Aachen - Großeinsatz an St. Leonhard endet ohne Blutvergießen

Großeinsatz an St. Leonhard endet ohne Blutvergießen

Von: Achim Kaiser
Letzte Aktualisierung:
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Tatort Gymnasium St. Leonhard an der Jesuitenstraße: Am Freitagmittag verletzte ein 34-jähriger geistig verwirrter Mann im Schulgebäude eine 17 Jahre alte Schülerin mit einem Messer. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Am Ende atmeten alle Beteiligten erst einmal tief durch. „Wir haben Glück gehabt. Es ist alles gut gegangen”, sagte Polizeisprecher Paul Kemen nach dem Großeinsatz am St. Leonhard-Gymnasium in der Jesuitenstraße.

Ein nach Kenntnissen der Polizei geistig verwirrter Mann hatte am Freitag im Schulgebäude eine 17-jährige Schülerin mit einem leichten Messerstich verletzt. Der psychisch Kranke konnte von einem Lehrer überwältigt und der Polizei übergeben werden.

Gegen 11.25 Uhr war der 34-Jährige, wie Schulleiter Günther Dick formuliert, „in die Schule reinspaziert und ins Lehrerzimmer gegangen”. Dort erzählte der ehemals Selbstmordgefährdete wirres Zeug. „Ich bin dann von Kollegen dazugerufen worden. Wir wollten den Mann über einen Flur aus der Schule führen”, beschrieb Direktor Dick die Momente vor der Schrecksekunde.

Einige Schüler standen auf diesem Flur, weil mittlerweile die Klingel zur zweiten großen Pause geläutet hatte. Auf Höhe der Schülergruppe habe der Verwirrte plötzlich ein Taschenmesser aus seiner Jackentasche hervorgekramt. Laut Polizeiprotokoll habe er sich eine Schülerin geschnappt, am Hals gepackt und sie mit dem Messer am Oberschenkel gestreift. „Der Stich ging zwar durch ihre Hose, war aber nach einer ersten Untersuchung eher oberflächlich”, sagte Polizeisprecher Kemen.

„Es ist Gottseidank kein Blut geflossen. Ich glaube noch nicht mal, dass das Absicht war”, schilderte Augenzeuge Dick seine Eindrücke.

Ein Kollege habe dem Verrückten das Messer aus der Hand gerissen, und mehrere Lehrer brachten den Täter schnell ins Sekretariat. Gleichzeitig kümmerten sich andere hinzugeeilte Pädagogen um die Jugendlichen, die den Angriff mitverfolgt hatten.

„Wir haben den Mann versucht zu beruhigen und sofort die Polizei alarmiert. Die war auch ruckzuck vor Ort”, sagte Dick.

Nach dem Notruf aus der städtischen Schule alarmierte die Polizei sämtliche verfügbaren Streifen-, Rettungs- und Notarztwagen und orderte sie zum St. Leonhard-Gymnasium.Aufgeschreckt durch die vielen Einsatzwagen in der Nähe vom Dom riefen zahlreiche Interessierte bei der Polizei an und wollten wissen, was denn nun los sei in der Stadt.

„Es war kein Amoklauf”, stellte Polizeisprecher Kemen klar. Aber in einem solchen Fall gelte immer die höchste Alarmierungsstufe: „Bei Bedrohung von Schülern oder Schulen fahren wir das volle Programm.”

Und so wurden neben dem sogenannten Opferschutzbeauftragten der Polizei auch zwei Schulpsychologen an den Tatort gerufen. Sie übernahmen die Betreuung der betroffenen Lehrer und schockierten Schüler.

Die 17-Jährige aus der Jahrgangsstufe 11 wurde mit Tränen in den Augen vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Ihr seelischer Schmerz war wohl größer als der Picks am Oberschenkel.

Derweil nahm die Polizei den verstörten Messerstecher fest. Er stammt aus Aachen und ist den ermittelnden Behörden bekannt. Bereits im Dezember vergangenen Jahres war er aufgefallen, weil er sich umbringen wollte. Damals wurde der 34-Jährige in die Psychiatrie eingewiesen. Dort ist er auch am Freitag wieder gelandet und wird stationär behandelt.

„Uns liegen keinerlei Erkenntnisse vor, was der Mann in der Schule wollte. Er ist wohl eher zufällig dorthin gegangen”, erklärte Kemen. Ein Verfahren gegen ihn sei aber bereits eingeleitet worden.

Günther Dick informierte noch vor Schulschluss per Durchsage sämtliche Schüler und Lehrer über den Vorfall: „Man kann Schulen nicht abschließen. Das ist auch nicht Sinn und Zweck. Wir sind froh, dass alles glimpflich abgelaufen ist.”
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