein wichtiger Bezugspunkt für die Ermittler sein. Zeugen, die dort am Abend des 3. September ein Auto mit ungewöhnlicher Fahrweise bemerkt haben, sollen sich bei der Polizei melden. Die „Sonderkommission Mirco” geht davon aus, dass der Täter, der mit dem Verschwinden des Zehnjährigen zu tun hat, diese Straße am Tattag befahren hat.

„Eventuell ist dort Zeugen ein Pkw aufgefallen, der eine ungewöhnliche Fahrweise an den Tag legte”, heißt es in einer Mitteilung der Polizei Mönchengladbach. „Möglicherweise ist er ohne ersichtlichen Grund auffallend langsam gefahren oder hat angehalten oder gewendet.”

Unterdessen wies die Polizei den Vorwurf zurück, dass ihr bei der Suche nach Mirco eine möglicherweise folgenschwere Panne unterlaufen sei. In den Medien hatte ein Polizist anonym kritisiert, dass die Müllabfuhr im Suchgebiet nicht gestoppt worden sei. Mircos Hose war auf einem Parkplatz westlich von Grefrath neben einem Mülleimer entdeckt worden. Als die Spurensicherung dort Tage später eintraf, war der Müll bereits abgeholt und verbrannt.

„Der Parkplatz zählte zunächst nicht zum Suchgebiet”, betonte ein Polizeisprecher am Montag in Mönchengladbach. Erst die Nachmessungen für die Handy-Ortung und der Hinweis der Frau, die dort die Hose gefunden hatte, hätten die Polizei auf den Parkplatz geführt.

Eine Mutter hatte die Sporthose am Tag nach Mircos Verschwinden auf dem Parkplatz gefunden, für ihre eigenen Kinder mitgenommen und drei Tage später bei der Polizei abgegeben. Auf der Hose wurde Mircos DNA entdeckt. „Unsere Leute haben noch nachts Mitarbeiter der Verbrennungsanlage aus dem Bett geklingelt, als das klar war”, sagte ein Polizeisprecher. Ob sich auch Spuren eines möglichen Sexualverbrechers an der Hose befinden, wurde am Montag im Landeskriminalamt in Düsseldorf weiter untersucht.

Neben der auf 80 Ermittler aufgestockten Sonderkommission „Mirco” suchte am Montag erneut eine Hundertschaft der Polizei in dem rund 50 Quadratkilometer großen Suchgebiet nach Spuren des Zehnjährigen. In der vergangenen Woche hatten rund 1000 Polizisten in einer der größten Suchaktionen in der Geschichte Nordrhein-Westfalens Wälder, Sümpfe und Felder nach Mirco durchkämmt.

Auch in den nächsten Tagen sollen zwei Hundertschaften weitersuchen. An der Stelle, an der Mircos Fahrrad entdeckt und der Junge vermutlich entführt wurde, ist inzwischen ein zweieinhalb Meter hohes Schild aufgestellt werden, um weitere Zeugenhinweise zu erhalten.
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