Brüssel - Gericht entscheidet über Freilassung von Dutroux-Komplizin

CHIO-Header

Gericht entscheidet über Freilassung von Dutroux-Komplizin

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:

Brüssel. Die Ex-Frau und Komplizin des belgischen Kindermörders Marc Dutroux kann auf eine vorzeitige Freilassung hoffen. Ein Berufungsgericht in Brüssel berät an diesem Dienstag über den Widerspruch, den die Familien der Dutroux-Opfer dagegen eingelegt hatten.

Angesichts der Rechtslage ist zu erwarten, dass das Gericht der 52-jährigen Michelle Martin den Weg in die Freiheit öffnet. Nach 16 Jahren hinter Gittern würde Martin dann in den nächsten Tagen auf freien Fuß kommen, obwohl sie als Mittäterin ihres Ehemannes zu 30 Jahren Haft verurteilt worden war.

„Die Beratungen dürften Stunden dauern, die Entscheidung wird entweder am Nachmittag oder erst am Mittwoch fallen”, sagte ein Sprecher des Gerichts der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Die Frau selbst werde nicht vor Gericht erscheinen. Das Gericht wolle den Anwälten in der öffentlichen Debatte Gelegenheit geben, ihre Argumente vorzutragen.

Die vorzeitige Freilassung schlägt in Belgien seit Tagen hohe Wellen. Die „Affäre Dutroux” hatte in den 1990er Jahren ganz Belgien erschüttert. Der Mann entführte sechs Mädchen, missbrauchte sie und kerkerte sie in seinem Keller in einem geheimen Verlies ein. Dort starben vier von ihnen. Seine Ehefrau trug eine Mitschuld: Nachdem ihr Mann verhaftet worden war, ließ sie die beiden Mädchen Julie und Mélissa verhungern.

Nach ihrer Freilassung will Martin im Kloster der „Armen Schwestern der heiligen Klara von Assisi” in Malonne bei Namur leben. In dem Ort hatten bereits Hunderte Belgier gegen den Zuzug der Frau demonstriert. Ein Gericht hatte Ende Juli entschieden, dass die Ex-Frau von Marc Dutroux unter Auflagen in die Freiheit entlassen werden darf. Der Anwalt zweier Opferfamilien hat angekündigt, im Fall des Scheiterns vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu ziehen.

Martin hatte mehrfach Anträge auf vorzeitige Haftentlassung gestellt. Die belgische Justiz genehmigte nun den Antrag, weil er einen Resozialisierungsplan enthält, der die Aufnahme der Frau in einem Kloster vorsieht.

Die Homepage wurde aktualisiert