Eschweiler - Gerda Ferrero näht auch mit 93 Jahren noch für die Garde

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Gerda Ferrero näht auch mit 93 Jahren noch für die Garde

Von: Tobias Röber
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Angefangen hat alles mit ihrem dreijährigen Sohn vor 62 Jahren: Damals nähte Gerda Ferrero aus Eschweiler-Dürwiß die erste Gardeuniform. Das tut sie bis heute für die KG Narrengarde. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Ihr Sohn Hans ist gerade einmal drei Jahre alt, als Gerda Ferrero 1952 beschließt, dass er unbedingt eine Karnevalsuniform tragen muss. „Ich habe ihm damals gesagt: Du kriss‘ en Uniförmchen“, erinnert sie sich. Gesagt, getan: Die 31-Jährige macht sich auf den Weg in ein Geschäft. Aber nicht, um eine Uniform zu kaufen, wie man vielleicht denken mag.

Sie erwirbt Stoffe in den blau-gelben Vereinsfarben der Karnevalsgesellschaft Narrengarde aus dem Eschweiler Stadtteil Dürwiß und macht sich mit Nadel und Faden ans Werk. Kurz darauf ist das schmucke Gewand fertig. Das ist jetzt 62 Jahre her, und Gerda Ferrero näht im Alter von 93 Jahren immer noch Uniformen. Nicht nur für sich und die Familie, sondern für die gesamte KG.

Gerda Ferrero wird am 9. Juni 1920 geboren, „natürlich“ in „ihrem“ Dürwiß. Sie besucht erst die Schule und arbeitet später als Hausfrau, Kindermädchen und in einem Zigarettengeschäft. „Richtig“ gelernt hat Gerda Ferrero die Schneiderei nie, aber schon als Kind näht sie, was das Zeug hält. Kleider für Puppen beispielsweise, aber auch schon für sich selbst. Sie erinnert sich, wie ein Lehrer erstaunt fragte, wer denn das schöne Kleid genäht habe. „Meine Tochter“, habe ihre Mutter damals geantwortet und ein anerkennendes Lob erhalten. Dass sie dabei immer alles von Hand erledigt, ist für Gerda Ferrero selbstverständlich. „Wir hatten damals keine Nähmaschine“, sagt sie.

„Ich bin schon immer ein Karnevalsjeck“, erzählt sie, als sei es das normalste der Welt. Ist es aber nicht. „Als Kinder durften wir ja nix“, blickt sie zurück. Will heißen: Karneval feiern ist für Gerda Ferrero als Mädchen tabu. Als junge Frau ist es dann so weit: Erstmals will sie im Karnevalsumzug mitgehen, gemeinsam mit anderen Dürwisserinnen.

Die Gruppe entscheidet sich für Tigerkostüme und betreibt dafür eine Menge Aufwand. Die Frauen bestellen die Masken in München. Einen Haken gibt es aber dann doch: Zum Tigerkostüm gehören Hosen. Für die Frau von heute kein Problem. Für Gerda Ferrero kommt das aber überhaupt nicht in Frage. „Das gab es damals nicht, dass Frauen Hosen tragen“, sagt sie und schüttelt mit dem Kopf. Und, wie das bei ihr üblich ist, legt sie sofort Hand an und macht Röcke aus den Hosen. Ordnung muss schließlich sein. Die Kostüme jedenfalls kommen gut an. So sagt Jupp Sieberichs, viele Jahre Präsident der KG, damals: „Man, was seid ihr schön!“

Tja, und dann kommt eben Sohn Hans Ferrero ins Spiel. Die Mama leiht sich eine Uniform, um zu sehen, wie diese gemacht ist. Dann fährt Gerda Ferrero extra nach Köln, um guten Stoff zu kaufen. Als die Uniform fertig ist, werden andere Eltern darauf aufmerksam. So beginnt sie, nicht nur für Familie und Freunde zu schneidern, sondern auch für andere Mitglieder der KG.

Mit 82 Jahren im Rosenmontagszug

„An Männeruniformen habe ich mich anfangs aber nicht getraut“, blickt sie zurück. Die Scheu verliert sie alsbald. Sie näht neue Uniformen, weitet, repariert und bringt auch eigene Ideen ein. So hat eine Frauentanzgruppe nur Schleifchen am Kostüm, bis Gerda Ferrero diese gegen schmucke Rosetten eintauscht.

In die KG Narrengarde tritt sie selbst erst im Jahr 1988 ein, nachdem ihr Mann stirbt. Feiern will sie zunächst nicht. „Fünf Jahre lang bin ich dann nirgendwo gewesen“, erzählt sie. Als Teilnehmerin der Umzüge sucht man sie ebenfalls vergeblich. Ende der 90er Jahre lässt sie sich dann doch wieder überreden, und wenn sie an die Kostüme von damals denkt, gerät sie ins Schwärmen.

Es gibt viele Kostüme, die Gerda Ferrero in all den Jahren getragen hat. Der Vielfalt war im Grunde nie eine Grenze gesetzt. O.k., eines gilt bis heute: Einmal habe eine Gruppe als „schäbbije Alte“ gehen wollen. Aber nicht mit Gerda Ferrero. „Es muss schon immer schick sein“, betont sie und lächelt. So wird sie das Kostüm vom Ende der 90er Jahre an diesem Wochenende wieder hervorholen. Unter anderem den großen Hut mit den weißen Spitzen.

Mit einem weiteren Kostüm schafft sie es mit einigen Freundinnen vor vielen Jahren gar in den 100-jährigen Kalender in Köln. Als Christel von der Post ist sie am Elften im Elften in der Domstadt unterwegs. Das Kostüm trägt sie auch in Eschweiler. Stilecht mit Pferd und Kutsche im Umzug.

Im stolzen Alter von 82 Jahren geht sie noch einmal im Rosenmontagszug mit – als Huhn. „Ich bin richtig stolz darauf, dass ich das noch mal geschafft habe“, sagt sie völlig zu Recht. Ihre Gesellschaft dankt ihr die jahrelange Treue unter anderem am 90. Geburtstag. Völlig überraschend steht plötzlich eine blau-gelbe Schar vor ihrer Türe. Elferrat (in dem auch ihr Sohn Hans ist), Tanzpaar, Musikgruppe – um nur einige zu nennen – gratulieren. Bei einer Sitzung wird sie gar auf die Bühne gebeten und bekommt von jedem eine Rose. „Und eine Umarmung“, fügt sie mit einem breiten Grinsen an.

Wie in jedem Jahr, arbeitet Gerda Ferrero noch in diesen Tagen die Wünsche der Dürwisser Karnevalisten ab. „Manche kommen aber auch auf den letzten Drücker“, sagt sie, spitzt den Mund zunächst ganz leicht verärgert, lächelt wieder und sagt: „Ich mache das natürlich, die Sachen müssen ja fertig werden.“ Nach Karneval ist dann erstmal Pause. Die brauche sie auch, betont die 93-Jährige. Im Herbst nimmt sie dann wieder Aufträge an.

An diesem Wochenende wird Gerda Ferrero wieder feiern. Heute Abend besucht sie die 2. Große Sitzung der KG Narrengarde, und am Sonntag geht der Umzug in ihrem Ort direkt an ihrem Garten vorbei. Geschmückt ist ihr Haus längst. Im Fenster stehen Puppen in blau-gelben Uniformen. Die hat sie – wenig überraschend – selbst genäht. Und das will sie für „ihre“ KG Narrengarde Dürwiß auch weiterhin tun.

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