Alsdorf - Glück auf fürs neue Energeticon: Fragen zur Energiewende

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Glück auf fürs neue Energeticon: Fragen zur Energiewende

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
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Großes Interesse für ein bedeutendes Projekt: In der Umformerhalle des Energeticon (Bild), die als Veranstaltungsstätte dient, fanden bei der offiziellen Eröffnung nicht alle Gäste einen Sitzplatz. Fotos (2): Stefan Schaum Foto: Stefan Schaum
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Das „1x1 der Energie“ im Überblick: Dies ist nur einer der interessanten Ausstellungsräume im am Montag eröffneten Energeticon Alsdorf. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Das Rednerpult steht wie eine Drohung auf der Bühne. Die geladenen Gäste in der alten Umformerhalle am Rande des Annaparks in Alsdorf rechnen mit dem Schlimmsten: Reden – und das stundenlang.

Denn nach dem unterhaltsamen Auftritt des Chors der Gustav-Heinemann-Gesamtschule, geht es um Worte zur offiziellen Eröffnung des Energeticons, der Dokumentationsstätte für Energieformen, die zugleich Tagungsstätte und außerschulischer Lernort ist.

Da drohen doch sicherlich wieder reichlich Prominente, die zwar oft lang sprechen, aber nur teilweise erahnen lassen, was sie mit dem Ganzen überhaupt zu tun haben. Für die kleine Feier danach sind die Perspektiven auch nicht gerade gut: Nur 3000 Häppchen für 550 Gäste. Da muss man schnell aus den Stühlen hochkommen, um sich noch ein paar Bissen zu sichern.

Kurz und bündig

Aber es kommt alles ganz anders – zum Glück, oder besser „Glück auf!“, wie der Bergmann heute noch grüßt. Schließlich befindet man sich in einem alten Gebäude des Steinkohlenbergbaus. Und wer genau „hin riecht“, kann noch Kohlenstaub und vor allem Maschinenschmiere schnüffeln.

Moderator Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, zerstreut die Ängste der Zuhörer: „Das Rednerpult wird nicht gebraucht!“ Das Teil kann ins Museum. In drei kurzweiligen Talkrunden entführt er die Gäste in die Welt der Energie, lässt die spannende Entstehung dieses Zen­trums für Energieformen nachzeichnen und die Gesprächsteilnehmer die Bedeutung der Einrichtung für die Stadt, die Region und darüber hinaus erläutern sowie Perspektiven entwickeln. Der Beifall der Erleichterten hierfür ist dankbar und reichlich.

Ausstellung erklärt sich selbst

Nur Gäste, die in der Halle keinen Sitzplatz gefunden haben – der Betreiber, die Energeticon gGmbH, war eigentlich von „nur“ 350 Teilnehmern ausgegangen – erliegen der Versuchung, schon mal bei einer Führung das Gelände zu erkunden und die Ausstellungsexponate anzusteuern.

Obwohl auf Bitten des Energeticon-Geschäftsführers Harald Richter, der dem Moderator einen „Waschzettel“ für den Ablauf der Feier in die Hand und in den Mund gelegt hatte, Bernd Mathieu immer wieder augenzwinkernd auf diese Alternative zu den Talkrunden hinweist, bleiben die Stuhlreihen dicht besetzt.

Schnell wird klar, dass die Alsdorfer im Speziellen und die Gesellschafter des Energeticon im Besonderen stolz auf die rund zwölf Millionen Euro teure Begegnungsstätte sein können. „Das Energeticon ist über Nordrhein-Westfalen hinaus einzigartig. Es gibt kein weiteres Museum dieser Art in Mitteleuropa“, sagt Rainer Klenner, Referatsleiter für Industriekultur im NRW-Bauministerium. Er sieht das Energeticon für die Zukunft gut aufgestellt.

Bürgermeister Alfred Sonders, der wie ein Uhrwerk abläuft und droht, doch noch eine Rede zu halten, aber vom Moderator gestoppt wird, hebt die Bedeutung des Energeticons für die Stadtentwicklung hervor: „Man sieht jetzt, wie sich auf dem Areal des Annaparks und darum herum die einzelnen neuen Mosaiksteine zusammenfügen.

Das ist ein wichtiger Impuls.“ Nicole Weiden-Luffy, Vertreterin des „Hauptgesellschafters“ Landschaftsverband Rheinland, lobt, dass mit dem Konzept „ein hervorragender Bogen zwischen den Generationen geschlossen wird“. Der Landschaftsverband unterstütze und begleite das Zentrum nicht nur mit Geld, sondern auch personell.

Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter verspricht, dass das Energeticon nie fertig wird. „Es kommen immer wieder neue Exponate hinzu, manche werden ausgetauscht.“ Mit der „sich selbst erklärenden Ausstellung“ spreche man nicht in erster Linie Professoren an. Es gehe viel um Emotionalität. Für ihn persönlich gehört zu den Highlights der Sonnenraum mit einer großen Kugel an der Decke und die Simulation einer Grubenfahrt.

Nicolay Kues, Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule, bestätigt, dass sich auch Jüngere von dem Konzept des Energeticons angesprochen fühlen. „Schüler erleben, wie Energie ensteht.“

„Energie ist ein ganz erhebliches Thema für die Bundesrepublik Deutschland. Energie ist hier sehr teuer. Wir müssen Mittel und Wege finden, die Preise zu senken und die Energie sicher und verfügbar zu machen“, sagt Prof. Marcus Baumann, Rektor der Fachhochschule Aachen.

Aus seiner Sicht liegt das Energeticon genau richtig, indem es die Energiewende umfassend thematisiert. „Wir brauchen neue Konzepte, um Heranwachsende schon im Kindergarten, spätestens in der Sekundarstufe anzusprechen, dass es sehr interessante Berufsfelder im Ingenieurwesen gibt.“

Obwohl es noch nicht geplante Worte des Lobes für Macher des Energeticons gibt, überzieht Moderator Bernd Mathieu nur um zwei Minuten. Wenn nur die Energiewende auch so funktionieren würde...

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