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Giftiger Untergrund: Bürger wollen neue A1-Rheinbrücke verhindern

Von: Noah Gottschalk, dpa
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Rheinbrücke
Die Rheinbrücke der Autobahn 1 bei Leverkusen ist völlig marode - so schnell wie möglich soll sie neu gebaut werden. Doch auf dem Gelände gibt es eine alte Giftmülldeponie. Anwohner wollen deshalb gegen das Verkehrsprojekt klagen. Foto: Oliver Berg/dpa

Leverkusen. Autofahrer stehen im Stau, Lastwagenfahrer müssen lange Umwege in Kauf nehmen. Längst ist die Leverkusener Rheinbrücke an der Autobahn 1 so marode, dass der Verkehr massiv beeinträchtigt wird. So schnell wie möglich will die Politik eine neue Brücke bauen. Doch genau dort, wo einige der Grundpfeiler für die neue Rheinquerung errichtet werden sollen, liegen noch Altlasten einer früheren Giftmülldeponie.

Mehrere Bürgerinitiativen wollen deshalb an diesem Montag Klage gegen das für NRW so zentrale Verkehrsprojekt einreichen. Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) hält die Risiken hingegen für beherrschbar.

Auf der ehemaligen Deponie Dhünnaue hatten der Chemiekonzern Bayer und die Stadt Leverkusen in den 1920er bis 1960er Jahren Bauschutt, Abfälle und giftige Chemikalien entsorgt. 70 Prozent der Abfälle sind Bauschutt, aber 15 Prozent gelten auch als sehr giftig. So finden sich dort etwa krebserregende Schwermetalle wie Blei.

Inzwischen ist die Deponie längst versiegelt. Doch Bauarbeiten an dieser Stelle sorgen bei vielen Menschen in Leverkusen für Unbehagen. „Die Sicherung der Deponie jetzt nach nur ein paar Jahren wieder zu öffnen, ist durchaus risikoreich”, findet auch Helmut Meuser, Professor für Bodenschutz an der Universität Osnabrück.

Mit einem umfangreichen Sicherheitskonzept will der Landesbetrieb Straßen.NRW ein Austreten gefährlicher Stoffe verhindern. Um die Baustelle soll ein Zelt errichtet werden, das Arbeiter nur in Spezialkleidung betreten dürfen. 150 eigene Erkundungsbohrungen hätten zudem „keine überraschenden Ergebnisse zu Tage gefördert”, betont der Landesbetrieb. Die Bauexperten gehen von einem „kalkulierbaren Risiko” aus.

Die Bezirksregierung Köln hat die Pläne genehmigt und hält das Risiko für vertretbar. Ein Fachgutachter werde alle Eingriffe überwachen. Das Konzept gehe weit über den normalen Umfang von Schutzmaßnahmen hinaus, sagt ein Sprecher.

Auch Verkehrsminister Groschek betont, man nutze eine Reihe technischer Maßnahmen, damit bei den Bauarbeiten keine schädlichen Stoffe nach außen treten könnten. Zudem werde es ständig Messungen geben, schrieb Groschek im November in seiner Antwort auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Klaus Voussem.

Straßen.NRW bemüht sich unterdessen um einen Dialog mit den Kritikern. Mitte Januar werde ein neues Bürgerbüro eröffnet, dort soll es „ständig aktuelle Informationen geben”, sagt eine Sprecherin. Es sei natürlich „nicht ohne”, eine Altlasten-Deponie zu öffnen. „Wir sind da aber mit kompetenten Fachleuten dran und überzeugt, dass wir das im Griff haben.”

Nicht alle Menschen in Leverkusen glauben das. Deshalb wollen die Bürgerinitiativen nun ihre Klage am Bundesverwaltungsgericht einreichen und den Bau so zumindest vorübergehend stoppen. „Wir sind knallhart dagegen, das Ding nochmal zu öffnen”, sagt Erhard Schoofs, einer der Verantwortlichen. Hätte die Klage Erfolg, müssten sich Auto- und Lastwagenfahrer wohl noch lange auf Staus und Umwege am Rhein einstellen.

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