Gefährlicher Lichtstrahl: Laserattacken häufen sich

Von: Philipp Seibt, dpa
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Düsseldorf. Ein grüner Blitz durchzuckt Anfang Juni den Rettungshubschrauber „Christoph Westfalen”. Als die Piloten feststellen, dass das Licht vom Boden kommt, wollen sie der Ursache auf den Grund gehen.

„Das ist uns zum Verhängnis geworden”, sagt ADAC-Pilot Markus Greve. Erneut wird der Hubschrauber von dem grünen Strahl getroffen ­ diesmal direkt in Greves rechtes Auge. „Ich habe mich sofort weggedreht, aber da war es schon zu spät”, erzählt der 39-Jährige. Mit Augenschäden muss er sich vom Dienst abmelden. Die Folge: Nordrhein-Westfalen hat an jenem Samstagabend keinen einsatzfähigen Piloten für den Rettungshubschrauber.

Der Vorfall ist der Auftakt zu einer ganzen Serie von Attacken auf den Hubschrauber „Christoph Westfalen”. Mitte Juni wird ein Co- Pilot dea Helikopters über Marl mit einem Laserstrahl getroffen, in dieser Woche folgten Angriffe über Meschede und Lünen.

Der Rettungshubschrauber ist jedoch nicht das einzige Ziel. Immer wieder kam es in den vergangenen Monaten zu Laserattacken auf Flugzeuge und Hubschrauber. Anfang März etwa zielt ein 14 Jahre alter Junge in der Nähe von Bielefeld mit einer Laserpistole auf einen Polizeihubschrauber. In Düsseldorf werden kurze Zeit später mehrere Piloten von Passagierflugzeugen geblendet.

Für die Piloten kann das schlimme Folgen haben. „Trifft Laserlicht direkt auf das menschliche Auge, kann dies im schlimmsten Fall zu Verbrennungen der Netzhaut führen”, erklärt Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands mit Sitz in Düsseldorf. Solche Verbrennungen seien nicht wieder rückgängig zu machen. Die Opfer hätten dann einen schwarzen Fleck im Gesichtsfeld.

Das Gefährliche am Laser ist die starke Bündelung des Lichtstrahls, erklärt Prof. Carsten Fallnich, Physiker an der Universität Münster. „Auch nach mehreren hundert Metern hat der Strahl nur einen Durchmesser von wenigen Zentimetern.” Somit trifft die Energie des Lichts konzentriert auf eine sehr kleine Fläche. Handelsübliche Laserpointer sollten für das Auge zwar eigentlich nicht gefährlich sein. Im Internet findet man jedoch auch Geräte, die den in Deutschland zulässigen Grenzwert von 1 Milliwatt Leistung um das Hundertfache überschreiten.

Die Piloten sind den Laserstrahlen hilflos ausgeliefert. „Schutzbrillen gibt es zwar, aber die schützen immer nur gegen eine bestimmte Wellenlänge”, sagt Markus Greve. Zudem seien die Piloten gerade nachts auf ihre Augen angewiesen. „Jeder zusätzliche Filter verdunkelt uns das Sichtfeld”, erklärt der 39-Jährige.

Laut Strafgesetzbuch handelt es sich bei den Laser-Attacken um gefährliche Eingriffe in den Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr, die laut Paragraf 315 des Strafgesetzbuchs mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden können. Die Täter auf frischer Tat zu ertappen, sei allerdings schwierig, sagt Michael Fuhrmann von der Deutschen Flugsicherung.

Die Polizei versucht, mit Hilfe der Piloten und Zeugen gegen die Blender zu ermitteln. Im Januar konnte so ein Mann in Hamm dingfest gemacht werden, nachdem er den Piloten eines Polizeihubschraubers mit einem Laserpointer geblendet hatte. Er wurde wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Und Mitte Juni nahmen Polizisten in Hamburg zwei Tatverdächtige fest, die vermutlich mit einem Laserpointer Flugzeuge im Landeanflug auf den Hamburger Flughafen anvisiert hatten.

ADAC-Pilot Markus Greve ist noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen. Sein rechtes Auge hat sich erholt und er hat keine bleibenden Schäden. Mittlerweile sitzt er wieder im Cockpit.
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