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„Gigathlon“: Wahnsinnstour durch drei Länder

Von: Ulrich Simons
Letzte Aktualisierung:
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Auf acht Röllchen über die Vennbahntrasse und den Nato-Flugplatz in Geilenkirchen: 53 Kilometer legen die Extremsportler an beiden Tagen alleine auf ihren Inline-Skates zurück. Foto: Gigathlon/Pascal Mora

Euregio. Untrainierte bekommen vermutlich schon vom Lesen der Eckdaten Muskelkater: 475 Kilometer im Wasser und zu Lande. Schwimmend, zu Fuß, auf Rädern und Röllchen. Insgesamt 6350 Meter Höhenunterschied, und das alles an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. „Gigathlon“ nennt sich der Wahnsinn. Dagegen erscheint der Indeland Triathlon wie ein gemütlicher Sonntagsspaziergang.

Seit 15 Jahren ist der mörderische „Gigathlon“ ein Top-Event in seinem Mutterland, der Schweiz. 40.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich bisher den brutalen Aufgaben gestellt. Vom 15. bis 17. August nächsten Jahres findet der Wettkampf erstmals in der Euregio statt.

Ihr Basiscamp schlagen die Sportler und ihre Helfer am 15. August auf dem 27 Hektar großen „Megaland“-Areal im niederländischen Landgraaf auf, vom 7. bis 9. Juni nächsten Jahres auch wieder Austragungsort des legendären Rockfestivals „Pinkpop“.

Am nächsten Tag wird es dann ernst: Am 16. August fällt in aller Herrgottsfrühe im Eschweiler Blausteinsee der Startschuss zur ersten Disziplin: Vier Kilometer schwimmen, der aufgehenden Sonne entgegen. Wenn’s schlecht läuft mit Gegenwind.

Nach dem „erfrischenden“ Start in den Tag begibt sich der Tross auf die Mountainbike-Strecke. Die rund 70 Kilometer lange Route führt zunächst durchs Indeland, dann vorbei am Braunkohle-Tagebau Inden und durch den Hürtgenwald ins belgische Raeren.

Am alten Bahnhof in Raeren werden die Mountainbikes abgestellt und die Inline-Skates untergeschnallt. Über 23 Kilometer führt die Rennstrecke auf der alten Vennbahntrasse teilweise durch Belgien. Weil die Trasse weitgehend frei von Anstiegen ist, gibt es logischerweise auch keine Abfahrten, auf denen sich die Beine ein wenig entspannen könnten. Und in Lammersdorf stehen schon die Rennräder bereit.

Hundert Kilometer liegen vor den Ex­tremsportlern, durchs belgische Hohe Venn mit zahlreichen Serpentinen und langen (gegen-)windanfälligen Geraden hinauf auf den höchsten Punkt der Niederlande (322,7 Meter) am Dreiländereck bei Vaals.

Ab hier geht es dann zu Fuß auf die fünfte und letzte Etappe: Das Finale des Langlaufs, der den Tag beschließt, dürfte den Athleten unvergessen bleiben. Auch wenn die hohen Berge der Schweiz fehlen: Wo in den Alpen ein Berg steht, haben die Limburger fünf „giftige“ Hügel. In der Summe und in den Beinen läuft das fast aufs Gleiche hinaus.

Und dann der Endspurt: Das Ziel schon vor Augen, führt die Strecke in den ewigen Schnee der Skihalle in Landgraaf, und dann als absoluter Höhepunkt nebenan auf die mit 250 Metern längste Freitreppe Europas, 90 Meter hoch, mehr als 500 Stufen hinauf auf die alte Halde der Zeche Wilhelmina. Erinnert ein bisschen an die Strapazen der Zielankunft bei der Tour de France in l‘Alpe d‘Huez, nur eben für Fußgänger.

Auch die Route des zweiten Wettkampftages am 17. August ist nicht von Pappe: Das südlimburgische Hügelland, berühmt-berüchtigt unter anderem durch das Amstel Gold Race, ist die Kulisse für den 120 Kilometer langen Rund­kurs mit Start und Ziel in Landgraaf. 1500 Höhenmeter gilt es im Verlauf der Etappe mit dem Rennrad zu überwinden.

Dann geht es mit dem Mountainbike nach Geilenkirchen, ein Schlenker über Stein an der Maas im Norden Südlimburgs inklusive. Dort wartet die Erfrischung: vier Kilometer schwimmen im Julianakanal. Dann raus aus dem Wasser, wieder rauf aufs Mountainbike.

Nach 60 Kilometern und insgesamt 1300 Höhenmetern erlebt die Nato-Airbase in Geilenkirchen vermutlich eine Premiere: Hunderte Inline-Skater machen sich in dem normalerweise schwer bewachten Fliegerhorst auf die 30 Kilometer lange Strecke, die auch über die Start- und Landebahn führen wird. Dann sind es nur noch 20 Kilometer im Laufschritt zurück nach Landgraaf.

Gigathlon-Erfinder Peter Wirz aus Zürich: „Der Wettbewerb im angeblich flachsten Land Europas wird für unsere Schweizer Sportler eine ganz neue Erfahrung.“

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