Alsdorf - Gemeinsames Musikprojekt: Samuel Schürmann und Heribert Leuchter

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Gemeinsames Musikprojekt: Samuel Schürmann und Heribert Leuchter

Von: Michael Loesl
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Der Berliner Sänger und Schauspieler Samuel Schürmann und Saxofonist Heribert Leuchter haben Song-Klassiker in ein jazzig-leichtes Gewand gekleidet. Foto: Harald Krömer
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Sie haben eine Musik auf CD gebracht, die viel mit Gefühlen zu tun hat. Foto: Harald Krömer
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Heribert Leuchter ist Musikproduzent und Saxofonist aus Aachen. Foto: Harald Krömer
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Stellen das Album „The Singer“ in Alsdorf vor: Samuel Schürmann (Mitte) und die Gruppe Swing.it. Foto: Harald Krömer

Alsdorf. Ihre musikalische Zusammenarbeit erleben der Berliner Sänger und Schauspieler Samuel Schürmann und das Jazz-Quartett des Aachener Musikproduzenten und Saxofonisten Heribert Leuchter – Swing.it – wie eine Fügung.

Im Alsdorfer Energeticon stehen am Freitag, 28. November, die swingenden, von Bossa Nova geprägten Songs ihres neuen Albums „The Singer“ auf dem Programm. Ein Gespräch über neue Leichtigkeit und alte Musikschätze.

Herr Schürmann, man kennt Sie als Charakterdarsteller in Musical und Theater. Heißt Ihr neues Album „The Singer“, weil Sie sich jetzt vor allem der Musik zuwenden?

Samuel Schürmann: Eigentlich komme ich von der Musik, gab mit 18 Jahren Chanson- und Jazz-Konzerte. In den vergangenen Jahren habe ich aber vor allem Musical-Rollen gespielt. In der Zusammenarbeit mit dem Aachener Heribert Leuchter und dessen Musikern fand ich mich als Sänger in einer Band wieder, in der es für mich nicht mehr um eine Rolle oder die große Pose ging. Es geht ausschließlich um Musik und Geschichten, die ich als Sänger erzählen möchte.

Das Repertoire Ihrer CD umfasst unter anderem Klassiker von Joni Mitchell, Van Morrison und Michel Legrand. Haben Sie bei der Songauswahl bewusst darauf geachtet, nichts ins Fahrwasser von Swing-Wiederbelebern wie Michael Bublé zu geraten?

Samuel Schürmann: Meine CD enthält ja Songs, die zwischen 1950 und 1980 geschrieben worden waren. Man kann die Stücke dieser Epochen immer wieder anders und neu arrangieren. Mir ist wichtig, dass ich mir die Songs zu eigen machen kann und über die Texte etwas Eigenes aussagen kann. Ich möchte mich mit Songs verbinden können.

Kommt dabei Ihre Ausbildung als Schauspieler nicht doch wieder ins Spiel?

Schürmann: Manchmal schon, aber ich möchte mich vor allem als Mensch in die Songs einfühlen können. Wenn sich Menschen auf den Weg zu einem unserer Konzerte begeben, dann muss ich ihnen etwas zu geben haben, was unmittelbar mit mir zu tun hat. Ich begebe mich dabei nicht in die Rolle eines Darstellers. Das funktioniert allerdings nur, wenn ich in den Songs eine Aussage oder ein Sentiment finde, das ich selbst fühle.

Ist Ihnen der Inhalt eines Songs wichtiger als dessen Form?

Schürmann: Es geht ums Zuhören. Das gilt sowohl für das Einanderzuhören zwischen mir und dem Jazz-Quartett, mit dem ich auftrete als auch für mich und die Menschen, die unsere CD hören oder ins Konzert kommen. Ich kann nicht von jemandem erwarten, dass er uns zuhört, wenn ich Lalala-Texte singe. Ich suche immer nach Poesie in Musik und Texten, ganz gleich, ob ich sie singe oder ob sie von jemand anderem gesungen werden.

Aber warum sucht die Musikwelt in scheinbar endlosen Retroschleifen die Poesie fast ausschließlich in der Musik der 1960er und 1970er Jahre?

Schürmann: Es gibt auch heute sehr gute Komponisten und Texter. Aber wir schauen sehnsüchtig auf die Musik dieser Epoche zurück und versuchen sie zurückzuholen, weil wir denken, dass man damals nicht so wahnsinnig überfordert war wie heute.

Vielleicht war die Welt damals ein bisschen hoffnungsfroher. Man glaubte noch an eine Zukunft. Lässt unsere Realität, die heute viel stärker von Ängsten geprägt ist, die große Leichtigkeit eines Komponisten wie Burt Bacharach gar nicht mehr zu?

Heribert Leuchter: Ich habe mir dazu viele Gedanken gemacht. Die Vermutung liegt wirklich nahe, dass man damals mehr „Packan“ hatte, mehr Visionen, mehr Hoffnung und auch mehr Mut, Musik unterschiedlicher klingen zu lassen als das in der heutigen Popmusik der Fall ist. Die klingt in weiten Bereichen schon sehr vereinheitlicht.

Sie schöpfen auf „The Singer“ aus einem Pop-Musikfundus, den man als „Great American Songbook“ bezeichnet. Dem war der Jazz keineswegs so fremd, wie der Jazz der Popmusik im Jahr 2014 fremd ist, oder?

Leuchter: Mit Jazz wird inzwischen alles in Verbindung gebracht, was den New Yorker Broadway und dessen Seitenstraßen jemals gestreift hat. Alleine bestimmte Instrumentierungen wie Saxofon oder Kontrabass sorgen heute schon für Jazz-Verdacht. Was dann für viele Menschen mit schwieriger und intellektueller Musik gleichgesetzt wird. Wunderschöne Songs und berührende Texte sprechen aber eine ganz andere Sprache.

Begegnen Sie dem Jazz vorurteilsfrei?

Schürmann: Eigentlich schon. Ich höre praktisch nur Jazz-Radio, aber da wird manchmal Musik gespielt, die mir zu anstrengend ist. Jazz, der keine Harmonien besitzt, ist für mich schwer nachvollziehbar.

Die Jazz-Auffassung auf „The Singer“ ist hingegen romantisch, richtig?

Schürmann: Ja, in weiten Teilen. Mir wurde schon mitgeteilt, dass man mit unserer Musik Kaminfeuer, ein Fell vor dem Kamin, Cognac-Gläser und ein Liebespaar verbindet. Das finde ich gar nicht schlimm, weil ich Musik mag, mit der ich eine Stimmung verbinde, in der ich mich wohlfühle. Deswegen ist unsere Musik ja nicht gleich seicht.

Leuchter: Wir entlehnen eine Musik, deren Herkunft außereuropäisch ist, die aber längst nicht nur hier, sondern weltweit gespielt und gehört wird. Die präsentieren wir musikalisch gehaltvoll. Deswegen finde ich es nicht verwerflich, dass wir uns in einem Repertoire bedienen, dessen sich schon viele andere bedienten. Frank Sinatra wäre ohne dieses Material undenkbar gewesen.

Damit stehen sie auf breiten Schultern, meinen Sie nicht?

Leuchter: Sicher, aber Samuel Schürmann klingt nicht wie Sinatra, sondern wie Samuel Schürmann. Und wir als Quartett klingen logischerweise nicht wie eine Big Band. Man kann mit den Songs, die wir spielen, sehr originell klingen, wenn man will. Und leicht. Das ist kein Widerspruch. Nur, spätestens seit Charlie Chaplin weiß man, dass es besonderer Arbeit bedarf, etwas leicht wirken zu lassen.

Sie präsentieren auf der Bühne also etwas, was im Alltag kaum noch greifbar ist?

Schürmann: Man merkt bei unseren Konzerten, dass sich Menschen unglaublich gerne mal wieder verwöhnen lassen und in unsere Musik eintauchen möchten. Das muss man natürlich als Bühnenakteur über die eigene Persönlichkeit auch vermitteln können.

Von welchen persönlichen Erfahrungen erzählt Ihr Album?

Schürmann: Der Song „Here’s To Life“ beispielsweise kam in mein Leben, als ich eine sehr schwierige Phase erlebte. Mein Vater erlag genau in dieser Zeit einem Schlaganfall, und meine Patentante verstarb, die mir sehr nahe stand. Plötzlich hatte ich zu bestimmten Songs persönliche Bezüge, weil mir die Texte aus der Seele sprachen. Erst kürzlich erfuhr ich, dass Artie Butler den Song für seinen sterbenden Vater geschrieben hatte. Natürlich fällt es mir mit den Songs des Albums leicht, auf der Bühne ehrlich zu sein und unserem Publikum keine Maske zu präsentieren.

Sie leben in Berlin, Heribert Leuchter und die Musiker seines Quartetts leben in Aachen. Wenn man über diese Distanz miteinander arbeitet, muss für alle Beteiligten etwas Besonderes im Spiel sein, oder?

Leuchter: Unser Zusammenspiel ist eine Fügung. Es gibt die Serie „Jazz-Bühne“ am Aachener Grenzlandtheater, in der wir mit dem Jazz-Quartett und ausgewählten Gästen ganz ernsthafte Jazz-Konzerte mit jedoch ebenjener Leichtigkeit spielen, von der wir eben sprachen. Samuel Schürmann spielte seinerzeit die „Zaza“ in der Theaterproduktion „La Cage Aux Folles“ und war dann unser Gast auf der Jazz-Bühne.

Schürmann: Wir hatten eine einzige Probe für unsere ersten beiden gemeinsamen Konzerte auf der „Jazz-Bühne“, was für einen wie mich, der vom Theater kommt, eigentlich undenkbar ist. Aber die Konzerte fühlten sich so an, als ob wir schon jahrelang zusammen Musik gemacht hätten. Es passte einfach.

Worin unterscheiden sich die Aachener vom Berliner Publikum?

Schürmann: Ich finde es sehr angenehm, wie die Aachener Kultur pflegen. Ich will nicht schlecht über Berlin reden, aber mir fehlt dort manchmal der Respekt vor der Kultur. Und auch die Freude daran. Das merkt man alleine schon daran, in welchem Aufzug man dort zu Konzerten erscheint. Hier in Aachen macht man sich schick, bevor man ins Konzert geht. Das hat etwas Liebevolles, wie ich finde.

Gibt es für das Konzert in Alsdorf einen Dress-Code?

Schürmann: Um Himmels Willen, nein! Wir wünschen uns lediglich, dass man uns zuhört, denn wir haben uns viel Mühe gegeben und ein paar Songs einstudiert, die man bislang noch nicht von uns gehört hat.

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