Mettmann - Giganten der Eiszeit und Kunstobjekt der Frühmenschen

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Giganten der Eiszeit und Kunstobjekt der Frühmenschen

Von: Frank Bretschneider, dapd
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Ausstellung Giganten der Eiszeit
Ein Mammut in Originalgröße mit seinem Jungen wandert durch die nachgebaute Steppenlandschaft im Neanderthal Museum in Mettmann. Foto: dpa

Mettmann. Für Yuri Khudi sah es zunächst wie ein verendetes Rentier aus. Doch das Wesen, das der Rentierhirte da im Frühjahr 2007 im Schnee der Tundra auf der sibirischen Halbinsel Yamal fand, war schon deutlich länger tot und gehört einer längst ausgestorbenen Tierart an.

Auf rund 40.000 Jahre beziffern Fachleute das Alter des mumifizierten Mammutkalbs Lyuba, das als der besterhaltene Mammutfund der Welt gilt.

Jetzt macht Lyuba Station im Neanderthal Museum in Mettmann - wenn auch nur als detailgenaue Reproduktion. Das Mammutkalb, das vermutlich beim Überqueren eines Flusses in einem Schlammloch erstickte, ist einer der „Stars” der am Samstag (20. November) beginnenden Sonderausstellung „Mammuts - Giganten der Eiszeit”. Sie bringt den Besuchern die Welt der wollhaarigen Urtiere näher.

Skelette und Knochen werden gezeigt

Originalgetreue Skelette, Knochenfunde und die Rekonstruktion eines ausgewachsenen Mammuts vermitteln ein Bild von der monströsen Anmut dieser Giganten, die mit dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 11.000 Jahren auszusterben begannen: Die Tiere waren bis zu drei Meter hoch, zehn Tonnen schwer und ausgestattet mit bis zu vier Meter langen Stoßzähnen. Rund 200 Kilogramm Gras verputzte ein ausgewachsenes Mammut jeden Tag.

Wäre Lyuba zu einem solch ausgewachsenen Mammut herangereift, hätte es womöglich seinen ärgsten Feind getroffen: Für die Menschen der Eiszeit waren Mammuts eine wichtige Nahrungsquelle, wenn auch gefährlich zu jagen. Über die Bedeutung der Mammuts für die Steinzeitmenschen ist in der Ausstellung ebenfalls einiges zu erfahren. Mit Speeren stellten die Jäger den Tieren nach, die nicht nur wertvoller Fleisch- und Felllieferant waren, sondern deren Körper auch Material für Werkzeuge, Waffen und Hütten boten.

Warum aber verschwanden die Mammuts von der Bildfläche? Von der umstrittenen Vemutung mancher Wissenschaftler, dass die steinzeitlichen Jäger die Mammuts ausgerottet haben könnten, hält man auch im Neanderthal Museum nicht viel. Die Ausstellung vertritt die gängigere These, dass die Tiere schlicht verhungerten.

Erwärmung führte zum Aussterben der Tiere

Mit der zunehmenden Erwärmung verschwanden weite Teile der eiszeitlichen Mammutsteppe im Norden Europas, Asiens und Nordamerikas - dem Lebensraum der Großsäuger. Die Steppengräser wichen langsam Bäumen, Flechten und Moosen und brachten die Mammuts um ihre Nahrungsquelle. Die letzten Exemplare lebten isoliert bis vor 4.000 Jahren auf der westsibirischen Wrangel-Halbinsel.

Welchen Respekt die Frühmenschen vor den riesigen Mammuts offenbar hatten, zeigen nicht nur die in Höhlen gefundenen jahrtausendealten Malereien, die häufig Jagdszenen zum Thema haben, sondern auch Schmuckstücke. Museums-Vizedirektorin Bärbel Auffermann ist deshalb stolz darauf, in der Ausstellung die wohl „ältesten Kunstwerke der Menschheit” vorzustellen. In einer kleinen Vitrine aus Panzerglas finden sich zwei etwa 35.000 Jahre alte fingergroße und sorgfältig gearbeitete Mammutfiguren aus Mammutelfenbein. Sie wurden in der Vogelherd-Höhle auf der Schwäbischen Alb gefunden und sind eine Leihgabe der Universität Tübingen.

Auch heute noch beflügelt das Mammut die Fantasie: Nachdem Wissenschaftlern inzwischen das Erbgut der Mammuts isoliert haben, halten manche das Klonen eines solchen Urzeitriesen für möglich, der dann in einer Art „Jurassic Park” ausgestellt werden könnte. Auffermann hält davon allerdings gar nichts: „Es ist wichtiger, die letzten Elefanten vor dem Aussterben zu retten als Mammuts zu klonen.”

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr. Eintritt Sonderausstellung: 5,00 (Kinder 2,00) Euro; Kombikarte für Sonder- und Dauerstellung: 9,00 (Kinder 5,50) Euro.
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