Grenzinspektion mit Drahtbürste, Farbe und Pinsel

Von: Christina Handschumacher
Letzte Aktualisierung:
deutsch-belgische Grenzkontrol
deutsch-belgische Grenzkontrolle Foto: Handschuhmacher

Aachen/Monschau. Die Nummer auf dem Grenzstein 572 ist kaum noch zu erkennen. Moos bedeckt die Oberfläche und die Witterung hat ihr Übriges dazu getan. Ein Fall für Andreas Bruchhage und seine Kollegen vom Kataster- und Vermessungsamt der Städteregion Aachen.

Gemeinsam mit den belgischen Kollegen bearbeiten sie den Stein mit einer Drahtbürste und erneuern Länderkürzel und Nummer mit weißer Fassadenfarbe. Der Grenzstein 572 steht in Wahlerscheid, am südlichen Zipfel des Nationalparks Eifel. Und hier beginnt für Vermessungsingenieur Bruchhage und seine Kollegen aus Belgien an diesem Morgen die deutsch-belgische Grenzinspektion.

Alle fünf Jahre gibt es diese Grenzbegehung. So will es das „Abkommen zur Sicherstellung des Grenzzuges und die Unterhaltung der Grenzmale” von 1929. In den nächsten zwei Wochen werden die Kontrolleure sich querfeldein entlang der Grenze nach Norden arbeiten - bis zum Dreiländerpunkt und Grenzstein 1032. „Wir sehen das Ziel dann immer näher kommen anhand der aufsteigenden Nummern auf den Steinen”, sagt Bruchhage und man kann die Vorfreude in seinem Gesicht sehen.

Doch bis Stein 1032 liegen noch rund 80 mühsame Kilometer und einige hundert Grenzsteine vor ihnen. Es geht quer durch Wald, Wiesen und Bachläufe. Manche Steine sind bei Forstarbeiten beschädigt worden, andere wurden unterspült oder sind stark verwittert. In ihrem orangefarbenen Messfahrzeug haben die Katasteramtsmitarbeiter daher alles dabei, um für jeden möglichen Fall gerüstet zu sein. „Spaten, Brechstangen, weiße Fassadenfarbe, einfache Messin­strumente und Absicherungsmaterial brauchen wir immer”, zählt Bruchhage auf. „Und Gummistiefel sind wichtig. Wir haben hier schon oft nasse Füße bekommen.”

Die Kopie einer Karte der Landesgrenzen von 1922 weist den Grenzinspektoren den Weg. Und auch die eingemeißelten Rillen auf den Grenzsteinen dienen als Wegweiser. Als 1995 das Schengen-Abkommen in Deutschland und Belgien in Kraft trat, verloren die etwa 300 Kilogramm schweren Granitklötze ihre Bedeutung. Sie sind nun Relikte vergangener Zeiten, als die Zöllner noch entlang der Grenzen patrouillierten und ein Überqueren nicht so selbstverständlich war.

Doch so wie sich Bruchhage und seine Kollegen nicht nur auf die neuen Messungen mit dem globalen Navigationssatellitensystem GPS verlassen, haben auch die Grenzsteine für den Ingenieur noch nicht ausgedient: „Die meisten europäischen Länder bestehen nach wie vor auf die Grenzsteine. Sie sind einfach nützlich, weil sie den Grenzpunkt deutlich sichtbar markieren - und daran wird sich wohl auch in naher Zukunft nichts ändern.”
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