Düsseldorf - Geistlicher Beistand am Airport

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Geistlicher Beistand am Airport

Von: Jan Filipzik, ddp
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Düsseldorf. Seelsorger Detlev Toonen spendet Angehörigen nach Flugzeugabstürzen und anderen Unglücken Trost. Als am Pfingstmontag die Air-France-Maschine vor Brasilien ins Meer stürzte, bekam er einen Anruf.

Er ließ alles stehen und liegen, sprang in sein Auto und war innerhalb weniger Minuten an seinem Einsatzort: dem Flughafen Düsseldorf.

Seit 2006 ist Toonen Airport-Seelsorger. Er kümmert sich um gestresste und verzweifelte Passagiere, führt Beratungsgespräche mit den Angestellten des Flughafens, sorgt beim Passagier, dem im Urlaub sein Geld gestohlen wurde, für die sichere Fahrt nach Hause mit der Bahn oder dem Taxi - und muss manchmal eben auch in der sogenannten Notfallseelsorge aktiv werden.

„Es hätte zum Beispiel gut möglich sein können, dass Angehörige noch nichts von dem Unglück gehört haben, und ihre Familienmitglieder am Flughafen abholen möchten”, erklärt der Pfarrer. Seine Aufgabe ist es dann, mit ihnen zu sprechen und noch vor Ort mit der Trauerarbeit zu beginnen. Und auch wenn an diesem Tag niemand kam - bereits einen Tag später musste Toonen sich um Angehörige kümmern, die zum offiziellen Gedenkgottesdienst nach Paris fliegen wollten. „Verlustbegleitung” nennt sich so etwas dann, und das macht den harten Teil seiner Arbeit aus.

Toonen, der für die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) arbeitet, ist bislang der einzige Airport-Seelsorger in dieser Region, erklärt Jens Peter Iven, Sprecher der EKiR. „Von den Passagieren gibt es unglaublich viele positive Rückmeldungen”, sagt Iven. Oft würden sie sich in Briefen oder Telefonaten für die Arbeit von Detlev Toonen bedanken.

Die Notfallseelsorge bei Flugzeugabstürzen oder anderen Unglücken macht zum Glück nur einen kleinen Teil der Arbeit von Toonen aus. Die Hauptarbeit besteht in den direkten Kontakten mit den Passagieren vor dem Abflug. Das bedeutet gerade jetzt während der beginnenden Sommerferien viel zu tun für den 54-Jährigen. „Natürlich führe ich auch manchmal nur Smalltalk mit den Menschen”, erklärt Tonnen. Mittlerweile habe er aber auch „einen Blick dafür bekommen”, wenn jemand seine Hilfe benötigt.

Personen mit Flugangst erkennt Toonen zum Beispiel leicht an ihrer Körperhaltung. „Die sind richtig in sich zusammen gesunken und sitzen meist ganz starr mit dem Rücken zum Rollfeld, um bloß nichts sehen zu müssen.” In solchen Momenten heißt es dann, geschickt zu sein. Oft verwickelt Toonen diese Menschen in ein Gespräch, manchmal fragt er sie auch direkt, was ihnen fehlt. „Meist zeigt sich dann, dass sie froh sind, sich ihre Sorgen von der Seele reden zu können”, erklärt er.

Und genau dafür hat Toonen dann ein paar Entspannungsübungen parat, oder auch - je nach Situation - die statistischen Zahlen über die Sicherheit des Fliegens. Einen klassischen Gottesdienst dagegen hält der Pfarrer nur fünf Mal im Jahr ab. Für ihn ist das kein Problem. „Ich mache diesen Beruf wirklich sehr, sehr gerne”, sagt er.

Unterstützung bekommt er dabei auch von den insgesamt 17 ehrenamtlichen Helfern, von denen meistens zwei für die Passagierbetreuung eingeteilt sind.

Außerdem arbeitet er eng mit anderen Institutionen zusammen, wie zum Beispiel mit den Frauenhäusern, der Bahnhofsmission und den Notunterkünften, um etwa obdachlose Passagiere auffangen zu können. Und auch wenn es an manchen Tagen etwas langweilig zu werden droht, wenn so rein gar nichts passieren will, ist Toonen immer wieder heilfroh, wenn er oder einer seiner Mitarbeiter am Ende des Tages folgenden Eintrag im Logbuch niederschreiben kann: „Viele fröhliche Urlauber, keine besonderen Ereignisse.”
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