Gesunkenes DLRG-Rettungsboot geborgen

Von: sim/jpm
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Kräfte des des Technischen Hilfswerkes (THW) haben am Mittwochabend das am Montag in der Woffelsbacher Bucht gesunkene DLRG-Rettungsboot geborgen. Foto: Ralf Roeger

Simmerath/Aachen. Kräfte des Technischen Hilfswerkes (THW) haben am Mittwochabend das am Montag in der Woffelsbacher Bucht gesunkene DLRG-Rettungsboot geborgen.

Die Bergung des Motorboots verlief indes ohne größere Probleme. Nachdem die Suche durch Taucher des THW am Unglückstag selbst aufgrund der einbrechenden Dämmerung abgebrochen worden war, verlegte das THW die Bergung auf Mittwoch.

Nachdem das Wrack schließlich in rund 26 Meter Tiefe entdeckt worden war, brachten die Taucher sogenannt Hebekissen an, die von der Wasseroberfläche aus mit Pressluft gefüllt wurden.

Weil die Gefahr bestand, dass größere Mengen Öl und/oder Diesel austreten, war der gefährdete Bereich von Feuerwehrkräften aus Rurberg, Woffelsbach und Simmerath mit Schwimmsperren eingegrenzt worden.

In der Tat wurde das Wasser des Rursees verschmutzt. Laut Helmut Prickartz, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Simmerath, handelte es sich jedoch lediglich um eine Menge von „deutlich unter zehn Liter“. Auch die Schwimmsperren konnten so bereits wieder entfernt werden.

Rätselraten über die Umstände

Nach dem Bootsunglück auf dem Rursee, bei dem am Montag vier geistig behinderte Kinder der Aachener Kleebachschule und ihre drei Betreuer nur um Haaresbreite einer Katastrophe entgangen waren, herrscht aber weiterhin Rätselraten über die Umstände, die zum Untergang des DLRG-Rettungsbootes geführt hatten.

Beim Versuch, die Woffelsbacher Bucht zu überqueren, war das Boot etwa 200 Meter vom Ufer entfernt im Bereich des Jachthafens in Not geraten, nachdem angeblich durch ein Leck Wasser in den Bootskörper eingedrungen war. Die zufällig vorbeikommende „Stella Maris“ der Rurseeschifffahrt und ein Hilfsboot des Jachtclubs hatten die im kalten Rursee treibenden Schiffbrüchigen an Bord genommen.

Vermutungen, das Boot sei mit zehn Personen überladen gewesen, wies DLRG-Pressesprecher NRW Michael Grohe im Gespräch mit unserer Zeitung am Dienstag zurück. „Das Boot war voll, das ist richtig. Überladen war es nicht.“ Für wie viele Personen das Boot denn zugelassen sei? „Das kann ich nicht aus dem Stegreif beantworten.“

Wer sich damit nicht begnügt und ein wenig im Internet recherchiert, landet irgendwann auf der Website der DLRG Neuss, auf der diese unter anderem ihren Fuhrpark vorstellt (http://stadt-neuss.dlr.de/einsatz/einsatzmaterial.html). Mit dabei: die „Vieser Shadow 560“, das gleiche Boot, das jetzt auf dem Grund des Rursees liegt. Neben diversen anderen Zahlen findet sich hier die interessante Angabe: „Sitzplätze: 3+4“, wobei die drei für die Anzahl der Besatzungsmitglieder und die vier für die Zahl der Passagiere steht.

Anruf bei Horst Möller, Chef der Firma Bootsbau Vieser in Jüchen (www.bootsbau-vieser.de). Der muss es ja wissen, wie viel Personen in sein Boot passen – will es aber nicht sagen. „Da möchte ich mich nicht zu äußern.“ – „Aber Sie bauen das Boot doch. Da werden Sie mir doch sagen können, mit wie viel Personen ich es beladen darf.“ Kann er nicht, zumindest nicht aus dem Kopf. „Da müsste ich in die CE-Angaben schauen, aber ich bin in der Werkstatt und habe die hier nicht greifbar.“

Fragen wir ihn nach dem Leck. Könnte ein dicker Ast, der im See trieb, den Rumpf des Bootes durchschlagen haben? „Theoretisch ja,“ sagt Horst Möller. „Aber nur, wenn Sie ihn im richtigen Winkel mit voller Geschwindigkeit rammen.“

Zeugen wollen angeblich gesehen haben, wie sich bei rasanter Fahrweise der Bug des Bootes aus dem Wasser gehoben hat und Wasser über das Heck ins Boot gelaufen ist. „Das geht nicht“, sagt Horst Möller. „Wenn der Bug sich aus dem Wasser hebt und das Heck sich absenkt, ist das Boot in voller Fahrt. Dann müsste das Wasser, das hinten ins Boot läuft, schneller sein als das Boot.“ Klingt logisch.

Kann man die Vieser Shadow denn durch falsche Fahrweise versenken? Möller hält das für bedingt möglich. „Wir haben dieses Modell ausgiebig getestet und sind damit problemlos bei Windstärke 8 bis 9 auf der Ostsee gefahren. Natürlich sind Szenarien denkbar, die solch ein Boot zum Sinken bringen, aber nicht, wenn die Besatzung klar bei Verstand ist.“

Ähnlich hatte sich auch DLRG-Pressesprecher Michael Grohe geäußert: „Mit ganz viel Mutwilligkeit bekommt man alles kaputt. Aber der Bootsbesatzung war klar, wen sie da transportiert. Da macht man keinen Spökes. Das kann ich ausschließen.“

Am Mittwoch ab wurde die versunkene Vieser Shadow 560 gefunden.

Die Staatsanwaltschaft hat noch keine Ermittlungen aufgenommen. Oberstaatsanwalt Robert Deller erklärte am Dienstag: „Dafür ist es noch zu früh. Wir müssen zunächst die Frage klären: Womit haben wir es hier zu tun? War es das Fehlverhalten eines Verantwortlichen oder ein Unglück? Wenn es Fehlverhalten war, und sei es auch nur fahrlässig, werden wir mit Sicherheit tätig.“ Das werde man aber erst entscheiden können, wenn das Boot gefunden ist. „Im Moment haben wir keine Veranlassung einzugreifen.“

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