Eschweiler/Düren - Geisterfahrer-Unfall: Betroffenheit und viele Fragen

Geisterfahrer-Unfall: Betroffenheit und viele Fragen

Von: Marc Heckert
Letzte Aktualisierung:
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Nach dem tödlichen Drama auf der A4: Rettungskräfte am Wrack des BMW-Cabrios, in dem der 40-Jährige aus Eschweiler starb. Foto: Ralf Roeger

Eschweiler/Düren. Die tödliche Geisterfahrt eines 40-jährigen Autofahrers, der am Donnerstag auf der Autobahn 4 bei Weisweiler einen schweren Unfall verursacht hatte, hat bei unseren Lesern große Betroffenheit ausgelöst. Die Polizei Aachen bestätigte unterdessen am Freitag die Vermutung, dass der 40-Jährige gezielt gehandelt hatte.

„Mein Beileid allen Angehörigen“: Dieser Kommentar von Sonja S. im Facebook-Auftritt unserer Zeitung drückte aus, was viele Betroffene und Beobachter empfanden. Auch um den Fahrer des Lastwagens, gegen den der Falschfahrer geprallt war, sorgten sich Leser. Er werde lange brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten, meinte etwa Stephanie M. aus Würselen in einem Kommentar.

Der 40-jährige Autofahrer aus Eschweiler war gegen 16 Uhr im dichten Berufsverkehr in entgegengesetzter Richtung auf die Autobahnauffahrt Weisweiler gefahren. Unser Leser Stefan H. aus Düren wurde Augenzeuge, wie das Drama seinen Lauf nahm: „Er hat vor mir an der Kreuzung an der roten Ampel gestanden, ist dann nach links in Richtung Frenz abgebogen“, schrieb er auf Facebook. Unmittelbar danach sei der Fahrer wieder nach rechts abgebogen, um in falscher Richtung auf die Autobahn zu fahren.

Schon nach wenigen hundert Metern prallte das zweitürige BMW-Cabrio frontal gegen einen entgegenkommenden Lastzug. Der Pkw wurde zertrümmert und über die Fahrbahn geschleudert, im Motorraum brach Feuer aus. Der Fahrer erlitt so schwere Verletzungen, dass er noch am Unfallort starb. Der Lkw-Fahrer erlitt einen Schock.

Bereits in einer ersten Pressemitteilung am Abend deutete die Autobahnpolizei Köln an, es gebe Hinweise, wonach der Autofahrer seinem Leben bewusst ein Ende setzen wollte. Was für Hinweise das waren, wollte ein Polizeisprecher gegenüber unserer Zeitung aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen nicht näher ausführen. Die Aachener Kriminalpolizei nahm noch am Abend Ermittlungen auf. „Diese bestätigten den Verdacht“, sagte Polizeisprecherin Sandra Schmitz am Freitag. Welches Motiv der Mann hatte, blieb offen.

Ungezählte Autofahrer verbrachten den Abend unfreiwillig in dem bis zu zehn Kilometer langen Stau auf dem gesperrten Streckenabschnitt zwischen Düren und Eschweiler-Ost. Dem Geschehen knapp entkam offenbar ein Leserkommentator mit dem Pseudonym „Zwischenrufer“: „Wenige Minuten vor der Sperrung fuhr ich selbst noch von Köln gen Aachen auf der A4“, schrieb er in den Kommentaren unter unserer Berichterstattung - und stellte zugleich die Frage: „Wann ersinnen unsere tollen Herren Ingenieure endlich eine praktikable Lösung gegen dieses Geisterfahrerunwesen?“

Nach langem Warten durften schließlich zunächst die Autofahrer wenden: „Pkw's wurden eben von der Polizei aufgefordert sich zu drehen und entgegengesetzt die Auffahrt Düren wieder raus zu fahren“, berichtete Dominik H. auf unserer Facebook-Seite.

Die Lastwagenfahrer mussten sich noch deutlich länger gedulden: Erst um 22.42 Uhr wurde eine Spur für kurze Zeit freigegeben, damit auch sie nach fast sieben Stunden endlich weiterfahren konnten. Gegen 1 Uhr nachts schließlich, neun Stunden nach dem Unfall, wurde die A4 nach letzten Aufräumarbeiten endgültig wieder freigegeben.

Die langen Wartezeiten strapazierten die Nerven der zur Untätigkeit Verurteilten bis aufs Äußerste. „Meine Frau hat vier Stunden von Weißweiler nach Aachen gebraucht“, sagte etwa unser Leser Uwe Brinkema aus Aachen. „Wenn man da im Auto sitzt, ist es wirklich ein Problem, dass man keine Informationen hat und nicht weiß, wie lange es noch dauert."

Hätte die Sperrung nicht schon früher zeitweise aufgehoben werden können, zumindest auf einer Fahrspur? Karlo Kreitz, Pressesprecher, der Autobahnpolizei Köln, verneinte das auf Anfrage. Durch die enorme Wucht des Frontalaufpralls hätten sich Trümmerteile quer über sämtliche Fahrspuren verteilt. „Die Rettungs- und Aufräummaßnahmen gestalten sich in so einer Situation um ein Vielfaches schwieriger als im innerstädtischen Bereich.“

Kreitz versicherte: „Wir bemühen uns wirklich, den Verkehr so schnell wie möglich wieder fließen zu lassen.“ Doch in Fällen wie dem von Weisweiler, „wo auch noch eine fahrlässige Tötung im Raum steht“, müsse auch das Unfallaufnahmeteam der Polizei erst den Ort des Geschehens untersucht haben. Allein die Anfahrt der Spezialisten aus Köln kostet Zeit - zumal sie sich noch an dem kilometerlangen Stau vorbeikämpfen mussten.

Vielen Lesern saß die Betroffenheit über das Drama in den Knochen. Uwe Brinkemas Frau fuhr am Tag nach dem Unfall nach Düren lieber über die Landstraße. Sie war nicht die einzige. Auch unsere Leserin Ulrike S. bekundete auf Facebook, inzwischen lieber Umwege in Kauf zu nehmen, als über die Autobahn zu fahren. „Die A4 ist einfach nur furchtbar“, schrieb sie. „Es vergeht kein Tag, wo es dort nicht knallt.“

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