Aachen - Grabstätte Karls des Großen bleibt ein Rätsel

Grabstätte Karls des Großen bleibt ein Rätsel

Von: dpa
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Blick Richtung Domportal, bevor der neue Boden gegossen wurde. Fest steht: In der Vorhalle wurden vom 13. bis 18. Jahrhundert auch Familien beigesetzt. Im Zentrum sieht man eine exponierte Grabstätte aus Backstein, links daneben ein gut erhaltenes Skelett, am rechten unteren Rand die Gruft von Ritter Chorus. Foto: Domkapitel

Aachen. Eines der größten Rätsel um den Aachener Dom bleibt ungelöst: Archäologen haben das Grab Kaiser Karls des Großen nicht gefunden. Bei Sanierungsarbeiten hatten sie in der Vorhalle des Doms nach dem Grab des im Jahr 814 gestorbenen Herrschers gesucht.

Karl der Große war der bekannteste Herrscher des Mittelalters, gilt heute als erster Europäer, sein Dom in Aachen als die Wiege Europas - und doch soll Karl nach seinem Tod einfach nur verscharrt worden sein? Das kann in Aachen kaum jemand glauben.

Aber so viele Möglichkeiten, die ursprüngliche Grabstätte Karls zu finden, gibt es nicht mehr. Drei Jahre lang haben Archäologen noch einmal im Aachener Dom gesucht. Fehlanzeige! Kein Grab, keine Sensation.

„Sicher ist Karl der Große in Aachen bestattet worden und sicher im Bereich der Kirche”, meint der Stadtarchäologe Andreas Schaub genauso wie die vielen Experten in den Jahrhunderten vor ihm. Und immer wieder war diese eine Frage das große Faszinosum: Wo wurde Karl Stunden nach seinem Tod begraben? Das ist ein guter Stoff für Mythenbildung.

Der Leiter der Aachener Domschatzkammer, Georg Minkenberg, hält sich an die Fakten: Der Kaiser starb am Morgen des 28. Januar 814 und war schon am Abend bestattet. „Das ist außerordentlich merkwürdig”, kommentiert er den Vorgang. Der karolingische Herrscher habe nicht in Aachen, sondern in einem Vorort von Paris bestattet werden wollen.

Doch: „Der Hof wollte ihn in Aachen bestatten”, sagt Minkenberg. Möglicherweise hat man den Kaiser schnell und formlos unter die Erde gebracht, um Fakten zu schaffen. Vielleicht wurde das Grab auch aus Angst vor den Normannen unkenntlich gemacht, damit die Feinde es bei einem Überfall nicht verwüsten konnten.

Im extremsten Fall suchen die Archäologen nach einem damals ausgehobenen Loch. Und das wäre selbst mit den modernsten Techniken eine Herausforderung. „Ich bin mir auch nicht sicher, ob wir es erkennen würden”, bekennt Schaub.

Es gibt acht Theorien, wo sich die Grabstätte des Herrschers befand. „Mit der jüngsten Grabung haben wir fünf definitiv ausgeschlossen”, sagt Dombaumeister Helmut Maintz. Ein bisschen enttäuscht ist er schon. „Aber es gibt ja zum Glück noch ein paar Theorien. Deshalb bin ich nicht hoffnungslos.”

Zuletzt hatte der Aachener Dombaumeister Leo Hugot in den 80er Jahren sein Glück versucht. Seitdem hielten sich hartnäckig die Gerüchte, das ursprüngliche Grab sei in der Vorhalle des Doms gewesen. Auch diese Vorhalle nahmen Archäologen noch einmal ins Visier. Doch die ältesten Funde dort stammen aus dem 13. Jahrhundert. 1910 hatten Archäologen schon einmal den ganzen Domboden umgegraben - gründlich dokumentiert. Bleibt noch der Domhof. Eine neue These.

Karl der Große gilt als bekannte und mächtigste Herrschergestalt des Mittelalters. Im 8. und 9. Jahrhundert vereinigte er die Völker im Frankenreich vom Ebro bis zur Elbe. Der Karolinger wird als erster europäischer Staatsmann bezeichnet und seine Pfalzkapelle in Aachen als die Wiege Europas verstanden. 768 wurde er zum fränkischen König gekrönt und Weihnachten 800 zum Kaiser. Mit dem Bau der Pfalzkapelle, dem Kern des Aachener Doms, machte er seinen Anspruch nach kirchlicher und weltlicher Herrschaft sichtbar. Auf den Herrscher ging das erste umfassende Bildungssystem in Deutschland zurück.

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