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Graben nach Vermissten im Kölner Krater: „Holt sie endlich raus”

Von: Christoph Driessen, dpa
Letzte Aktualisierung:
Köln / Stadtarchiv / Einsturz
Feuerwehrmänner schweben in einem Krankorb über dem eingestürzten Historischen Stadtarchiv in Köln und suchen nach den beiden vermissten Personen. Foto: dpa

Köln. Wo sich am Dienstag in der Kölner Innenstadt die Erde auftat und einen ganzen Häuserkomplex verschlang, graben Helfer seit Freitag nach zwei Menschen. Es wird nicht offen ausgesprochen, aber es ist wohl eine Suche nach zwei Toten. Dort unten kann man nicht tagelang überleben.

Den „Krater” oder den „Trümmerkegel” nennen sie dieses Loch an der Severinstraße, das bis oben hin mit Steinen, Geröll, Brettern und anderen Bestandteilen einer ehemals wohlgeordneten Welt gefüllt ist.

Vor einer Woche stand hier noch alles: Das Archiv, in dem jede Urkunde der Stadtgeschichte ihren Platz hatte, und die beiden Nachbarhäuser mit den Dachgeschoss-Wohnungen von Khalil (23) und Kevin (17). Khalil, ein Designstudent, hatte sich an diesem Tag krankgemeldet und war vermutlich ins Bett gegangen, um sich auszukurieren. Kevin wollte nach einer anstrengenden Schicht in der Bäckerei ausschlafen. Für sie kam jede Warnung zu spät.

Immer wieder greift der Bagger am Samstag in den Krater und holt eine neue Schaufelladung Schutt heraus, manchmal durchsetzt mit Akten aus der Bismarck-Zeit. Spürhunde werden eingesetzt, die manchmal bellen. „Die Tiere schlagen jedoch bei allem an, was nach Mensch riecht”, erklärt ein Feuerwehrsprecher. Auch bei Kleidungsstücken oder Kissen. Stunde um Stunde vergeht, es wird Morgen, es wird Mittag. Zumindest endlich mal ein Tag mit Sonne statt mit Regen. Der Boden ist jetzt nicht mehr so glitschig.

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis man auf Kevin und Khalil stößt? „Holt sie endlich hier raus!” lautet eine Schlagzeile am Zeitungsstand. Die Ungeduld wächst, es geht alles sehr langsam. Auswärtige Experten melden sich zu Wort und kritisieren „übertriebene Gefahrenvorsorge”. Die Retter hätten zu lange gezaudert.

Feuerwehrsprecher Daniel Leupold bleibt ganz ruhig, wenn man ihn darauf anspricht. „Ich versichere Ihnen, der Weg, den wir gehen, ist der einzig gangbare”, sagt er. „Man hat da immer diese Bilder aus Erdbebengebieten in Entwicklungsländern vor Augen mit irgendwelchen Laien, die in den Trümmern buddeln. Das ist unverantwortlich.” An der Kölner Unglücksstelle waren mehrere Hausruinen vom Einsturz bedroht - sie mussten erst abgerissen werden, sagt Leupold.

Viele stehen jetzt in der Kritik, allen voran die Kölner Verkehrs- Betriebe (KVB). Deren U-Bahn-Bau soll das Unglück verschuldet haben. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel” hat in einem fünf Jahre alten Gutachten nachgelesen, was schon damals bemängelt wurde, als ein Kirchturm in der Nähe des Archivs in Schieflage geriet. Demnach wurde kritisiert, dass der „Stützdruck” beim Bau eines Versorgungstunnels zu niedrig gewesen sei, um die unterirdische Bohrstelle ausreichend zu stabilisieren. Die KVB haben bisher keinerlei Versäumnisse eingestanden. Nach den Worten des Projektleiters Rolf Papst war der Einsturz „eine nicht aufgeklärte Havarie, die sich in keinster Weise angekündigt hat”.

Überwiegend negativ sind auch die Pressekommentare zum „Schlingerkus” des Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma (CDU). Er trägt den U-Bahn-Bau seit vielen Jahren mit, sagte aber unmittelbar nach dem Unglück, nun halte er einen Weiterbau „fast für unverantwortlich”. Am nächsten Tag bat er dagegen nur noch um eine „temporäre Atempause”. Sein Sprecher Gregor Timmer sagte am Samstag, der OB sei teilweise falsch zitiert worden. Im übrigen sei doch klar, dass man nach einem solchen Unglück neu nachdenke.
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